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Mittelbayerische
Zeitung - 15.6.2007 Cham nimmt Abschied von Ehrenbürger Gerhard Schmidt CHAM (ck). In einer bewegenden Trauerfeier in der Stadtpfarrkirche St. Josef nahmen am Freitag seine Familie, Freunde, Parteikollegen, ehemalige Schüler wie die Stadt Abschied von Chams Ehrenbürger Gerhard Schmidt. Der Kunsterzieher und vielfach engagierte Wahlchamer war am 9. Juni im Alter von 85 Jahren gestorben. Der Trauergottesdienst wurde von den Weggefährten Schmidts aus dem kirchenkritischen Magazin „Pipeline“ und dem Aktionskreis Regensburg, Hans Trimpl, Leo Feichtmeier und Andreas Schlagenhaufer, zelebriert. Schlagenhaufer erinnerte an Worte des Freundes, die er vor drei Jahren aufgeschrieben habe. „Ich entschuldige mich für die Missachtung der Gebote der Liebe in und durch unsere Kirche. Ich entschuldige mich für die ganze katholische Kirche“, habe Schmidt geschrieben. Schlagenhaufer ließ eine der berühmten Kacheln von Gerhard Schmidt rumgehen, die einen Bischof auf der Wolke hoch über der Erde zeigt und erzählte dazu, was Schmidt mit seiner Kunst bewirkte. Er habe einmal gesagt: „Bin ich einmal ganz unten, dann male ich ein paar Kacheln und dann schaue ich bald wieder ganz frech unter dem Tisch heraus.“ Diese Gabe, einzustecken und wegzustecken, beschrieb auch ein weiterer langjähriger Weggefährte Gerhard Schmidts, der jetzige Grünen-Kreischef Gerhard Weiherer. Er erinnerte in seinem Nachruf an die Verdienste und an den Menschen Schmidt. „Er schreckte vor keiner Obrigkeit zurück“, beschrieb er. Dafür habe er viel einstecken müssen: „Niederlagen gab es reichlich.“ Vor allem auch in seiner schweren Zeit als erster Chamer Kreisrat der Grünen. „Ich muss es so sagen, weil es wahr ist: Er wurde von den meisten Kreisräten als unbequemer Visionär und Utopist verlacht und verspottet“, sagte Weiherer. Denn er sei seiner Zeit im Denken und Handeln weit voraus gewesen, etwa bei seinem Einsatz für erneuerbare Energien. Er habe vielfach Zivilcourage gezeigt, ob bei Demonstrationen gegen die WAA oder bei seiner Unterstützung für Kriegsdienstverweigerer, bei seiner Arbeit für seine Schule, für die Friedensinitiative oder auch attac. Schmidt habe kritisiert, dass eine Aufarbeitung der Nazizeit nie stattgefunden habe und sich aktiv gegen das Aufkommen von Neonazis eingesetzt. „Die Bewahrung der Schöpfung war ihm immer ein Anliegen.“ Er habe sich immer für das Wohlergehen des Menschen, für Frieden, Umwelt und Natur eingesetzt. „Wir nehmen dein Vermächtnis an“, so der Grünen-Chef, „dein Wirken und dein politisches Handeln haben sich gelohnt!“ Die kirchliche Arbeit Schmidts vor Ort würdigte Stadtpfarrer Josef Triebenbacher und wies darauf hin, dass die Bilder in der Kirche von St. Josef auch dank der Beratung Gerhard Schmidts so entstanden seien. Ein Vertreter des Aktionskreises Regensburg (AKR), bei dem Schmidt mitarbeitete und etwa Karikaturen lieferte, sprach die Hoffnung aus, durch das Wirken Schmidts „ein wenig resistenter gegen die Oberflächlichkeit in und um uns herum“ geworden zu sein. Er dankte für die „messerscharfen Leserbriefe“, die Schmidt aus der Verantwortung eines mündigen Christen heraus formuliert habe. „Ich möchte heute mit kurzen Worten an den Menschen Gerhard Schmidt, an ‚Hupferl‘, wie er auch von Freunden und natürlich von uns, seinen früheren Schülern, liebevoll genannt wurde, erinnern und sein Leben und Wirken ins Gedächtnis rufen“, so Bürgermeister Hackenspiel in seinem Nachruf auf den Ehrenbürger. Bereits 1950 sei Schmidt nach Katzbach gekommen, um als Kunsterzieher an der damaligen Oberrealschule Cham zu unterrichten. „Im Nachhinein verstehe ich natürlich heute viel besser als damals, was er als großartiger Pädagoge versuchte, seinen Schülern zu vermitteln, nämlich Werte und Wertvorstellungen bewusst zu machen und in die richtige Reihenfolge zu stellen, Dinge aus verschiedenen Blickwinkel zu betrachten und nicht nur einer vorgegebenen Meinung zu folgen, offen und couragiert durch das Leben zu gehen“, sagte der Bürgermeister. „Sein Sinn für Humor, seine Heimatliebe und seine Weltoffenheit kommen in seinem künstlerischen Schaffen zum Ausdruck. In vielen öffentlichen Gebäuden wie im Rathaus und in vielen privaten Wohnungen können wir sie entdecken, die Werke von Gerhard Schmidt, sie werden uns ein stetes Andenken an ihn sein.“ Gerhard Schmidt habe stets Zivilcourage bewiesen, er habe nie weggeschaut. Er habe sich engagiert, „auch da, wo es manchmal nicht genehm war, er hat sich zu Wort gemeldet, er hat sensibilisiert.“ Dabei sei es ihm nie um persönliche Profilierung, sondern um gesellschaftliche Verantwortung, orientiert am humanistischen, christlichen Menschenbild, gegangen, so das Stadtoberhaupt. Er habe sich in besonderer Weise um die Stadt verdient gemacht. Dafür, für sein „mutiges Eintreten für Mensch und Umwelt unserer Region sowie sein herausragendes Engagement auf sozialer, kirchlicher und kultureller Ebene“, habe ihn die Stadt zum Ehrenbürger gemacht. „Gerhard Schmidt hat einmal gesagt: Auch wenn ich oft anderer Meinung gewesen bin, in einem wichtigen Punkt fühle ich mich mit den Chamern sehr verbunden: Es ist die Liebe zu unserer schönen Stadt Cham, die mir in diesen 50 Jahren so sehr ans Herz gewachsen ist, wie ich mir das in den ersten Jahren nicht vorstellen konnte. Dass die Schönheit, der Charme der Stadt erhalten bleibt und dass ihre kulturelle Bedeutung noch wächst, das sollte unser aller Bemühen sein“, zitierte Leo Hackenspiel zum Ende seines Nachrufs. Bürgermeister Hackenspiel erinnerte an den Ehrenbürger Schmidt. |
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