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Aus einem Manuskript des
großen Moraltheologen
Bernhard Häring:
DIE KIRCHE
IM EINUNDZWANZIGSTEN JAHRHUNDERT
Ein Zeichen der Hoffnung
Glauben sie ja nicht, daß zu
Ihnen ein Optimist redet, der die dunklen Seiten und Schaffen der Kirche einfach
nicht sehen will. Ich sehe sie und habe weltweit mitgeholfen, auf die
Krankheitsbilder unserer gegenwärtigen Kirche hinzuweisen - immer im Blick auf
eine Heilung.
Ich sehe, wie sich im letzten
Jahrzehnt des zweiten Jahrtausend die kollektive, paternistische Neurose
zuspitzt- jedoch beschränkt auf eine allerdings lautstarke Minderheit.
Diese von Angstneurose geplagte,
lautstarke Minderheit lebt noch gedanklich und affektiv im alten Bild der Kirche
als der Inhaberin, ja der Alleininhaberin aller Wahrheiten. Sie erneuert die
Mentalität der Monopolgesellschaft, die glaubt, die Wünsche der Kunden
ignorieren zu können. Da die Außenbeziehungen deshalb gestört sind, kommt es
unvermeidlich auch zu neurotischen Innenbeziehungen. Man mißtraut sich, belohnt
Denunzianten und Ehrenstreber, beliebte "Jasager".
Obgleich in den vielseitigen
ökumenischen Dialoggruppen ein Aufeinanderhören und Voneinanderlernen blüht,
so will die Gruppe, die sich um das Ex-heilige Offizium schart und fest an den
Bischofsernennungen mitmischt, wenigstens der braven, "verunsicherten"
katholischen Gläubigen das Monopol der Sicherheiten vor allem in der
Sexualmoral und in vielen anderen Dingen ihr Wahrheitsmonopol anbieten, den
kritischen Katholiken dagegen durch Strafsanktionen und absolute Treueeide auch
gegenüber nicht-unfehlbaren Aussagen die Anerkennung ihrer Monopolrechte in
allen Glaubens- und Sittenfragen aufzwingen.
Ein Unternehmen, das sich nach
Verlust der Monopolrechte so aufführt, als ob es noch alle Monopole besäße,
ihre schöpferischsten Mitarbeiter ausgrenzt, wird sehr schnell Kunden und
wirksame Mitarbeiter verlieren. Die kollektive, paternistische Krise spitzt sich
in diesen letzten Jahren des zweiten Jahrtausends der Christenheit zu. Bischöfe
wie Krenn, Dyba scheuen sich nicht, öffentlich kundzutun, wie skandalisiert sie
durch den Anblick einer Ministrantin sind, Symbol der Frauenwelt, die als
gleichberechtigte den Glauben leben, bezeugen und verkünden will.
Doch laßt uns nicht übersehen,
daß es sich um eine relativ kleine (wenn auch momentan scheinbar noch
machtvolle Gruppe) handelt. Überspitzungen durch die Lautstarksten verkleinern
ihren Anhang.
Ich habe allen Grund trotz allem,
ja gerade im Blick auf die Zuspitzung der Krise mit großer Hoffnung auf das
erste Jahrhundert des dritten Jahrtausend zu blicken. Die Dynamik des Konzils
wird durch die Exzesse der von Angst-, Sicherheits- und Macht-Neurosen
geschüttelten Minderheit, die sich ihre Kirche immer noch, ja mehr als je als
belagerte Wahrheitsfestung vorstellen, ganz neu wachgerufen. Wir sind heute
wacher als vor 25 Jahren....
Prof. Bernhard
Häring trug diesen Text einige Jahre vor seinem Tod Religionslehrern bei einer
Fortbildung in Gars vor. Dabei sagte er auch: "Faßt Mut! Laßt euch
nicht erschrecken vor dem letzten Aufflackern einer doppelten Neurose - einer
Monopolgesellschaftsmentalitätsneurose und einer Kollektivneurose!"
Voller
Wortlaut des Manuskripts
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