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Gewalt
und ihre Verknüpfungen im Religiösen Gedanken
über versteckte Beiträge von Religionen zu Gewalt und Terror der Gegenwart aus
der individuellen Sicht eines katholischen Wutchristen von Alfred Gassner, Regensburg Die
Apokalypse und ihre mystischen Verknüpfungen in den Religionen. Soeben
begingen wir den 10. Jahrestag des 11.9.2001, an dem Mohammed Atta u.a.
Flugzeuge in die Schaltstellen der USA mit ungeahnten Folgen für die
Weltgeschichte schossen: „Die Jungfrauen erwarten Euch“, schrieb Atta seinen
Kameraden vor Beginn der Aktion und machte sich damit eine islamistische Idee
vom „Heiligen Krieg“ zu eigen. Religiöse Motive bringen auch junge Menschen
im Irak, Afghanistan oder Pakistan immer wieder dazu, sich eine Bombe um den
Bauch zu binden und sich und hunderte unschuldige Menschen zu töten, je mehr
desto besser. In Ägypten erschießen sich Moslems und koptische Christen
gegenseitig. „Schurkenstaaten“ drohen unter Berufung auf religiöse Parolen
mit Atomwaffen; in USA rechtfertigt die Tea Party Gewalt mit obskuren
christlichen Fanatismen; deutsche glatzköpfige Rechtsradikale jagen Ausländer
und berufen sich zur Rechtfertigung ihres gewalttätigen hitlerschen
Antisemitismus und Rassismus auf germanische Mythen. In den USA, England,
Frankreich, Russland und Deutschland brennen nachts Autos, die von jugendlichen
Netzwerkern angezündet werden; in Fußballstadien und davor liefern sich
Hooligans Schlachten; in Oslo/Utoya mussten dreiundsechzig Menschen das Leben
lassen, weil es einem jungen Mörder Breivik gefiel, sich in germanischen Mythen
zu sonnen. Gewalt
ist überall! Man empfindet, dass all diese Geschehnisse pseudoreligiös verknüpft
sind, spürt dass die in den aktuellen Verhältnissen verwobenen alten Mythen
oder Religionstraditonen immer noch mächtig und geschichtsbestimmend sind, fühlt
sich aber verunsichert, weil man nur die Wirkungen des Terrors sieht und deren
Ursachen nicht richtig zuordnen kann. Jenseits aller Religionsfeindlichkeit hat
man den Eindruck, dass Gewalt und seine Wurzeln insgesamt ein religiöses Phänomen
sind, dass Gewalttäter historisch gewachsene religiöse Absolutismen verehren
und diese nachahmen. Alle Beteiligten berufen sich dann auf eine Erlösungshypothese,
sprechen vom „Heiligen Krieg“, von „Antichristen“, „Ungläubigen“
oder „Heiden“; alle fühlen sich als Verfolgte und behaupten, es gebe nur
eine Religion (die ihre) und folgen deswegen einer Ideologie der angewandten
Verachtung des Gegners. Sie
berufen sich auf ein Notwehrrecht, das die Abwehr oder Rache für eine selbst
erlittene Schmach zulässig machen soll. Viele Täter sind jung und wurden zuvor
religiös fanatisiert und in Camps durch Imame, Koranschulen und Priester
stigmatisiert, die ihnen einredeten, sie stünden in den Diensten eines unübertrefflichen
Ideals, an dem gemessen das eigene Leben nicht zählt, weil man es ja angeblich
Gott schenkt und Zukunft für sie nur noch im Jenseits wünschenswert ist. Gewalt
und ihre Wahrnehmungsformen Gewalt
ist jedes nicht gerechtfertigte
Handeln eines Mächtigen gegen die
Interessen des Ohnmächtigen. Jeder
Gewalt geht, bewusst oder unbewusst, ein Bruch mit der moralischen Ordnung
voraus, der im Handelnden das Bedürfnis weckt, sich gegen archaisches Unrecht
aufzurichten und sich mit einem Satz zum Herrn über sein Opfer zu machen. Dazu
beruft man sich dann auf den „Himmel“ als höchste Macht, die durch die
religiösen und sozialen Hierarchien repräsentiert wird. Und damit tritt das
„Religiöse“ in den Dunstkreis von Gewalt, das dann zum astrologischen
Gesetz der Gewalt wird. Die Kreativität des Religiösen im Gewaltgeschehen lässt
sich in ganz unterschiedlichen Kategorien ausdrücken. Machtmissbrauch
(Despotismus) kann sich als aktives Tun oder Unterlassen (vorsätzlich
verschleppende Obstruktion, Ignoranz, Entzug von Ressourcen, Verweigerung von
Hausrechten, Reformverweigerung) ausdrücken. Die Erpressung von Wohlverhalten
durch Karriereversprechen kann den Gewaltentatbestand ebenso erfüllen wie die
intrigante Einleitung eines Karriereabbruchs durch Mobbing. Gewalt geschieht
versteckt (als Ausrede) oder offen (als indoktrinierende Drohung, Verleumdung),
körperlich (durch Schläge) oder geistig (Mystifizierung oder Rituale, die zu
bestimmten Anlässen immer gleich ablaufen), zentralisiert oder dezentral. Macht
kann „strukturell“ aus einer bestimmten Ordnung heraus durch soziale
Benachteiligung gewaltsam ausgeübt werden; sie kann „arrangiert“ (z.B.
durch sog. Zwangsheiraten, Verbot von Mischehen) aufgezwungen werden. Sie kann
als „symbolische Gewalt“ in Erscheinung treten, wenn man z.B. Angst machend
mit Höllenqualen oder Verweigerung einer kirchlichen Beerdigung droht. Es gibt
Gewalt an einzelnen Personen, aber auch in der Erscheinungsform der kollektiven
Gewalt, die sich als Krieg darstellt oder gegen soziale Einrichtungen richtet.
