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Aus
KIRCHE IN, August 2007 Der
Fall Höberth Den
Pflichtzölibat ausgetrickst Die
Nachricht, dass ein evangelischer Pfarrer samt Frau und vier Kindern zur römisch-katholischen
Kirche konvertierte und vom Wiener Kardinalerzbischof Dr. Christoph Schönborn
zum Priester geweiht wurde, brachte den vorsommerlichen Blätterwald der
Alpenrepublik Österreich gehörig zum Rauschen. Was davor geschah und was
dahinter steckt, untersucht RUDOLF SCHERMANN. Österreich
diskutierte gerade über teure Abfangjäger und ärgerte sich über einen saudiarabischen
Prinzen, der sich angeblich beim Rasieren verletzt hätte, weswegen die
Benzinpreise sofort wieder gestiegen seien, als die Nachricht publik wurde,
ein glücklich verheirateter evangelischer Pfarrer habe sich zur römisch-katholischen
Kirche bekehrt und sei obendrein zum römisch-katholischen Priester geweiht
worden. Selbst
die an fortschreitender religiöser Demenz leidende Spaßgesellschaft fragte
irritiert: "Ja dürfen's das?" Nämlich
der evangelische Grenzgänger und sein "Schlepper", Schönborn.
Zudem wurde alsbald bekannt, dass der Kardinal, seiner diskreten Art
entsprechend, mit dem Übertrittswilligen
insgeheim bereits ein halbes Jahr intensive Gespräche geführt hatte. Nicht
genug: Mittlerweile stand auch fest, dass Herr Pastor, Magister Gerhard Höberth
(47), bis zum 18. Lebensjahr katholisch war, dann zur evangelischen Kirche übertrat,
dort zum Pfarrer ordiniert wurde und in Gosau am
Dachstein seinen Dienst erfüllte, um schlussendlich - nach einer
gewissenhaften Auseinandersetzung mit sich selbst und der mittlerweile fünfköpfigen
Familie - wieder in den Schoß der sogenannten "Mutter Kirche" zurückzukehren. Die
evangelische Kirche Österreichs reagierte zurückhaltend zu Höberths
kürzlich erfolgter Priesterweihe. Man sei verwundert über Höberths
Übertrittsmotiv, nämlich dass er "in der römisch-katholischen
Kirche die Fülle" erkannt habe. "Nach
evangelischem Verständnis" - so die Stellungnahme - "ist
die Kirche in ihrer Fülle überall
da gegeben, wo das Evangelium
lauter gepredigt wird und die Sakramente
ihrer Einsetzung gemäß gefeiert werden
(Confessio Augustana,
Artikel 7). Daher
verwirklicht die Evangelische Kirche A.B.
die Fülle der einen Kirche Jesu Christi ebenso
wie die mit ihr in der Ökumene verbundenen Schwesterkirchen." Höberth
hätte auch - zur Freude der wackeren Schar erzreaktionärer Katholiken -
behauptet, die Scheidungsrate bei evangelischen Geistlichen sei "relativ
hoch". Was nicht stimmt. Dazu die Stellungnahme: "Das
Gegenteil ist der 'Fall: 12
Prozent der evangelischen Pfarrerinnen
und Pfarrer sind geschieden, die aktuelle
Scheidungsrate in Österreich liegt bei 49
Prozent. Die Evangelische Kirche bedauert jede Ehescheidung. Gleichzeitig sind
wir der tiefen Überzeugung,
dass verheiratete Pfarrer und Pfarrerinnen durch ihr gelobtes Beispiel
die Glaubwürdigkeit der Verkündigung verstärken." Enttäuscht
zeigt sich die Evangelische Kirche deswegen, weil Pfarrer Höberth
laut Medien "schon bald nach
seinem Dienstantritt als ordinierter Geistlicher der Evangelischen Kirche A.B.
