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Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg: 

Integralistische Gefahren und Fanatiker in der heutigen Gesellschaft

"Der Fanatismus hat viele Gesichter"

ROM, 6. Juli 2006 (ZENIT.org).- Dort, wo die Liebe zum Nächsten als "Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen" verstanden werde, begegne man einander im Geist der Vergebung und der Gemeinschaft, erklärte der Regensburger Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller während der letzten Videokonferenz der Kongregation für den Klerus. Die Studientagung fand am 27. Juni statt und befasste sich mit dem Thema "Rassen un Kulturen".

In seinem Impulsvortrag unterstrich Bischof Müller, dass ein gelingendes Mit- und Nebeneinander nur dann möglich sei, "wenn die ernsthafte Auseinandersetzung mit den Vorstellungen und Prägungen des je anderen erfolgt".

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Immer wieder gehen Bilder durch die Medien von Gewalt, deren Ausgangspunkt in den vielfältigen Formen der Ausländerfeindlichkeit, des verabscheuungswürdigen Antisemitismus und der politischen, religiösen und gesellschaftlichen Intoleranz liegen. Besonders die aggressiven Formen der Ausländerfeindlichkeit haben unterschiedliche Ursachen.

Seitdem gerade in den Mitgliedsländern der Europäischen Union die Politik der geöffneten Grenzen zum Markenzeichen eines zusammenwachsenden Europas geworden ist, sehen sich Immigranten einer ablehnenden und skeptischen neuen Umgebung ausgesetzt. Das "Fremde", ein möglicherweise abweichendes religiöses Verhalten und die kulturellen wie sprachlichen Barrieren, sind für beide Seiten - den Einwanderer und den Beheimateten - eine oftmals zu große Herausforderung, die ein friedliches Miteinander verhindert. Unweigerlich kommt es zu einer Art Gettoisierung, zu einem eng umschriebenen Ort und einem aus der gemeinsamen ethnischen Herkunft definierten Raum, der den Immigranten ein Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit in einer für sie fremden neuen Heimat verleiht.

Eine Sicherheit, die durch die Bereitschaft zur Gewalt und zur ethnischen Ausgrenzung einiger Fanatiker gefährdet wird. So genannte Neonazis werben in einigen europäischen Ländern offen für Gewalt gegen Juden und Ausländer, organisieren Veranstaltungen und setzen die neuen Medien für ihre Propaganda ein. Der Fanatismus hat viele Gesichter. Linkspolitischer Terror oder rechtsradikaler Fremdenhass ist vielleicht in der Motivation verschieden, in der grausamen Wirklichkeit jedoch nicht voneinander zu unterscheiden.

Die kulturellen und religiösen Unterschiede können jedoch durch eine oberflächliche Politik multikultureller Vermischung nicht verdeckt werden. Ein gelingendes Mit- und Nebeneinander kann nur dann stattfinden, wenn die ernsthafte Auseinandersetzung mit den Vorstellungen und Prägungen des je anderen erfolgt. Fanatismus und falsche Integrationspolitik führen unweigerlich in Abgrenzung und mögliche Gewalt.

Fanatismus birgt aber noch eine Gefahr für die geistige Entwicklung der Menschen in sich. Wer lediglich einen Ausschnitt der Wirklichkeit als absolute Wahrheit erkennen möchte, verneint jeden Fortschritt des Denkens und blockiert eine vertiefende Sicht der Wahrheit in ihrer allgemeinen Normativität. Die Wahrheit ist universal, nicht eingrenzbar in die Vorstellungen eines fanatisierten Weltbildes. Fanatismus ist Ergebnis und Ausgangspunkt der geistigen Engführung des Menschen auf nur einen Aspekt seiner eigenen Vorstellung. Gewalt, Intoleranz und Hass entspringen einer fanatisierten Welt. Dort wo die Liebe zur Schöpfung und zum Menschen als Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen verstanden wird, ist die Hinwendung zum Nächsten gestaltet durch die Bereitschaft zur Vergebung, zur Gemeinschaft, zum Suchen nach der Wahrheit, die Jesus Christus ist.

[Von der Kongregation für den Klerus zur Verfügung gestelltes Original] ZG06070610

 

 

 


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