Man kann sich auch dadurch als gewalttätig erweisen, dass man sich durch
passives Schweigen zu einer ungerechten Sache zum Komplizen macht; Gewalt kann
auch durch Unterlassen ausgeübt werden. Terror
als religiös-politisch motivierte Gewalt ist die höchste und
verwerflichste Form von Unrecht und in jedem Falle illegitim. Er ist nur darauf
aus, möglichst viele Menschen oder Sachen zu beschädigen, um so die größtmögliche
Wirkung zu erreichen. Institutionelle Amtsträger, oder Ehegatten, die durch ihr
Verhalten die Würde von Kindern oder Familienmitgliedern missachten, machen
sich auch dann des Machtmissbrauchs schuldig. Entstehungsformen
von Gewalt Freies
menschliches Handeln unterliegt dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Man
kalkuliert Fortschritt und Rückschritt ein und entscheidet sich dann für ein
bestimmtes Tun oder Unterlassen. In einem Aggregat von Gefühlen, Meinungen, Überzeugungen,
Ideologien, Urteilen, Erfahrungen im Denken verknüpft sich das Wesen des
Einzelnen und motiviert ihn, zielgerichtet tätig zu werden oder untätig zu
bleiben. Aber auch Gewalt passiert nicht zufällig, sondern zyklisch und folgt
bestimmten Gesetzlichkeiten, die sich aus den freien Handlungsmöglichkeiten
ableiten. Diese Verknüpfungen von menschlicher Freiheit und Gewalt führen oft
(verschuldet oder unverschuldet) zur Gewalt, die sich auch als religiöses
Diagramm darstellen lassen. Einmal
folgen Menschen manchmal einer obsessiven Lust, Beziehungen als
Herrschaftsmittel über andere zu verstehen und die Herrschaft mit globaler
Gewalt durchzusetzen. Menschen sind aber auch oft nur zu gerne bereit, sich in
der Suche nach Handlungsorientierungen in vorhandene Machtstrukturen
einzupassen, sich in einem Gebäude von Hörigkeit den Weisungen von
Institutionen, Ideologien oder Religionen zu unterwerfen. Mit dem kategorischen
Imperativ: „Was Gott befiehlt, hat auf Erden zu geschehen“ predigen die
Hierarchen Zwangshaltungen und erzeugen so Neigungen zur Gewalt. Sie sagen
indoktrinierend, dass sie die Stimme des Himmels vertreten und maßen sich eine
Gesetzesmacht an, die alles widersprechende Denken als verwerfliche Subkultur
verurteilt. Was der Einzelne zu glauben und zu tun hat, wird ihm täglich von
den Hierarchen und anderen Weisungsmaschinen (z.B. Werbung) in genormter Form
angeboten und um ihm das schmackhaft zu machen, wird ihm das Höchste Sein
(Paradies) versprochen. Eine solche irrationale Botschaft fasziniert auch
Menschen, die sonst nichts mit Gott und dem Himmel etwas auf dem Hut haben. Alle
fundamentalistischen Religionen sind auch in säkularen Zeiten wegen dieser
archaischen Machtordnung der aufgeklärten Vernunft kaum zugänglich. Sie
verstehen sich als Quelle der Wahrheit und Lehrherren des
zivilgesellschaftlichen Geschehens, versuchen ihre Lehre als einzig wahre zu
positionieren, indem sie behaupten, göttliches Recht müsse überall gelten.
Dadurch erzeugen sie im Namen ihrer Religion eine fortschrittsfeindliche
Ideologie, der Gewalttäter in einer verschwommenen Idee der „Erwählung“
folgen. Der Antimodernismus wird so zum Markenzeichen einer gewaltbereiten
Religion, die sich nach innen und außen als Monopole gerieren, denen niemand
entkommt. Erfahren die religiösen Monopolisten Widerspruch, so provozieren die
Monopolisten einen Konflikt, der bei
den Anhängern mangels Friedensbereitschaft ein innerreligiöses Überzeugungsgefüge
spinnt, sich für eine große Sache einzusetzen und dafür notfalls auch als Märtyrer
sterben zu müssen. Hinter dieser Einlassung verbirgt sich religiöser
Fanatismus, der die Rechtgläubigkeit anderer missachtet und eine ganze
Gemeinschaft erfassen kann. Ein
Erfahrungswandel oder ein Perspektivenwechsel ist in solcher fast faschistischen
(hoch gesteigerten) religiösen Leidenschaft dann nahezu unmöglich, weil alle
Handelnden der indoktrinierenden Gewalt der Monopolisten ausgeliefert sind und
ein rationales Urteil kaum noch zustande kommt. „Gott will es!“ ist die
zwingende Formel, die zur schlimmsten Unfreiheit führt, die man sich vorstellen
kann, dem bewaffneten Kampf und Terror. Gewalt
als spezielles Thema im Religiösen Im
Prinzip hängt Gewaltanwendung immer mit der nivellierenden Verletzung des
obersten Prinzips von Menschlichkeit, dem Gebot der Gottes-, Nächsten- und
Eigenliebe zusammen. Gewalt im Namen der Liebe ist unmöglich. Es gibt also
offensichtlich einen genetischen Code, der Menschen in ihrem Kampf um angeblich
höhere Güter Gewalt erlauben möchte und die Hemmschwelle dafür so weit unten
ansetzt, dass Gewalt plötzlich zum zulässigen Mittel der Wahl zu werden
scheint. Unter Berufung auf archaische Traditionen aus vormodernen Kulturen und
der ausgefeilten Kunst der Religionsfürsten, jede Traditionsflucht der Menschen
zu verhindern, werden präparierte Argumente vorgetragen, um zu verhindern, dass
etwas passiert, was dem Macht erhaltenden Interesse der Religionsobersten
schaden könnte. Diese ererbte Kategorie der vorausschauenden Machterhaltung ist
dafür verantwortlich, dass Gewalt in den Religionen als deren fester
Bestandteil verwurzelt ist und sie sich in deren rituellen Einübung als
Gewalttradition durch die Geschichte hin fortsetzt. Christliche
Fundamentalisten rechtfertigen ihre
Repressions- und Erpressungsakte nach innen und außen mit der Bezugnahme auf
das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe und meinen in Wirklichkeit aber nur den
Schutz des selbst errichteten Systems, das sich in ihrer sog. „Priesterwürde“
und von Gott verliehenen Amtsgewalt angeblich ausdrücken würde. Sie blenden
die Realität aus und behaupten, die Befolgung ihrer Lehre sei das einzige zulässige
Mittel zur Durchsetzung oder Verteidigung einer von Gott gesetzten höchsten und
unveränderlichen Norm und verstecken dahinter ihre überhöhte Eigenliebe und
pervertierte Amtsgewalt. Islamisten z.B. fühlen sich als idealistische Retter
der Botschaft Allahs dazu berechtigt, „Ungläubige“ zu ihrer Überzeugung zu
zwingen. Christlichen Missionaren diente das pervertierte Machtmonopol als
Eroberer in Nord- und Südamerika als Rechtfertigung, ganze Urbevölkerungen zu
unterwerfen. Irische oder baskische oder serbische Nationalisten morden heute
noch mit dem Ziel der staatlichen Vorherrschaft im Auftrag des Christentums und
bestimmte indische Buddhisten rächen sich für eine angebliche Verletzung ihrer
religiösen Identität. In
der Menschheitsgeschichte kennt man diese Art von ideologischer
Gewaltrechtfertigung seit der Antike. Das Alte Testament der Bibel ist voll von
grausamen Gewaltschilderungen (vgl. z.B. Jos 6,21; Num 31,7.14-18; Num 33,
51-52.55-56); die Menschen dieser Zeit machen Gott selbst zum Gewalttäter und
verbinden mit dem anarchischen Gott den Charakter eines „auserwählten
Volkes“, das im Namen Gottes zur Kriegführung berechtigt, ja sogar
verpflichtet sein soll. Seit Plato wissen wir von der Verbannung des Protagoras
und der Tötung des Sokrates aus staatsreligiösen Gründen. Seine erste
christliche „Rechtfertigung“ erhielt der Gewaltbegriff durch die
mittelalterlichen Kreuzzüge bzw. durch die sog. „Heilige Inquisition“.