(...) mit dem Gedanken des Übertritts
zur Römisch-katholischen Kirche zu spielen begonnen hat. (...) Dieser Zustand
zog sich über mehrere Jahre hindurch. Wir
bedauern das insbesondere mit Blick auf die
Gemeinde, die sich von ihrem Pfarrer auf Grund
seines Ordinationsgelübdes den aufrichtigen Dienst auf der Grundlage der
Heiligen Schrift und der Bekenntnisse der Kirche erwarten
durfte." Nobler Nachsatz: "Aufgrund
der stabilen und vertrauensvollen ökumenischen Verbundenheit mit unserer römisch-katholischen
Schwesternkirche soll die gemeinsame
Freude überwiegen, dass Menschen in den Dienst des Evangeliums berufen
werden. In diesem Sinn wünschen wir
Pfarrer Höberth
und seiner Familie alles Gute und Gottes
Segen." Zweierlei
Maß Neben
solcher Noblesse wirkt die neuerliche Ratzinger-Erklärung, die der
Evangelischen Kirche das Kirchesein abspricht, wie
blanker Hohn. Während verheiratete evangelische Pfarrer wie Höberth
mit offenen Armen aufgenommen und zum priesterlichen Altardienst zugelassen
werden, finden sich allein in Österreich rund 700 (weltweit rund 100.000!)
mit viel (auch finanziellem) Einsatz ausgebildete und ihrer Kirche stets treu
gewesene Priester gleichen Standes mit hanebüchenen Kirchenrechts-Argumenten
kaltschnäuzig aus der Berufungsbahn geworfen. Proteste von Gläubigen zählen
im hochmütigen und machtbesessenen Vatikan ohnehin nichts. Auf sie antwortet
die römische Gerontokratie entweder überhaupt nicht oder mit einem Schwall
von frommen Phrasen. Gipfel des Zynismus: Man könnte ja jederzeit die Zölibatsverpflichtung
für Kleriker abschaffen, wird beteuert. Nur geschieht es nicht. Im selben
Atemzug wird vor der Öffentlichkeit mit frommem Augenaufschlag der angebliche
Priestermangel beklagt, zum Gebet für Priesterberufe aufgerufen, gar die
Gemeinden mit unerträglicher Präpotenz und
Frechheit beschuldigt, sie würden nichts dazu beitragen, dass mehr
Priesterberufungen entstehen würden. Nur eines tun der Papst und seine
Gesinnungsgenossen nicht: sich der Einsicht öffnen, dass sie mit dem
halsstarrigen Festhalten an diesem mittelalterlichen Stumpfsinn unter der
irrigen Begründung der angeblichen "Ganzhingabe an Gott" in
eindeutigem Widerspruch zur Neutestamentlichen Offenbarung Jesu Christi
stehen. Denn dort gibt es nirgendwo auch nur ansatzweise einen Ansporn zur
verpflichtenden Ehelosigkeit. Zwar spricht Jesus im Zusammenhang mit der Ehe
kurz auch von verschiedenen Arten des Eunuchentums,
darunter auch von einer freiwilligen Eheunfähigkeit um des Himmelreiches
Willen (es gab in den Reihen der zeitgenössischen Essenersekte-
solche Eunuchen), fügt aber lediglich hinzu: "Wer
das erfassen kann, der erfasse
es." (Matthäus, 19, 12) Von
einem Hinweis auf eine Ehelosigkeitspflicht keine Spur. Paulus bestätigt dies
sogar ausdrücklich: "Was die
Frage der Ehelosigkeit
angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn." (1. Korintherbrief 7,25)
"Ich wünschte, alle Menschen wären
(unverheiratet) wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine
so, der andere so." -
schrieb Paulus. Tolerant wie er war, respektierte er, treu der Botschaft
Christi, die Freiheit jeder Christin, jedes Christen, beanspruchte daher
lediglich für sich persönlich das zölibatäre Leben, ohne es
irgendjemandem, gar ganzen christlichen Gruppen aufzuzwingen, wie es der
Vatikan gegen den Willen der Mehrheit der Gläubigen tut. Aber Toleranz und
paulinisch-christliche Bescheidenheit ist die Sache der Päpste und der
