Heft 2/2011

Aus dem Bistum (und anderswo)

Hat Hans Schwemmer einen Nachfolger gefunden?

Schwemmer, einige Monate nach dem Ende des 2. Weltkriegs geboren (11.09.1945) in Riggau, Pfarrei Pressath, Asta-Vorsitzender, Studentenausweis Nr. 1 der neuen Regensburger Uni, geweiht 1971, hat nach vier Kaplansjahren konsequent den Marathonlauf auf die Mitra durchgezogen. Ab 1975 Studium in Rom, dann nach der Promotion in Kirchenrecht über die Nuntiaturen in New Delhi (1979 – 1983), in Brüssel (1983 – 1986), in Buenos Aires (1986 – 1989) und wieder zurück in Staatssekretariat in Rom (1989 – 1997). Am 21.09.1997 durch seinen Vorgesetzten, Kardinalstaatssekretär Sodano Bischofsweihe in Regensburg. Anschließend bis zu seinem Tod am 30.09.2001 vier Jahre Nuntius für Papua-Neuguinea und die Solomon-Islands. Hans Schwemmer war Naturtalent als Diplomat, gesprächsfreudig, Informationen rasch aufnehmend, angeblich trinkfest, sehr schnell mit jedermann befreundet. Bei seiner jovialen Art wäre er sicher in einer der Hauptstädte der Welt Nuntius geworden, hätte vielleicht sogar Kardinal Sodano beerben können.

In der verslumenden Hauptstadt Neu-Guineas Port Moresby hinter einer Stacheldrahtmauer wie ein Löwe im Käfig gefangen, dazu das feucht-heiße Klima, das war dem Oberpfälzer Hünen schließlich zu viel. In seiner Heimatkirche in Pressath hat er in der Gruft vor dem rechten Seitenaltar seine letzte Ruhe gefunden.

Es ist nicht auszudenken, welche Entwicklung unsere Diözese genommen hätte, wenn Hans Schwemmer wie ein anderer vatikanischer Diplomat, Johannes Dyba (Fulda) die Diözese Regensburg übernommen hätte. Mit seinem Sinn für Kulanz hätte Schwemmer keineswegs die Laien in solchem Maße brüskiert, wie es seit Jahren geschieht.

Ein Straubinger in Schwemmers Spuren

Beinahe noch konsequenter als Schwemmer ist ein Straubinger zum Marathon auf die Mitra angetreten. Florian Kolfhaus (geb. 26.10.1974) war auf einem Weg, der alles andere als karriereträchtig war. Er hatte sich dem Ex-Jesuiten Andreas Hönisch angeschlossen, der von den Socii Jesu (SJ) weg die Socii Jesu et Marie (SJM) gegründet hatte.

In Augsburg bei Bischof Dammertz nicht erwünscht, zog er mit seinen Socii zu Bischof Krenn nach Niederösterreich. Dort wurde Kolfhaus am 15.09.2000 geweiht. Eineinhalb Monate später kehrte er den SJM den Rücken, trat zur Diözese über, allerdings ohne jegliche Ambition auf eine Kaplansstelle. Erstaunlicherweise wurde ihm umgehend ein Studium in Rom zugestanden. Nach Promotion etc. war er ein knappes Jahr in Kolumbien, zwei Jahre bei der Vertretung des Heiligen Stuhls in Straßburg, tut inzwischen als Monsignore Dienst in der 2. Abteilung des päpstlichen Staatssekretariats in Rom.

Frage: Was hat den Straubinger mehr geprägt, die Engstirnigkeit der SJM oder die Kombination von Kirchenrecht und Karriere?

Domspatzen – Kult

a) Knabenweihe im Dom

Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner, ehedem Generalvikar, heute im Nebenjob Superior von Mallersdorf, fungierte als Ranghöchster der Domkapitulare bei der Aufnahme der neuen Domspatzen. Sie war analog der Installation von Kanonikern (Alte Kapelle, St. Johann) gestaltet. Blitzlichter von Vätern, Schluchzen von Müttern, Rührung in der ganzen Mischpoche. Es braucht schon demnächst einige Fünfer in Mathe oder Englisch, damit der Sängerknabe sich vom Handschlag des Dompropstes erholt.

b) ein Domspatz zieht Würdenträger nach Rom

Papstbruder, Stiftsdekan, Chor der Alten Kapelle, Organist der Papstorgel und ca. 200 Regensburger feiern die Weihe und Primiz eines Wolfskofeners (Wolfskofen: dorthin wurden nach der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr vor dem II. Weltkrieg die Bewohner von Pappenberg umgesiedelt. Die Akanthusaltäre von Pappenberg sind in Wolfskofen die Glanzstücke der neuen Kirche).