„Gott will es! Gott will es!“ riefen die Kreuzritter und ihre Söldner bei
der Eroberung Jerusalems im Jahr 1099 und töteten gleichzeitig 70.000
Sarazenen. Die als Inquisition getarnte kirchliche Amtsgewalt sah sich bis ins
neunzehnte Jahrhundert hinein befugt, auf alles mit roher Gewalt und in geheimen
Gerichtsverfahren loszugehen, was sich ihrer Autorität nicht unterwerfen
wollte. Eine Lehre, die sich pro Forma auf das christliche Liebesgebot berief,
verbot jegliches Anderssein außerhalb ihrer „Religion“, schob allmählich
die Verteufelung Andersdenkender unter Außerachtlassung menschlicher Vernunft
in den Vordergrund ihres Kampfes und brachte es fertig hunderte von Frauen am
„Hexensabbat“ in ritualisierter Form zu verbrennen. Es gelang ihr und ihren
Ablegern in ganz Europa, mit Scheinheiligkeit und brutaler Gewalt die Menschen
von der Notwendigkeit der Gewalt zu „überzeugen“ und diese sogar für die
eigenen Banner zu fanatisieren. Die
Lüge, im Namen des Evangeliums zu handeln, richtete sich an die Phantasie der
breiten Bevölkerungsschichten und mit Angst gelang es, die Menschen immer mehr
zu Werkzeugen ihrer Macht zu machen. „Euch machen wir katholisch“ ist ein
Sprichwort aus Bunkern des monopolistischen christlichen Gewaltdenkens, das
unter Pius X. (1846-1878) als „syllabus
errorum“ und dem Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes seinen
offiziellen Höhepunkt erlebte. Bis in die jüngste Vergangenheit wurde von der
Hierarchie systematisch Kindesmissbrauch durch Priester geduldet, vertuscht und
das Leid der Betroffenen verharmlost. Täterschutz ging immer vor Opferschutz.
Die Diskriminierung der Homosexualität durch Erzeugung einer Homophobie gehört
heute noch zu den Folterwerkzeugen der Katholischen Kirche. Überall wird ein
vorgeformter hierarchischer Machtanspruch thematisiert, kraft dessen auch Gewalt
um eines angeblich höheren Gutes willen erlaubt sein soll. Diese These steht in
eigenartigem Widerspruch aber zu den normativen Regeln der Religionen, wo Gewalt
überall im großen Kontext generell verboten ist. Dieser
nivellierte Widerspruch lässt Gewalttäter jeglicher Kategorie im Religiösen
zu Hause sein und gibt ihnen ein Wahlrecht zur Begründung ihres Handelns. Sie können
immer argumentieren, ihre Religion erlaube, ja fordere ihr Handeln, ihre Tat würde
ja einem höheren Zweck dienen. Der Stellenwert der religiös fundierten
Rechtfertigung besteht darin, dass sich Täter auf einen institutionalisierten
Kodex berufen können, der anderes Denken und Handeln ausschließt. Mit der
Verdrängung des grundsätzlichen Gewaltverbotes wird die klassische
Moraltheologie einer Religion zur Schutzhülle für Handlungsorientierungen von
Gewalttätern, auf das die sich immer wieder berufen können, obwohl sie damit
die eigentlich friedfertige Botschaft der Religionen durch Umdeutung
pervertieren. Was „böse“ ist, wird einfach in „gut“ uminterpretiert und
dann ist der Weg zur Gewaltrechtfertigung frei. Ein solcher Vorgang, der ein
religiöses Gut zur Begründung von Gewalt ermöglicht, steht aber dem göttlichen
Willen diametral entgegen, weil das Endziel, die Annäherung an Gott, von der
Religionsmaschine auf die Religion und deren Institutionen umgeleitet und so
pervertiert wird. Mit
der Darstellung der Verknüpfungspunkte von Gewalt und Religionen ist jedoch
nicht ausgesagt, dass alle oder bestimmte Religionen eine institutionelle
Kollektivschuld für jede Gewalt und Terror unserer Tage tragen und Attentäter
deswegen freizusprechen wären, weil sie sich auf eine gewaltbereite Tradition
in ihrer Religion berufen. Die Verantwortung des Individuums für sich und seine
Handlungen wird nicht durch die Bezugnahme z.B. auf das Evangelium von der
Tempelreinigung oder bestimmte Koransuren aufgehoben. Niemand ist auch nur
deswegen ein Terrorist, weil er einer bestimmten Religion angehört, er wird es
erst durch eigenes Zutun. Aber aus dem bisherigen Befund lässt sich dennoch
eine allgemeine Ursächlichkeit für gewaltsames Handeln im Namen einer Religion
und damit deren Verantwortung dafür ableiten, versteckte Gewaltpotentiale in
ihren Glaubensdepots zu beseitigen. Einer
besonderen Analyse in diesem Zusammenhang bedarf noch die religiöse
„Repression“, also die Einschränkung der Neuentfaltung von Lehre und
Strukturen mit Hilfe angestammter Vorherrschaft innerhalb der
Religionsgemeinschaft. Die Religionsoberen neigen dazu, durch subtile Maßnahmen
den Einzelnen und anderen Religionen eine Entwicklung zu verwehren und
sanktionieren deswegen alles, was irgendwie zu grundlegenden Änderungen führen
könnte. Obwohl die normativen Regeln der Religionen umfassende Freiheitsrechte
versprechen, werden genau diese Rechte unter Berufung auf die normative Ordnung
(die sie selbst definieren) verweigert. Man argumentiert, die Lehre und Struktur
sei „gottgewollt“ und daher unabänderlich. Nicht die Emanzipation mache den
religiösen Menschen frei, sondern nur der Gehorsam gegenüber der Lehre, neben
der es keine andere Wahrheit gebe. Je mehr die innerkirchlichen Probleme öffentlich
diskutiert werden, umso mehr wirft z.B. die katholische Amtskirche ihre
Propagandamaschine an, um mit aller Macht das Problem nieder zu bügeln. Dieses
immer wieder angewandte Muster der Repression funktioniert sogar in aufgeklärter
Zeit immer noch und bewirkt, dass mit dem Konformitätsdruck die Freiheitsrechte
unterdrückt werden. Man will den religiösen Standards und damit sich selbst
das Überleben dadurch sichern, dass man generell Reformen in der Gemeinschaft
einfach für unzulässig erklärt. Die Tragik, die hinter solcher Repression
steht, ist, dass nicht die Religion oder Kirche selbst therapiebedürftig
erscheint (obwohl sie krank ist), sondern nur die bösen Menschen in den säkularisierten
