Heft 2/2011

 

Offener Brief

 

 

Wir sind Kirche

Magnus Lux Schrotberg 105 97453 Schonungen

 

Herrn Bischof

Dr. Gerhard Ludwig Müller                      Offener Brief

Niedermünstergasse 1

93047 Regensburg

 

 

Schonungen/Deggendorf, 12. November 2011

 

Sehr geehrter Herr Bischof Müller,

die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche wendet sich an Sie wegen eines Textes auf der Homepage des Ordinariats Regensburg. Dort heißt es:

Regensburg, 04.11.2011 Scheinheiligkeit als Instrument im Kampf gegen die Kirche

„'Wir sind Kirche' tingelt jetzt mit David Berger durch die Provinz - Glaubenskongregation: Berger war niemals einer der Konsultoren, die der Heilige Vater berufen hat.

Seit April 2010 präsentiert sich David Berger als homosexuelles Opfer der Kirche. Die kirchenfeindliche Kampfgruppe mit dem anmaßenden Namen „Wir sind Kirche“ organisiert offensichtlich jetzt seine Auftritte. Berger wirbt dabei für sein Abrechnungsbuch „Der Heilige Schein“, in dem er das Verhängnis seines persönlichen Scheiterns mit unehrlichen Schuldzuweisungen an seine Kolleginnen und Kollegen früherer Tage ummantelt. Lesen hier den aktuellen Beitrag auf kath.net“

Mit der unkommentierten Übernahme unsignierter Beiträge aus kath.net kolportiert die Diözesanleitung offensichtliche Verleumdungen mit der Autorität des Bistums; der Bischof macht sich damit auch offiziell zum Handlanger einer als Personen nicht greifbaren Gruppe, die aus der Anonymität heraus Menschen verunglimpfen. Das vielbeschworene Wort, ein Bischof müsse für die Einheit seines Bistums eintreten, ist hier wohl nicht Maßstab gewesen. Den Dienst an der Einheit können wir in diesem Text nicht erkennen.

Die Bistumsleitung übernimmt dabei nicht nur die Inhalte, sondern auch die Diktion von kath.net und heißt diese damit offenbar gut. Was die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche betrifft, kann man sicher verschiedener Meinung sein. Sie als „kirchenfeindliche Kampftruppe“ zu bezeichnen, ist jedoch eine sprachliche Entgleisung, die nicht nur suggeriert, dass wir außerhalb der Kirche stehen, sondern auch gewaltsam vorgehen.

Das Gegenteil ist der Fall: Die KirchenVolksBewegung tritt dafür ein, dass sich unsere Kirche immer wieder am Evangelium orientiert, denn jede Institution, so notwendig sie ist, läuft immer Gefahr, sich zu verselbständigen und das System vor die Inhalte zu stellen. „Ecclesia semper reformanda” darf nicht nur ein Schlagwort sein, sondern muss zum Leitfaden werden. Wir müssen die befreiende Botschaft des Evangeliums den Menschen heute so verkünden, dass sie sie verstehen und leben können. Dazu gehört auch ein Überdenken der Leitungsstrukturen, denn auch Strukturen predigen.

Auch im Ton, der in der Meldung angeschlagen wird, können wir nicht erkennen, dass sich die eine Gruppe in der Kirche um Verständnis für die andere bemüht. Dieser Ton sollte nicht Schule machen, denn er ist einer geschwisterlichen Kirche nicht nur nicht angemessen, sondern wirkt beleidigend und damit zerstörerisch. In Ihrem Interview in der Passauer Neuen Presse vom 9.11.2011 befleißigen Sie sich freilich selbst einer ähnlichen Ausdrucksweise:

Sektiererische Grüppchen wie "Wir sind Kirche" können ökumenisch nur schaden und sind als Verbündete zur Schwächung der Katholischen Kirche zu meiden. Diese Extremisten bringen nur weitere Spaltungen und blockieren den von Christus vorgeschriebenen Weg zur größeren Einheit im Glauben. Wer so agitiert, der versündigt sich am Willen Christi.

Darauf antworten wir Ihnen mit Ihren eigenen Worten:

Leider gibt es unqualifizierte Äußerungen, ja Hassausbrüche jenseits aller Vernunft und der natürlichen Sympathie, die zwischen Menschen guten Willens und gemeinsamen Grundüberzeugungen nicht akzeptiert werden können. Wir reagieren auf sprachliche Entgleisungen dieser Art aber gelassen und keineswegs mit Gesprächsverweigerung. Unsere Devise heißt: Beieinander bleiben, sich geistig austauschen, in ethischen Fragen gemeinsam Position beziehen und sich mit Respekt begegnen.

(Wiedergabe eines Interviews durch die Bischöfliche Pressestelle vom 29.12.2009)

Als Ökumene-Bischof sollten Sie sich auch in Ihrer Wortwahl bezüglich unseren evangelischen Geschwistern gegenüber versöhnlich und nicht spalterisch geben. Wenn Sie „unqualifizierte und polemische Äußerungen“ zurückweisen und gleichzeitig das Bemühen um mehr Ökumene als das „Konzept einer deutschen Nationalkirche unter preußisch-protestantischer Führung“ verunglimpfen, dann walten Sie Ihres Amtes in einer Art und Weise, die nur abstoßend wirken kann und die der von Ihnen beschworenen Aufgabe, „die Würde des Menschen als Person und als Gemeinschaftswesen herauszustellen, in seinem Bezug zu Gott, vermittelt durch Jesus Christus“ diametral entgegensteht.

Wir fordern Sie daher auf, unverzüglich die Meldung und den Link zu kath.net von der Bistumsseite zu entfernen und des Weiteren Ihre Ausdrucksweise gemäß ihren eigenen Ansprüchen an andere zu versachlichen.

Wir wünschen uns einen Bischof, der die Zeichen der Zeit erkennt, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt, sich in den Dienst der Einheit stellt und nicht durch sein Wort und seine Tat spalterisch wirkt.

Mit geschwisterlichen Grüßen

Magnus Lux              Sigrid Grabmeier

 

für das Bundesteam der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche

Dieser Brief geht zur Kenntnis an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, sowie als Offener Brief an die Presse.

 

 


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