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Reaktion von Bischof Gaillot auf das Auftrittsverbot in
Bonn
Bischof
Jacques Gaillot schreibt an die Christen im Erzbistum Köln
Die
Botschaft lautet (in Auszügen):
»Chers amis!
Liebe Freundinnen und Freunde, die ihr heute Abend, am 28. Oktober, hier
in Bonn versammelt seid, wie sehr hätte ich mir gewünscht, mit Eugen
Drewermann zusammen bei euch zu sein!
Eure Gegenwart hätte mich gefreut, gestärkt und getröstet, und Eugen
Drewermanns Worte hätten mich aufgemuntert.
Ihr habt erfahren, dass ich nicht zu euch kommen kann nach Bonn, um hier
zu reden. Ich werde nicht mehr in eure große Kölner Diözese kommen, um
auf euren Versammlungen das Wort zu ergreifen.
Ich muss sagen, dass ich seit zehn Jahren in Sachen Verbote eine gewisse
Erfahrung sammeln konnte. Aber ich bin immer meinen Weg weiter gegangen
und habe mich zu neuen Ufern aufgemacht, wo eine Begegnung möglich war.
Das Wort Gottes kann nicht in Ketten gelegt werden. Das Evangelium bricht
sich Bahn.
Wäre ich jetzt unter euch, dann würde ich gerne von der Hoffnung
sprechen, die in uns ist und die uns nicht enttäuscht, wie der Apostel
Paulus sagt: ›Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen, denn die
Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist,
der uns geschenkt worden ist‹ (Römerbrief, Kapitel 5, Vers 5).
Unsere Hoffnung, das bedeutet: die Prüfungen durchstehen, ohne sich von
ihnen erdrücken zu lassen, die Hindernisse überwinden, um
weiterzukommen.
Die Hindernisse können zu neuen Wegen werden.
Die Prüfungen können zu neuen Quellen führen, schwierige Situationen
können zu Momenten geistlicher und spiritueller Erfahrung werden ...
Ich stelle mir oft die Frage: ›Wer ist heute der Hoffnungsträger der
Armen?‹ Jesus, der junge Prophet von Nazaret, war der Hoffnungsträger
der Armen. Die Armen fühlten sich durch seine Worte und Taten
angesprochen.
Wenn mein Leben keine Hoffnung wäre für die Armen, wie könnte ich dann
ein Jünger Jesu sein?
Gott kann machen, dass in unserem Leben Neues entsteht ...
Jacques Gaillot
Bischof von Partenia
Kölner Stadtanzeiger 26.10.04
„Meine
Liberalität macht ihnen Angst“
Jacques Gaillot bedauert das
Eingreifen des Kölner Oberhirten und will seinen Weg fortsetzen - mit ihm
sprach Harald Biskup.
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Monsieur
Gaillot, mit „Herr Bischof“ oder gar „Exzellenz“ möchten Sie ja
nicht angeredet werden, oder?
JACQUES GAILLOT: Ich habe in der Bibel
nichts davon gelesen, dass Jesus Exzellenzen eingesetzt hätte. Autorität
gewinnt man nicht durch irgendwelche Titel, sondern durch glaubwürdiges
Handeln.
Warum haben Sie sich dem
Auftrittsverbot von Kardinal Meisner gebeugt?
GAILLOT: Ich lebe seit zehn Jahren mit
Verboten, und das ist nur ein weiteres. Das ist keine neue Erfahrung. Ich
habe gehorcht, weil es mir wichtig ist, in der kirchlichen Gemeinschaft zu
bleiben, in Verbundenheit mit Rom und den Bischöfen, denn die Kirche ist
meine Familie. Ich glaube, ich habe dem Bischof von Rom und den Bischöfen
immer gehorcht. Ich suche nicht den Bruch mit ihnen. Wenn ich nicht in die
Erzdiözese Köln kommen kann, es gibt ja noch andere. Wenn ich in der
einen Stadt nicht willkommen bin, suche ich mir halt eine andere aus. Das
ist meine Strategie.
Bescheren Sie Kardinal Meisner nicht
ungewollt einen Sieg, indem Sie sein Verbot akzeptieren?
GAILLOT: Ach, wissen Sie, die Christen,
die am Donnerstag nach Bonn kommen werden, bilden sich ihre eigene
Meinung. Die Kirche muss wissen, ob sie ihre Zukunft gestalten will, indem
sie Meinungsfreiheit und Pluralität nicht zulässt. Durch das Aussprechen
von Verboten, durch das Verbot der Gedankenfreiheit gewinnt man keine
Zukunft. Man kann die Zukunft der Kirche nicht auf Verboten aufbauen. Ich
bedaure das Verbot sehr, es beweist keinen großen Mut. Der Kardinal
erweist mir die Ehre, glauben zu machen, ich sei gefährlich und er habe
Angst vor mir. Aber ich bin doch überhaupt nicht gefährlich.
Können Sie verstehen, dass Ihre
Anhänger von Ihrer Entscheidung enttäuscht sind?
GAILLOT: Ja, ich hoffe aber, dass es bald
wieder eine Gelegenheit geben wird, mit ihnen zusammenzutreffen. Es gibt
ja Leute in der Kirche, die mich nicht für gefährlich halten und nicht
zuerst auf Verbote setzen.
Haben Sie den Eindruck, dass Meisner
versucht, den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, und
vielleicht auch den Papst persönlich gegen Sie zu mobilisieren?
GAILLOT: Ja, das befürchte ich. Ich gehe
davon aus, dass es da enge Kontakte gibt, die meine Person treffen. Ich
werde sicherlich Schwierigkeiten mit Rom bekommen. Meine Liberalität
macht ihnen Angst.
Welche Rolle spielt in dem schwelenden
Konflikt Ihr gemeinsamer Auftritt mit Eugen Drewermann auf dem Ulmer
Katholikentag im Juni?
GAILLOT: Diese Diskussion hat dem Kölner
Kardinal überhaupt nicht gefallen. Damit hat alles angefangen.
Haben Sie die Sorge, sie
könnten auch noch Ihr Titularbistum verlieren, das man Ihnen nach Ihrer
Amtsenthebung als Bischof von Evreux 1995 zugesprochen hat?
GAILLOT: Ich hoffe nicht, dass das
eintritt. Aber man könnte mir meine Menschenwürde und meinen Glauben -
die beiden essenziellen Dinge, auf die es mir letztlich ankommt - auch
dadurch nicht nehmen. Ich bleibe zuversichtlich und setze meinen Weg fort,
so oder so.
Vielleicht schreckt der
Vatikan ja vor härteren Sanktionen vorläufig zurück, weil man keinen
Märtyrer schaffen will.
GAILLOT: Das ist ganz sicher so, aber
selbst wenn es so käme, würde ich im Vertrauen auf das Wort Gottes
weitermachen in der Solidarität mit den Armen, im Einsatz für Frieden,
Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Auch ohne den Status eines
Bischofs bleibe ich ja Weltbürger.
Näheres
zum Auftrittsverbot in Köln, das Kardinal Meisner ausgesprochen hatte
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