Gesellschaften. Der „Wolf im Schafspelz“ feiert in dieser subtilen Art von
Gewalt fröhliche Urstände. Der
„Große Religionsfrieden“ als richtungweisendes Medium gegen Gewalt. Angesichts
der Gewaltpotentiale in ihren subtilen Formen bleibt uns die Feststellung nicht
erspart, dass Gewalt und Terror der Gegenwart auch als Auskristallisierungen
alter religiöser Gewalttraditionen verstanden werden müssen. Aus
institutionalisierten religiösen Monopolansprüchen haben sich Traditionen
herausgelöst, die nicht nur in die Religionen selbst, sondern auch in die
globalen Freiheitsrechte der Verfassungsstaaten ausstrahlen und dort zur
Rechtfertigung von Gewalt in verfeinerter Form dienen. Auch wenn Religionsführer
immer wieder leugnen, dass diese Gewaltpotentiale und geschichtlich ererbten Zwänge
in ihrer Religion noch eine Heimat haben, ist die Verknüpfung unübersehbar. Vom
Aufscheinen eines vorsintflutlichen Fundamentalismus in den Religionen bis zur
Rechtfertigung eigener Machtexzesse durch Terroristen ist oft nur noch ein ganz
kurzer Schritt, zumal wenn Menschen von einigen religiösen Amtsträgern gegen
Andersgläubige in Stellung gebracht werden. Will man religiöse
Gewaltpotentiale in ihren unterschiedlichsten Formen endgültig ausmerzen,
bedarf es einer Übereinstimmung unter und in allen Religionen auf Verzicht des
Primats einer Religion gegenüber allen anderen. Vor Gottes Schöpfergewalt sind
alle Religionen gleichwertig (denn er hat sie ja initiiert und den Menschen
geschenkt); deswegen gilt der Dienst einer Religion Gott und gleichzeitig auch
allen anderen Religionen. Nur ein solcher Theismus, der die Welt in ihrer bunten
Form als einzigartige Schöpfung Gottes versteht und der den Glauben in
unterschiedlichen Formen als gottgewollt ansieht, lässt alle Religionen
nebeneinander als existentiell ebenbürtig erfahren. Dieser Zustand der
anerkannten Ebenbürtigkeit stellt sich aber nicht von selbst ein, er bedarf der
Bewegung in allen Religionen und der „Abrüstung“ von Mechanismen, die einer
solchen „Allianz“ entgegenstehen. Dazu müssen sich alle Religionsfamilien
miteinander so verketten, dass trotz der Unterschiede in den jeweiligen Lehren
das Dispositive jeder Religion so geschützt wird, dass diese friedlich
zueinander finden können, dass jede darauf vertrauen kann, dass ihre Autorität
nach innen und ihr Status von der Seite der anderen Religionen nicht angegriffen
wird und gewahrt bleibt. Ein
erster Einsatzspunkt zur Schaffung des „Großen Religionsfriedens“ (was man
hier durchaus als Eigenname für eine Biotop, das erst noch geschaffen werden
muss, verstehen darf) richtet sich daher gegen Fanatismus und der
Obsessi-onssucht nach innen und außen, der versteckt hinter einem lügnerischen
Pathos steht, die eigene Lehre sei die einzig wahre. Denn gerade dieser Primat
missachtet die Rechtgläubigkeit der anderen und deren Gotteskindschaft in einer
anderen Variante. Es geht dabei nicht nur um duldende Toleranz, nein, der Große
Religionsfriede bedeutet noch vielmehr die Übernahme von Verantwortung füreinander.
Nur wenn jede Religion für die Identitätsbewahrung aller anderen eintritt,
wird die Freiheit der Religionen ihre schützende Wirkung gegenüber dem
Despotismus entfalten können. Diese Mithaft und Einstandspflicht ist also
nichts anderes als die Verbannung der Intoleranz aus der eigenen Religion. Das
Ziel von Gläubigkeit darf nicht länger nur die jeweilige Religion oder Kirche
sein, sondern Gott selbst, der jeder Religion sein Gesicht in unterschiedlicher
Form leiht. Dabei geht es nicht um eine nominale Einheit oder um Uniformität,
sondern um einen bleibenden Gemeinsinn der darin besteht, dass Religionsvielfalt
gottgewollt ist. Diese Entdeckung der Religionen als ebenbürtige Glaubensträger
kann nur dann als nachhaltig wahrgenommen werden, wenn sich diese als grundsätzlich
friedfertig wahrnehmen und durch ihr Handeln zum Ausdruck bringen, dass der
Verzicht auf Vorrechte zum wesentlichen Moment ihrer dauerhaften Versöhnungsabsicht
gehört. Religionsmonopole und Katechismen haben in einer solchen Genossenschaft
keinen Platz. Der biblische Kernsatz: „Auf dass alle eins seien“ ist im
interreligiösen Spannungsfeld sowohl als Forderung nach rivalitätsloser
Gleichheit zu verstehen als auch auf Verzicht von Monopolen und Kränkungen
gegenüber anderen Religionen. Ich
versuche nochmals mit einem Bild klarzumachen, worum es geht: Gemäß seiner
inneren Ordnung erscheint mir dieser Glaube an Gott in allen Religionen wie eine
Zwiebel mit vielen Bilderschalen. Zieht man außerhalb des Kerns einzelne
Schalen, die sich überlagern, ab, so bleibt im Kern dennoch ein gemeinsames
Bild von Gott, das unergründbar und auch nicht einer einzigen Religion zugänglich
ist. Keine Religion allein ist in der Lage, Gott in sich zu realisieren und
deswegen wird es (gottgewollt) immer Menschen geben, welche die eigene Religion
als ihre individuelle Befreiung bei der Suche nach Gott sehen, während andere
sich von dieser Religion abwenden, weil sie deren Lehre als Gegenstand von
Abscheu wahrnehmen. Erst wenn alle Weltreligionen auf diese Weise durch Verzicht
auf religiösen Nationalismus und mit ihrer Zustimmung Bewahrung von religiöser
Vielfalt friedfertig geworden sind, erst wenn sich alle Religionen als die Umhüllung
des großen Gottesgeheimnisses begreifen, hat das Argument des kollektiven oder
persönlichen Erlösungsauftrags im Namen Gottes durch einzelne Gewalttäter
keinerlei Rechtfertigungscharakter mehr. Die
innerreligiösen Normungsversuche als Hindernis für den Großen
Religionsfrieden dargestellt am Beispiel der Katholischen Kirche. Nach
außen betrachtet gibt sie sich als die große religiöse Friedensinstitution.