Meisners nie gewesen. Und ihre Bibeltreue endet dort, wo es ihnen in den Kram,
will sagen in die Kirchenrechtsparagraphen, passt. Warum es Magister Höberth,
während er sich für das römische Zölibatsdispens
bedankte, überflüssiger Weise für wichtig befand, zu erklären, ansonsten
sei er durchaus für die Aufrechterhaltung des Zölibatsgesetzes,
bleibt sein Geheimnis. Selbst
ein gewisser Joseph Ratzinger, hochangesehener Theologe, schrieb 1970, bevor
er vom Wegbereiter der Zukunft zum Torwart der Vergangenheit mutierte: "Die
Kirche der Zukunft wird neue
Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu
Priestern weihen." (Glaube
und Zukunft, S. 110) Die
Aufregung in Österreich war freilich überzogen. Was die Meisten nicht
wissen: Den kleinen Grenzverkehr von der katholischen zu anderen Kirchen oder
Sekten - aber auch umgekehrt - hat es schon immer gegeben. Als die
anglikanische Kirche die Frauenordination einführte, wechselten gleich
haufenweise anglikanische Kleriker, die sich mit dem Anblick einer Frau in
Priestertalar partout nicht anfreunden konnten, zur katholischen Kirche, die
ihnen scheinbar trotz der grassierenden Pädophilienfälle
einerseits und unzähliger heimlicher Zölibatsbrecher
andererseits noch immer sauberer vorkam als die eigene, nun ach so
frauenverseuchte Kirchengemeinschaft. Vatikanschreiber dürften damals
Sonderschichten zur Anfertigung von Dispenserlaubnissen eingelegt haben.
Gleichzeitig mit Pfarrer Höberth bekam auch der
ebenfalls zur römischen Kirche konvertierte deutsche evangelische Pfarrer und
Familienvater Hans-Tilman Gode, 44, die Priesterweihe vom Eichstätter Bischof
Walter Mixa. Schon schwieriger weil verdächtiger
wird es, wenn ein Zölibatsemigrant die naheliegendste
Kirchengemeinschaft als Fluchtziel wählt, nämlich die mit Rom unierte
sogenannte "griechisch-katholische Kirche", deren Oberhaupt
ebenfalls der Papst ist, deren Kleriker aber, mit Ausnahme der Hierarchen von
den Bischöfen aufwärts, vor der Weihe heiraten und den Gottesdienst in ihrer
altslawischen Sprache feiern dürfen. Diesen "Preis" zahlte Rom für
deren Übertritt von der orthodoxen zur römisch-katholischen Kirche. Legendär
wurde in diesem Zusammenhang jener römisch-katholische Bischof in Ungarn,
der, als einer seiner Kleriker mit dem Ansinnen an ihn herantrat, er möchte
vom lateinischen zum griechisch-unierten Ritus wechseln, die Frage stellte,
welche Haarfarbe der Ritus habe: braun oder blond? Lockspeise
des Satans Die
Rede von der "Ganzhingabe an Gott" als angebliches Motiv des
Pflichtzölibats wirkt vor dem Hintergrund besonders der frühen Geschichte
der brutalen Bekämpfung bibeltreuer Zölibatsgegner
denkbar unpassend. So beschimpfte der bis zur Perversität in sexuellen
Bildern schwelgende Kirchenlehrer Petrus Damiani
(1007-1072) die Priesterfrauen mit ganzer Hingabe - noch bevor die Priesterehe
verboten wurde - als "Lockspeise
des Satans, Auswurf des Paradieses,
Gift der Geister, Schwert der
Seelen, Wolfsmilch für die
Trinkenden, Gift für die Essenden, Quelle der
Sünde, Anlass des Verderbens, Eulen, Nachtkäuze,
Wölfinnen, Blutegel, Metzen, Buhlerinnen,
Lustdirnen, Suhlplätze fetter Säue,
...." Wie
der verheiratete Priester Mag. Johann Chocholka in
einem Exposé darlegt, gibt es reihenweise kirchliche Dokumente, die belegen,
dass verheiratete Priester zwangsweise in Klöster gesteckt wurden. Man hat
sie dort gefesselt, ausgepeitscht und auf verschiedene Weise schikaniert. Auch
Priesterfrauen wurden ausgepeitscht, verkauft, versklavt. Mitte des 11.