Liegt die große Begleitung des Neupriesters Florian Heisterkamp an seiner Vergangenheit als Domspatz oder daran, dass endlich wieder ein hochkarätig ausgebildeter Kandidat (Gregoriana, Germanikum) geweiht wird. Einer, der evtl. seine Predigten selbst entwerfen kann – der Maßstäbe gewonnen hat, seine Umwelt vorurteilsfrei zu sichten?

Papstbesuch – ausgeträumt

(MZ 12.09.2011 S. 2 und 3) „Der Heilige Vater zieht die Pilger magisch an“. Die MZ versteht das Anziehen im Sinne von Ankleiden. Papst Benedikt wird wie eine Barbie-Puppe von seinem Outfit her gewürdigt. Unterhalb seiner Accessoires ist ein Fries mit grauen Männchen, an denen der Verlauf der Messe erklärt wird. Für das Glaubenswissen ist es von enormer Bedeutung, wann das Männchen die Mitra auf und den Stab in der Hand hält – und wann nicht. Darin besteht – so scheint es – die magische Anziehung: in diesem Angezogensein.

Die Tagespost“ vom 20.09.2011 sieht das alles noch schärfer. Daraus einige Kostproben:

Seite 21: unter einem Foto des neuen Berliner Erzbischofs: Mit Reizthemen wie Zölibat oder Frauenweihe kann man keinen Menschen für den Glauben gewinnen, ist Woelki überzeugt.

Seite 5: Veranstaltungen: „Beten in der Nacht, während der Papst schläft.“ Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ organisiert am 22. September eine Nachtanbetung zum Papstbesuch.

Verlust oder Gewinn?

Liturgiewissenschaftliche Expertentagung in Freiburg. Uwe Michael Lang, Rom, Mitarbeiter an der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung untermauerte mit Zitaten von Kardinal Ratzinger bzw. Papst Benedikt, dass die Liturgiereform in ihrer konkreten Ausführung sich von den Intentionen der liturgischen Bewegung entfernt habe. Lang benannte die einseitige Betonung der Mahlgestalt zu Ungunsten des Opfercharakters der Messe. Anhand von Beispielen skizzierte er das Vorgehen des Papstes: Diese Entwicklungen nicht durch Verordnungen, sondern durch das Setzen wichtiger Akzente, etwa in der Papstmesse, zu korrigieren.

Seite 23: „Luther ist kein gemeinsamer Lehrer

Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Ludwig Müller über protestantische Polemik im Vorfeld des Papstbesuchs und überzogene Erwartungen an den Nachfolger Petri.

Seite 24 „Signale aus der Schattenwelt“: Der Deutsche Papst besucht sein Heimatland: Laizisten schäumen, die Linke tobt, Protestanten poltern. Mein Gott, wie peinlich. Sie alle fühlen sich durch den klugen Papst aus Rom in ihrer Deutungsmacht bedroht (Alexander Kissler).

Schlicht – für eine starke Botschaft.

Der Holzbildhauer, Ikonensammler und Kalligraph Harald Wolf gestaltet die Messgewänder zum Papstbesuch. Herr Wolf war fünf Jahre nach dem Abitur in einem Kloster, hat Philosophie und Theologie studiert (hat die Autorin Anna Hofmeister das Noviziat vergessen? d.R.). Den Auftrag für den Entwurf der Papstgewänder hat ihm die Oberpfälzer Kirchenbedarfsfirma Friedrich (seit 1951) vermittelt. Das Erzbistum Berlin lässt sich die Ausstattung der Zelebranten 60.000,-- Euro kosten, rund 500,-- Euro pro Messgewand. Jede katholische Pfarrgemeinde der Erzdiözese Berlin soll eines erhalten, um es zum Andenken an den großen Tag aufzutragen...

Anmerkung: Wir erinnern, dass das Erzbistum Berlin pleite war und dass die anderen Diözesen kräftig hineinbuttern durften. Könnte da nicht jeder Konzelebrant der Papstmesse sein Messgewand mitbringen? Es wäre ein Bild der Einheit in Vielfalt der Kirche geworden. Doch es muss aus römischer Sicht immer noch die Einheitlichkeit betont werden: der Papst und seine Truppe. Werft weiter so die Kirchengelder hinaus und wundert euch naiv über die vielen Austritte. Zur Bescheidenheit hat offensichtlich nicht nur die Berliner Hierarchie ein gestörtes Verhältnis.