Der Papst lädt die Weltreligionen und zuletzt auch atheistische Philosophen
regelmäßig zu Friedensgebeten nach Assisi ein, doch sind diese Veranstaltungen
in meinen Augen nicht mehr als Harmonieveranstaltungen. Welche Bedeutung der
Papst diesen „Begegnungen“ beimisst, lässt sich daran zeigen, dass er
darauf besteht, dass die einzelnen Religionen in getrennten Räumen um den
Religionsfrieden beten. Man könnte das als interreligiösen „Steckling“
bezeichnen, mehr nicht. Man gibt dem Ziel zwar einen Namen, doch wird der Große
Religionsfriede unaufhörlich durch innerkirchliche Gewaltmaßnahmen theologisch
und praktisch desavouiert. Die innerkirchlichen Kontroversen sind der Tod des
angestrebten Ziels; man wartet nur auf ein Nichts. Unsere
Amtskirche hat vor allem ein Gewaltproblem mit den Menschen, die ihr „wider
den Strich glauben“. Sie betrachtet die Kirche als ihren alleinigen Verfügungsort,
indem sie Glauben und Strukturen, als von Gott gestiftet, für unveränderlich
erklärt. In dieser Standardisierung wird die Kirche aber zu einer Gummizelle,
in der Glaubenserfahrungen nur nach Maßgabe der Amtskirche möglich, ein
Austausch von individuellen Überzeugungen im Gottesvolk und damit eine
Emanzipation der Gemeinschaft hin zu einer Friedensgemeinschaft unmöglich
werden. Aus diesem Blickwinkel heraus wird der individuelle Glaube des Einzelnen
nicht als heilsgeschichtliche und emanzipatorische Glaubenskategorie für die
Gesamtkirche betrachtet, sondern als „Diktatur des Relativismus“ (Benedikt
XVI.) verstanden. Das Kirchenamt sieht den Laizismus als Regelbruch der göttlichen
Ordnung an und unterdrückt dessen Aufstand als Verstoß dagegen. In
Wirklichkeit aber lebt der Glaube vom ständigen Austausch zwischen den Kräften
der individuellen Gott-Mensch-Beziehung mit den amtlichen Standards, denn nur
diese Homogenisierung der religiösen Erfahrungen kann bewirken, dass das
Christentum im gesellschaftlichen Leben lebendig bleibt. Die Freiheit der
aufgeklärten Vernunft ist der Amtskirche ein Gräuel und deswegen steigert sie
die von ihr definierte Lehre selbst als Wert, der über Gottes Schöpfungsabsicht
hinausreicht, dem alle im Herdentrieb zu folgen haben. Und deswegen predigt sie:
„Wer die Rangordnung in der Kirche angreift, greift Gott an.“ Welche
Vorstellungen der Papst von der „Kirche Christi“ hat, wurde bei seinem
letzten Besuch in Deutschland klar. In seiner Predigt im Berliner Olympiastadion
geißelte er einsame solitäre „Kirchenträume“, die den „eigenen oberflächlichen
und fehlerhaften“ Vorstellungen folgen. Er sieht die Kirche als
„Besserungsanstalt“ für eine sündige Welt und sich als deren Direktor, der
willkürlich die Hausordnung bestimmt und propagiert einen
Gehorsamskatholizismus, der Glauben mit Hörigkeit verwechselt. Seine
Einstellung zur modernen Welt stellt er rhetorisch so dar: „Um ihre (der
Kirche) Sendung zu verwirklichen, wird sie immer wieder auf Distanz zu ihrer
Umgebung gehen, sie hat sich gewissermaßen zu entweltlichen.“ Statt zu
versuchen, den angestammten Platz der Kirche in der Zivilgesellschaft durch
Reformen zurück zu erobern, geht es ihm um eine noch schärfere Profilierung
und Distanzierung. „Muss man dem Säkularisierungsdruck nachgeben, modern
werden durch die Verdünnung des Glaubens?“ fragte er rhetorisch in Erfurt,
und in Freiburg beklagte er, es gebe in der Kirche „zu viele Strukturen und zu
wenig Geist und Glaube“. Der Papst ist m.E. dabei, die Kritiker aus der Kirche
zu drängen, um mit dem harten orthodoxen Kern die traditionelle vorkonziliare
Kirche neu zu etablieren. Wie
restaurativ die „Heilige Inquisition“ unsere Kirche immer noch beherrscht, lässt
sich auch an der „Katholischen Scharia“, dem „Codex Juris Canonici“ von
1983 darstellen. Der CIC kennt zwar keine Strafen wie Steinigen oder
Handabschlagen, aber als Prozessordnung für innerkirchliche Streitfragen ist er
so eingerichtet, dass, wenn Rom oder der zuständige Bischof das so will, dort
keiner Recht bekommt. Es gibt im Vatikan „Gerichtshöfe“, die als „stille
Gerichte“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit Recht sprechen; niemand weiß
im Voraus, wer für seinen Fall zuständig ist, denn die Geschäftsverteilung
ist geheim. Prozesse werden dort in lateinischer Sprache (die kein Kläger oder
Angeklagter noch ausreichend versteht) entschieden. Nur wenn der Kläger hohe
Prozesskostenvorschüsse bezahlt, wird das Verfahren angenommen. Man kann seine
Richter nicht wegen Befangenheit ablehnen. Die Verteidigung durch zugelassene
Anwälte ist zwar möglich, zugelassen aber werden nur ausgewählte Anwälte.
Die sicherste Methode, nicht selbst angeklagt zu werden, ist immer noch andere
anzuklagen und die Untersuchung selbst zu leiten. Im Verfahren erster Instanz
vor dem Ortsbischof ist dieser zugleich Betroffener, Ankläger und Richter in
einer Person, weil er und sein willfähriger Apparat alleine ermitteln und
richten. Es gibt keinerlei unabhängige Gerichte und der Rechtsweg zu den
ordentlichen ist meist versperrt, weil sich diese darauf hinausreden,
innerkirchliche Streitfragen könne man aus verfassungsrechtlichen Gründen
nicht vor dem ordentlichen Gericht entscheiden. Der Rechtsbeugung und dem
Gewaltmissbrauch im Rahmen in der Kirche ist bei diesen juristischen
Schutzmauern Tür und Tor geöffnet. Innerhalb
unserer Kirche bezeichnen sich viele als „Christen“, aber nicht mehr als
„Katholiken“. Ihnen erscheint die Kirche eher als Versammlungsort der
Gottlosigkeit als der Gottesnähe. Sie sind zwar von der überragenden Qualität
der christlichen Frohbotschaft überzeugt, orientieren sich aber nur bedingt in
ihren Handlungsentscheidungen an der Lehre, weil sie das amtliche
Glaubenskorsett als nicht akzeptabel erachten. Die Amtskirche hat seit dem
Zweiten Vatikanischen Konzil das vom Konzil fortgeschriebene Glaubenskonzept
wieder heruntergefahren und kümmert sich seitdem nicht mehr darum, wie die
Frohbotschaft den Menschen und speziell den eigenen Gläubigen erklärt und in
der Gesellschaft umgesetzt werden soll. Sie ist zurückgekehrt zu ihrem alten
restriktiven Zustand vor dem Konzil, hat dessen kleine Fortschrittsansätze
wieder gekappt, die alten Klassenunterschiede zwischen Klerus und Laien wieder
hergestellt und die Ungleichheit erneut legitimiert. Dieses reaktionäre Projekt
der Rückkehr zum mittelalterlichen Status hat nicht nur in der Kirche Empörung
ausgelöst und eine Grundsatzfrage ausgelöst: Kann nur der selig werden, „der
mit den Wölfen heult“ oder ist im Hinblick auf das Überleben des
Christentums nicht gerade religiöse Individualität und verantwortete religiöse
Selbstbestimmung des Einzelnen und des Gottesvolkes das einzige Mittel der Wahl,
um die Kirche zu retten? Irgendetwas
läuft grundfalsch an der Art und Weise, wie wir heute Kirche sind. Das
traditionelle Denken des Amtes sucht seine Legitimität allein in der
monopolistischen Institution und beruft sich dabei auch ihrerseits auf ihren
unveränderlichen biblischen Sendungsauftrag; man traut nur der eigenen
Theologie und die sieht Laienchristen nur dann als „gläubig“ an, wenn sie
wortlautgetreu der orthodoxen Lehre folgen.