Jahrhunderts machte Papst Leo IX. (1049-1054) alle Frauen Roms, die mit
Priestern zusammenlebten, zu Sklavinnen seines Palastes. Auch Priesterkinder
wurden zu Sklaven der Kirche erklärt. Papst Alexander II. (1061-1073)
stachelte die Gläubigen auf, die verehelichten Geistlichen "bis zur Vergießung
des Blutes" zu verfolgen. Am ärgsten aber trieb es Papst Gregor der VII.
(1073-1085), ein kleinwüchsiger, machttrunkener Egomane auf dem Papstthron. Während
seiner Regierungszeit wurden verheiratete Geistliche während des
Gottesdienstes ermordet, ihre Frauen auf den Altären vergewaltigt. So wurde
der "heilige Zölibat" mit Ganzhingabe an Mord, Totschlag und
Vergewaltigungen durchgepeitscht. Apropos Gregor VII: Als er die deutschen
Bischöfe energisch zur Durchsetzung des Pflichtzölibats aufgefordert hatte,
meinten diese, Gregor möge eher vor seiner eigenen Pforte bzw. vor dem
Burgtor von Canossa kehren, wo er wochenlang fern von Rom die Gastfreundschaft
der schönen Markgräfin Mathilde genoss. Sie nannten ihn - es gilt die
Unschuldsvermutung - einen Heuchler... Wiederkehr
der Natur Den
Höhepunkt der Ganzhingabe an die Festigung des Zwangszölibats bildete dessen
gesetzliche Verankerung unter Papst Innozenz II. im Jahr 1139. Kanon 6 dieses Laterankonzils
zu Rom lautet: "Wir beschließen
auch, dass diejenigen, die im Subdiakonat und in den höheren Weihegraden
heiraten oder Konkubinen haben, ihr Amt und ihre kirchlichen Pfründe verlieren.
Da sie nämlich Tempel Gottes, Gefäße des Herrn und Heiligtum des Heiligen
Geistes sind und auch so genannt
werden, ist es unwürdig,
dass sie dem Ehebett und der Unreinheit
dienen." Man beachte die Gleichstellung von Ehefrauen mit
Konkubinen, die Einschätzung des Wertes der Ehe und des "unreinen"
Ehebettes. Natürlich haben es viele Kardinäle, Päpste und Bischöfe
unbeschadet ihres sturen Festhaltens am Pflichtzölibat durchaus verstanden,
ihr erotisches, sexuelles und das damit zusammenhängende emotionelle Defizit
mit (natürlich nur Seelen-) Freunden und Freundinnen zu kompensieren... Die
schöpferische Weisheit Gottes haben schon die alten Römer in dem prägnanten
Satz zusammengefasst: Naturam
expellas furca, tarnen
usque recurret.
Will sagen: Du kannst die Natur noch so hinausprügeln,
sie kehrt trotzdem immer wieder zurück. Eine Weisheit, welche die Päpste und
ignorante Jubeljünger bis heute ebensowenig
begriffen haben wie die biblische Version dieser Weisheit, von der bereits in
Bezug auf Jesus und Paulus die Rede war. Wie schrieb doch der Apostel an die
Gemeinde in Rom: "Ich ermahne
euch, meine Brüder, auf die
acht zu geben, die in Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt, Spaltung
und Verwirrung verursachen: Haltet euch von ihnen fern! Denn diese Leute
dienen nicht Christus, unserem Herrn, sondern ihrem
Bauch, und sie verführen durch ihre schönen
und gewandten Reden das Herz der Arglosen".
(Römerbrief, Kapitel 16, Verse 17
und 18.) |
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