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Kleine Argumentationshilfe für von einem Bischof
Bedrängte und Hinausgeworfene
Alfred Schilling, Was die Kirche krank macht
Diagnose und Hoffnung aus dem Neuen Testament.
Pustet Regensburg 1992 (ISBN 3-7917-1343-4), S.84
Aus dem Kapitel: Gefährliche Jesusworte,
Christlicher Mob und der Panzer des Glaubens
MARKUS 13,9-22
"Ihr aber, macht euch darauf gefasst: Man
wird euch um meinetwillen vor die Gerichte bringen, in den Synagogen misshandeln
und vor Statthalter und Könige stellen, damit ihr vor ihnen Zeugnis ablegt
..."
Es ist nicht schwer, und es bedarf keines
Theologiestudiums, um hier die Geister zu
scheiden. Unsere Welt – und auch unsere Kirche – gehen beide nicht am
sogenannten Unglauben zugrunde, auch nicht an der sogenannten Unkeuschheit, mit
der sich alle Fanatiker so verdächtig intensiv beschäftigen. Welt und Kirche
gehen allein zugrunde an der Lieblosigkeit, am Mangel an Liebe zum Nächsten.
Hier haben wir das Kriterium Jesu – das Unterscheidungsmerkmal und
zugleich das Erkennungszeichen seiner Schüler: Daran werden alle erkennen, dass
ihr meine Schüler seid: wenn ihr einander liebt (Joh 13,35).
Professor Albert Görres, der Münchner
Psychotherapeut und Religionspsychologe, hat einen sehr lesenswerten Beitrag zum
nach Konzilsende erschienenen "Handbuch der Pastoraltheologie" verfasst. Er nennt
darin den „Umgang mit dem Gegner“ eines von vielen trüben Kapiteln und
schreibt: Die Auseinandersetzung zwischen „Integralisten“ und
„Progressisten“ oder zwischen denen, die sich für Christen, und denen, die
sie für Nichtchristen halten, lassen mancherorts und gelegentlich kein noch so
trübes Mittel der Gehässigkeit, Verleumdung und Ehrabschneidung ungenutzt.
Verdächtigungen, Unterstellungen, Denunziationen werden im Dienst der guten
Sache mit heiliger Entrüstung
eingesetzt, wo ein Außenseiter am katholischen Gebäude rüttelt, fromme
Gewohnheiten und fromme Lügen in Frage stellt. Von Gerechtigkeit, Fairness,
Enthaltung von richterlichem Urteil, von der Pflicht, fremde Sünden nicht zu
publizieren, gar von Feindesliebe ist dann nicht mehr viel übrig. Das Ärgste
an solchen Bosheiten ist das unerschütterliche
Gewissen, mit der sie unter der Fahne des Sieges der Wahrheit geübt werden. Die
Gegner sind ja „die Feinde Gottes mit ihren ideenleeren Hirnen“ (J.M.Escriva,
Der Weg Nr. 35). Danielou, der spätere Kardinal, spricht von „Inquisition
ohne Auftrag, die ihre Blitze gegen die kleinste Ansammlung von Verstand
schleudern“ (Pathologie des katholischen Christentums Bd II/1, 338f)
Interessant ist, dass Görres in diesem Zitat,
also schon 1966, da das "Opus Dei" - das „Werk Gottes“ (!) – bei
uns praktisch noch unbekannt war, just dessen Gründer mit einem weder allzu
christlichen noch besonders heiligen Ausfall zitiert. Görres spricht vom "unerschütterlich guten
Gewissen", und es scheint ja auch in der Tat völlig
unmöglich, den Panzer der Orthodoxie und der Rechtgläubigkeit, in dem sich
jene Glaubenskämpfer eingeschlossen haben, zu durchbrechen.
Es ist die Tragik des Jesuswortes „Wenn sie
mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ ( Joh 15,20), dass es in
einem schrecklichen Sinne missverstanden und missbraucht werden kann. Wer einmal
in einem solchen Panzer des allein rechten Glaubens drinsteckt, der wird jeden
Angriff auf seine Position, ja jede Ablehnung seiner Meinung nur als „Verfolgung“
verstehen. Und ein solcher im Eis der Lieblosigkeit erstarrter Glaubenskämpfer
wird sich um so mehr für einen rechten Schüler Jesu halten, je weniger er bei
anderen Zustimmung findet, sondern, wie er es sieht, nur „Verfolgung“
erfährt. Einen solchen Zustand der irreversiblen Verhärtung und Verkrustung
nenne ich Fanatismus, und Fanatismus ist die absolute Perversion des Christseins.
Der „Heide“ Sophokles lässt seine Antigone
sagen: Mitlieben, nicht mithassen ist mein Teil (Vers 523). Auch unser „rechter
Glaube“ kann immer nur unsere Liebe sein.
(Gefunden von Hermann
Wolfgang Dettenkofer, Prien; immer noch nicht vom
AKR ausgetreten, auch niemals förmlich eingetreten)
Erinnerung
an Alfred Schilling |