Mit dem Anspruch auf Gehorsam gegen Jedermann macht sich die Institution
selbst zum Herrn der Glaubensverkündung und unterbricht, indem sie sich z.B.
nicht um die historisch-kritische Exegese kümmert, den unmittelbaren
individuellen Annäherungsweg des Einzelnen zu Gott. Wenn aber Gott selbst als
Ziel nicht mehr gebührend in Erscheinung treten kann, wächst mit dem Grad der
Absolutheit des geforderten Simulationsglaubens die Abneigung gegen die Kirche,
die wiederum Ursache dafür wird, dass sich die Menschen dem Glauben selbst
entfremden. Je weniger Individualität im Glauben zugelassen wird, umso stärker
mehren sich die Konflikte in der Kirche zwischen Gläubigen und Amt und umso
schneller gerät die Kirche in den Strudel des Stroms, der ihren Absturz heute
schon ahnen lässt. Glaube lebt von der Differenz zwischen unterschiedlichen
Glaubenshaltungen, die allein eine gedeihliche Fortentwicklung ermöglicht. Und
weil die Differenzierung in der Kirche durch das monopolistische Denken der
Amtskirche unterbrochen ist, ist die Bindungskraft unserer Kirche längst in
sich zusammen gefallen, ihr Dasein gerät immer mehr zum Machtkampf einzelner
Lager, in dem jeder Seite von der anderen der Vorwurf des Separatismus gemacht
wird. Ca.
200.000 Katholiken haben in 2010 der Kirche ihren Austritt erklärt. Unsere
Kirche zeigt kaum noch religiöse Vitalität, sie zerfleischt sich in ihren
Zweifeln und gerät gesellschaftlich immer mehr ins Abseits. Glauben wird nur
noch als serienmäßig hergestelltes „Reprodukt“ erlebt, das seine
Anziehungskraft verloren hat. Nur noch acht Prozent der amtlich registrierten
Katholiken besuchen regelmäßig die Sonntagsgottesdienste, das Bußsakrament
ist tot, weil niemand mehr Beichten geht. Hunderttausende wiederverheiratete
Christen sind von den Sakramenten ausgeschlossen (Franko und Pinochet,
argentinische Foltergeneräle erhielten als Simulationschristen klaglos die
Kommunion, Bundespräsident Wulff ist vom Empfang der Eucharistie dispensiert).
Mischehen werden geächtet und niemand erbarmt sich der Brüche, die in den
Biographien dieser Menschen Leid erzeugen. Bei uns ist zwischenzeitlich jeder
sein eigener Papst und es scheint in Rom noch gar nicht aufgefallen zu sein,
dass die Kirchenaustrittswelle Ausdruck und Folge einer längst vorhandenen
Bindungslosigkeit der Menschen war, die von der Amtskirche provoziert wurde. Der
Papst hat in einem „Geniestreich“ vier Bischöfe der radikalkonservativen
Piusbruderschaft (unter ihnen einen, der den Holocaust leugnet und dafür
strafrechtlich belangt wurde) gegen einen breiten Widerstand durch Aufhebung der
Exkommunikation wieder „katholisch“ und zu Priestern der Kirche gemacht. Er
hat mit der Änderung der Karfreitagsliturgie und der Wiedereinführung der
diskriminierenden Judenfürbitten seine „älteren Brüder im Glauben“
provoziert, schränkt die Erlösungszusage Christi für „alle“ Menschen in
den Wandlungstexten der Eucharistiefeier auf „viele“ ein und meint damit natürlich
nur die hörigen Katholiken. Er fördert unübersehbar den lateinischen
Messritus und verlangt von den Gläubigen in seiner berühmten Regensburger
Vorlesung die Rückkehr zum absolutistischen Vernunftbegriff des Augustinus.
Kritik an der Kirche wird vom Papst als „Diktatur des Relativismus“
gebrandmarkt; Reformen werden erst gar nicht angedacht, weil Glaubensfragen
angeblich nicht verhandelbar sind. Benedikt XVI. hält nicht viel von Darwins
Evolutionslehre, ist eher ein Doppelgänger des amerikanischen Kreationismus;
Homosexualität wird mit Homophobie bekämpft, gleichgeschlechtliche oder
heterogene ehelose Partnerschaften sind ihm ein Gräuel. Geschlechtsverkehr
unter Eheleuten ist wider alle biologischen Gegebenheiten nur bei Absicht zur
Kinderzeugung rechtens. Die rückwärtsgewandte These der Katholischen Kirche
von verbotenen Laien- und Frauenrechten oder die Kampfparolen gegen Abtreibung
in Deutschland liegen nahe den fundamentalistischen Vorstellungen der Tea Party
in den USA, die biblische Schöpfungslehre textgetreu huldigt und die Welt, wie
sie wirklich ist, einfach ausblendet. Pluralismus, Emanzipation, sexuelle
Selbstbestimmung, Gewissensentscheidungen sind für den Papst keine Themen, weil
sie angeblich in der von Gott kreierten natürlichen Vernunft als Grundlagen des
menschlichen Zusammenlebens nicht vorgesehen sind. Glauben in unserer Kirche
entspricht wohl einem Bild, das Michel Houellebecq für den modernen
Reisetourismus so beschrieben hat: „Zusammengekauert in einem unzureichenden,
ja lächerlich engen Sitz, den man nicht verlassen kann, ohne alle seine
Nachbarn zu belästigen, wird man von vorneherein mit einer Reihe von Verboten
empfangen, die die Stewardessen mit verlogenem Lächeln vorbringen… Während
der gesamten Flugdauer lassen sie sich nur alle erdenklichen Schikanen einfallen
und hindern Sie daran, sich frei zu bewegen…“. Ein
Ausweg aus der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche kann jedoch nur gelingen, wenn
wir es schaffen, die auseinanderklaffenden Bewegungen von notwendiger
freiheitlicher religiöser Selbstbestimmung und der notwendigen traditionellen
Bewahrung des Kerns des Christentums auszuglätten. Die Kirche ist aber von
ihren biblischen Grundstrukturen her ein medialer Raum, den Gott zur Überbrückung
diskontinuierlicher Entwicklungen auch im Religiösen geschaffen hat und in dem
sich grundsätzlich jeder frei bewegen darf. Der moderne Mensch begehrt
dementsprechend die Zulassung von unterschiedlichen Sichtweisen im Glauben, und
weil ihm diese durch die vertikale Glaubensverordnung nicht gestattet werden,
beginnt er sich von seinem Souverän zu lösen und steigt auf einen Zug auf, der
ihn irgendwann vom Gleichgültigen zum Glaubensgegner werden lässt. Auf diese
Weise ist die hergebrachte innerkirchliche Ordnung längst, wenn auch
unspektakulär, in sich zusammengebrochen. Während
die hierarchische Klasse nach dem Zweiten Vatikankonzil ihre alten
Machtinstrumente, die einstmals wirksam waren, neu zum Tragen bringen wollte,
haben sich die Menschen von der Kirche abgewandt und einem neuen säkularen
Denken zugewandt, dessen Tunnelblick sich allerdings auch schon wieder in Auflösung
befindet. Das ist nicht nur die Schuld des Einzelnen, sondern liegt vor allem
auch in der Verantwortung der katholischen Amtsträger, weil sie auf ihrem
Einheitsglauben bestehen und der individuellen Gott-Mensch-Beziehung misstrauen.