Österreich: Pfarrer bleiben bei Ungehorsam

Die Tagespost 08.11.2011: In Linz fand in der Ursulinenkirche die Jahreshauptversammlung der „Pfarrerinitiative“ statt. 81 Pfarrer und Diakone waren anwesend. Pfarrer Schüller forderte, die Anliegen weiterzuentwickeln und detaillierter darzulegen, alle Bischöfe zu neuem Dialog mit dem Kirchenvolk zu drängen, die Diskussion mit den Bischöfen nicht alleine, sondern zusammen mit den Laienorganisationen zu führen.

Bei einem Gespräch der Pfarrerinitiative mit Kardinal Schönborn hatte dieser erklärt, dass auch Pfarrer Wünsche nach Änderungen in der Kirche öffentlich äußern dürfen. Der Begriff „Ungehorsam“ bringe aber einen Riss in die kirchliche Gemeinschaft und bedürfe einer Klärung. Mitglieder der Pfarrerinitiative aus Innsbruck hatten einen Antrag gestellt auf Umbenennung des „Aufrufs zum Ungehorsam“ in „Aufruf zur Selbstverantwortung“.

Arme Hirtenwort-Vorleser und -Hörer

Das Faktum

Der vorletzte Satz des Hirtenworts zu Christkönig: „Für die pilgernde Kirche zwischen der bleibenden Verheißung Gottes und der vergehenden Gestalt dieser Welt gilt die Aussage des II. Vatikanischen Konzils: Die Kirche ist schon auf Erden durch eine wahre, wenn auch unvollkommene Heiligkeit ausgezeichnet. Bis es aber einen neuen Himmel und eine neue Erde gibt, in denen die Gerechtigkeit wohnt (vgl. 2 Petr. 3,13), trägt die pilgernde Kirche in ihren Sakramenten und Einrichtungen, die noch zu dieser Weltzeit gehören, die Gestalt dieser Welt, die vergeht, und zählt selbst so zu der Schöpfung, die bis jetzt noch seufzt und in Wehen liegt und die Offenbarung der Kinder Gottes erwartet (vgl. Röm 8,19-22) (Lumen gentium, 48)“

Zur Praxis

Meine - völlig unmaßgebliche - Meinung (so pflegte Karl Rahner zu sagen): Dieser Satz ist dogmatisch richtig, aber für den Predigtersatz „Hirtenwort“ ungeeignet. Priester zu verpflichten, solche Sätze vorzulesen ist seelische Misshandlung der Vorlesenden und Hörenden. Solche Sätze wegzulassen ist pastoral geboten. Der diesem Satzungetüm folgende Satz hätte genügt: „Jesus Christus wird das Reich Gottes, das mit ihm begonnen hat, auch vollenden.“

Bei der berechtigten Erwähnung des „Historienschinkens“ über die Borgia-Sippe ist ein Druckfehler unterlaufen. Das fehlende „t“ macht den Satz unklar („…eine verkommene Sippe, die sich im 15. Jahrhundert mit List und Gewalt sogar des Stuhls Petri bemächtige…“. Es müsste heißen: „bemächtigte“.)

Für kirchenhistorisch Interessierte

Aus dem Geschlecht der Borgia gibt es auch einen Heiligen: Francisco de Borja, 4. Herzog von Gandia, ab 1546 im Geheimen Jesuit, ab 1551 öffentlich, ab 1565 dritter Ordensgeneral der Societas Jesu.

Francisco de Borja (1510-1571): Urenkel Alexanders VI. (vgl. „Historienschinken“) mütterlicherseits König Ferdinands des Katholischen, 1539-43 Vizekönig von Katalonien, 8 Kinder nach dem Tod seiner Gemahlin Leonore de Castro 1546, geheimer Jesuit, seit 1542 in Korrespondenz mit dem Ordensgründer Ignatius von Loyola. (Näheres für einen positiven „Historienschinken“ vgl. Lexikon für Theologie und Kirche.)

Anmerkung: Bei nicht wenigen Adelsgeschlechtern gibt es eine große Bandbreite in der Entfaltung ihrer Mitglieder.

Aus der Praxis: Ein Pfarrer erklärt seinen Kurskollegen, dass er die Hirtenwörter des Bischofs kürzt. Darauf das Gegenargument: „Dann musst du das Hirtenwort ja vorher lesen“(!).

Ängstlichere Mitbrüder befürchten Sanktionen des Bischofs gegen den Mutigen: „Was sagst du, wenn dich der Bischof kommen lässt?“ Antwort: „Ich kürze im Interesse des guten Rufs des Bischofs.“

Anmerkung: Da der Bischof nicht so viel Wert auf seinen guten Ruf legt, wird obiger Pfarrer ohne Titel bleiben (er legt ja schließlich auch Wert auf seinen guten Ruf.)

Redaktion

 

 


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