Die in sich zerstrittene Kirche ist, weil die einzelnen Gruppen nicht
miteinander, sondern nur übereinander sprechen, als intersubjektive religiöse
Heimat für niemand mehr als homogene Gemeinschaft erkennbar, sondern wird öffentlich
nur noch als ein auseinander strebendes Gemenge von Ja- und Neinsagern erlebt.
Eine fast marxistische anmutende Repression von oben, die eine Emanzipation des
Einzelnen unmöglich macht, überklebt wie Plakate eine Litfaßsäule die Kirche
so, dass nur noch das von der Kirche gelehrte Glaubensbild in Erscheinung tritt,
während die ungeahnten Möglichkeiten der individuellen Glaubensschule unterdrückt
werden. „Noli me tangere“ (Berühr mich nicht) tönt es den Kritikern von
oben entgegen, wenn sie Reformen einfordern. Was die Menschen vom Handeln der
Kirche manifest spüren, ist das Fehlen von Zuneigung und eine aggressive
Gleichgültigkeit gegenüber ihren konkreten Anliegen. Der Apparat verweigert
den Dialog, beantwortet Eingaben und Anfragen nicht, degradiert das Gottesvolk
(insbesondere Frauen) zu Kulissenschiebern und Statisten. Warum
tun wir uns als Kirche so schwer, die überall an der Wand sichtbaren Menetekel
als Ankündigung von Unheil für die Kirche zu sehen? Es liegt wohl daran, dass
uns die Amtskirche ungewollt zu Mitspielern ihres angestrebten Systemwechsels
macht, den sie nach außen mit einer Tarnkappe umgibt. Man nötigt uns (und das
nicht im Namen Gottes sondern im eigenen Interesse), das orthodoxe Denk- und
Wertsystem, das die Errungenschaften des Konzils zu sprengen droht, mitzutragen
und den Survival Marsch des Papstes in das Mittelalter einfach zu übernehmen;
man könnte das salopp auch als religiöse Erpressung bezeichnen. Sie aber, die
Bischöfe des einundzwanzigsten Jahrhunderts, sind die pharisäischen Priester
und Ratsältesten, denen Jesus im Weinberggleichnis bei Mat. 21, 23 und 33-45
androht: „Das Vorrecht, Leiter des Volk Gottes unter Gottes Herrschaft zu
sein, wird euch entzogen. Dann wird es ein Gottesvolk geben, das (ohne euch)
tut, was seiner Berufung entspricht.“ Der Weg des Papstes wird nicht gut
enden. Der
ökumenische Lastenzettel der Katholischen Kirche und seine Auswirkungen auf den
Großen Religionsfrieden. Kann
man da über die Beseitigung von innerkirchlichen Machtmonopolen nachdenken,
ohne nochmals zusätzlich auf die Ökumene und die zerstrittenen Konfessionen
des Christentums einzugehen? Wenn Christen schon in sich zerstritten sind und in
feindlichen Sprachen sprechen, so sind sie sich fremd und untereinander nicht
friedfertig. Das fehlende einheitliche Votum für die Aussöhnung unter den
Religionen kann nicht durch unterschiedliche Stimmen in den einzelnen
Konfessionen ersetzt werden. Uns Christen in allen Konfessionen ist die Einheit
vom Evangelium her bindend aufgetragen. Niemand möge sagen, die Spaltung der
christlichen Kirchen sei Zeichen der von Gott gewollten religiösen Buntheit,
denn diese erweist sich eigentlich nur als Bestätigung eines eigenen religiösen
Nationalismus. Im Rahmen des Großen Religionsfriedens friedensfähig zu sein
bedeutet wesentlich, bei sich Verständnis für andere Konfessionen und darüber
hinaus Religionen zu entwickeln, sich deren religiösen Vorstellungen anzunehmen
und Verständnis für das von einem selbst angetane Leid erwecken. Das bedeutet
aber gleichzeitig auch eine kritische Sichtweise gegen sich selbst zu richten. Schein
und Sein in der Ökumene passen einfach nicht zusammen. Der Katholischen Kirche,
die sich als das Ordnungsamt und als Dienstherr aller christlichen Konfessionen
versteht, nimmt für sich in Anspruch, dass sich alle ihrem Kammerton zu
unterwerfen haben. Die amtliche Behauptung, man sei ja für die
Wiedervereinigung der getrennten Kirchen, täuscht einen Positivismus vor, der
vermitteln soll, man sei kurz vor dem Ziel; die hinter dem Plakat stehende
These, die Wahrheit kenne und verwalte aber nur der Katholizismus, soll verdeckt
werden. Eine Frontalattacke gegen die brav stillhaltenden Protestanten folgt der
anderen. Wer, wie der gegenwärtige Papst, den Protestanten den Status einer
„Kirche“ verweigert, demütigt sie und reiht damit die Katholische Kirche in
das Kollektiv der Gegner des Großen Religionsfriedens ein. Das
verwehrte gemeinsame Abendmahl für Christen beider Konfessionen, die
Mischehenpraxis, das unterschiedliche Amtsverständnis, die Benedikt XVI. in den
Mittelpunkt seiner Ablehnungshaltung rückt, sind klare Beweisstücke dafür,
dass man eine Widervereinigung nur unter der Vorherrschaft des römischen
Katholizismus zulassen will. Man ist offensichtlich drauf aus, die Protestanten
zu nötigen, den Vorstellungen des Papstes zu folgen oder auf die
Wiedervereinigung zu verzichten. Bei seinem Besuch in Erfurt hat der Papst jetzt
erstmals, nicht nur an die Protestanten gewandt, sondern noch mehr an seine
kircheninternen Kritiker, im Klartext gesagt, einen Kompromiss bei den
Glaubensfragen könne es nicht geben, weil Glaubensfragen nicht „verhandelbar“
seien. Benedikts Botschaft in Kurzform: „Tut mir Leid. Es gibt nur die eine
Katholische Kirche und wenn ihr euch dieser Lehre nicht anschließen wollt,
versucht es doch woanders oder bleibt, wo ihr seid!“ Irgendwo schwebt da der
Tatbestand der Nötigung im Raum. Man spürt eine tiefe Abneigung und die
Obstruktionspolitik des Papstes gegenüber der Theologie der protestantischen
Kirchen und ihre Art, wie sie sich in der Zivilgesellschaft anpassen und
bewegen. Er
hat Angst davor, dass im Falle der Wiedervereinigung der Kirchen der
evangelische Flügel in der neuen Kirche den liberalen Katholizismus noch mehr
bestärken und sein einziges Ziel, das Festhalten am alten Glauben der
Tradition, unmöglich machen würde. Also wird es zumindest unter Benedikt XVI.
zu keiner Annäherung mit dem Protestanten mehr kommen. Der Papst versteckt
seinen autoritären Machtanspruch gegenüber dem Protestantismus hinter der
Maske wohlwollender Fürsorge, bedient sich aber in Wirklichkeit einer gewalttätigen
Repression. Religiöse Friedfertigkeit und Integrationsbereitschaft sehen wohl
anders aus. Tatsächlich ist er längst auf dem Weg zurück in die vorkonziliare
Katholische Kirche und da kann er die Protestanten einfach nicht brauchen; und
genau dieser Versuch wird die christlichen Kirchen und die Weltreligionen
insgesamt langfristig in eine Katastrophe führen. Der
Beitrag des Einzelnen zum Großen Religionsfrieden. Glaube an Gott (in welcher Religion auch immer) entwickelt sich in
seiner Vollform in einem didaktischen Kraftfeld, das den/die einzelnen Menschen
mit den religiösen Institutionen (Kirchen) untereinander und mit Gott verknüpft.
Zum Recht auf ein individuelles „Ereignis“ des Glaubens kommt der notwendige
Gehorsam gegenüber der religiösen Grundidee, welche durch die Institution
geschützt wird, hinzu. Die individuelle Gott-Mensch-Beziehung ist beim Glauben
eine selbstständige Bezugsgröße, ohne deren Ausformung er nicht reifen kann.
Ohne Selbstgestaltung des Glaubens und den dazu gehörigen Techniken des Selbst,
also die höchstpersönliche Glaubenskunst des Einzelnen, kann der Glaube an
Gott nicht gelingen. Der Versuch, den Glauben ungebührlich zu normen, bewirkt
lediglich einen Glaubensstau, der die Bewegung hin zu Gott unterbricht. Nur wenn
jeder für sich und die institutionellen Gewalthaber das Ideal der
zwischenmenschlichen Integration mit dem Verzicht der Religionen auf Obsession
der anderen Religionen verbinden und alle dafür einstehen und mithaften, wird
der Weg zu der angestrebten interreligiösen Allianz frei. Erst in dem Akt der
individuellen Formung des eigenen Glaubens sind die anderen Religionen den
Monopolansprüchen nicht mehr ausgeliefert. Der individuelle Glaubensbeitrag der
vielen Einzelnen ist daher schicksalhaft für das gesamte Anliegen. Dabei ist
der Widerstand gegen die ausschließliche Normung des Glaubens durch die
Institution für den Großen Religionsfrieden alternativlos. Entweder wir lassen
uns von der Institution vertikal normen (und
sind damit dafür verantwortlich, dass die religiösen Gewaltmonopole in den
Religionen weiterleben) oder wir formen unseren persönlichen Glauben im selbst
verantworteten Zusammenwirken mit der Institution und brechen so das zirkuläre
Verhältnis der institutionellen Glaubensmaschine. Nur auf Druck von innen
werden die religiösen Machthaber bereit sein, ihre Gewaltmonopole aufzugeben. Widerspruch
der Einzelnen innerhalb einer Religionsgemeinschaft formt deren Entscheidungen,
wenn auch nicht sofort. Wenn etwas verkehrt läuft, ist es die Pflicht des
Einzelnen um der übergeordneten Sache willen den Monopolisten zu widersprechen.
Es genügt nicht, sich nur allgemein zu empören, sich sektoral auf bestimmte
Anliegen zu versteifen, es muss vielmehr um die große Frage und um ein
Fortschrittsprogramm gehen, das nicht nur der eigenen Sache, sondern dem Ganzen
dient. Glauben
lässt man nach den Intentionen der Bibel nicht einfach mit sich geschehen, man
muss es höchst persönlich tun, notfalls gegen die eigene Amtskirche, oder es
ganz lassen. Ich meine, die Treue zum Geist des Evangeliums muss im Zweifel nach
umfassender Prüfung höher stehen als widersprüchliche Glaubensanweisungen der
Kirche. Es gilt aber auch: Wer als Individuum fundamentalistisch agiert oder
fanatisch der eigenen Religiosität folgt und andere Überzeugungen nicht
respektieren kann, wird so indirekt zum Platzhalter für religiöse
Gewaltpotentiale. Die diskutierten Fragen sind heikel und keiner schnellen
Antwort zugänglich. Aber Glauben war immer mit Risiko der Gewissensentscheidung
verbunden, auch mit dem, dass man gegen den Lehr- und Methodenzwang der Kirche möglicherweise
falsch glaubt. Wer aber ungeprüft nur das glaubt, was ihm die Hierarchie
indoktrinierend vorgibt, glaubt nicht an Gott, sondern an eine tradierte
Rhetorik und macht sich so zum Werkzeug einer orthodoxen Vetoideologie, die
alles verbietet, was ihrem Herrschaftsanspruch widerstrebt. Der
Große Religionsfriede eine Utopie? Auch
wenn der anzustrebende Große Religionsfriede von seinen Strukturen her
institutionslos und unsichtbar bleibt, würde dieses „Band der Einheit“
nicht nur unverbindlich und nur nominal wirken. Die Einheit könnte zwar weder
theologisch, sakramental oder juristisch dargestellt werden, sie würde auch
keine Hoheit über andere Religionen oder gar politische Macht anstreben und wäre
aber gerade deswegen zutiefst friedfertig. Eine solche Übereinstimmung im
Grundsätzlichen würde die Unterschiede zwischen den Religionen nicht einfach
zudecken, sie würde den einzelnen Religionen deren Identität belassen und
gerade dadurch verhindern, dass andere Religionen sich in die innere Ordnung
einer bestimmten Religion einmischen. Gleichzeitig wäre eine solche Erkenntnis
der unverzichtbare Beitrag zum inneren Religionsfrieden. Die Herstellung dieser
unsichtbaren Einheit ist zuerst ein von allen Religionen zu erwartender Beitrag,
die glaubhaft darstellen müssen, dass sie insgesamt nach außen und innen
friedfertig und zur Abrüstung bereit sind, dass ihnen nicht an einzelnen
extremen Religionserfahrungen gelegen ist, sondern an der Vermittlung einer
Frohbotschaft, in welcher der liebende Gott und seine Schützmacht über alle
Menschen und nicht die fortlaufenden Streitereien um hierarchische Befehlsebenen
im Mittelpunkt stehen. Unter
dem Kanon des Großen Religionsfriedens, der über die religiöse interne und
externe Aussöhnung der Religionen hinaus in die Weltgesellschaften hineinwirkt
und auch diesen Frieden bringen würde, lassen sich Religionen und Staaten nicht
mehr gegeneinander in Stellung bringen und Gewalttäter werden sich nicht mehr
auf absolutistische Traditionen berufen und ihre Untaten damit begründen können.
Dadurch könnte wahr werden, dass Gott dann in allen Menschen und in allen
Religionen so ist, „dass ihm darin nichts fremd ist“ (1 Kor 15,28), weil er
überall als die einzige unbestrittene Autorität anerkannt wird. Eine solche
Legitimation stellt sich aber nicht von selbst ein. Nur der Friedfertige, der
selbst Friedfertigkeit um sich herum erlebt, ist in der Lage, Frieden zu
stiften. Wer selbst der Macht und Gewalt ausgesetzt ist, kann nicht friedfertig
sein. |
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