|
SOG-Papiere 04/7
Die deutschen
Bischöfe am Grabe
Erst seit dem Entschluß zur Heidenmission
wurde aus der jüdischen Sekte der Jesusanhänger die Kirche Christi. Mission,
d.h. Zeugnis vom Glauben an den Gott des Evangeliums, gehört ohne Zweifel
wesentlich zum Christentum. Jedoch hat dieses Wort, erst recht das Adjektiv
missionarisch, kaum noch einen guten Klang. Grund dafür ist nicht nur die
Korrumpierung der Mission in der Vergangenheit, wo sie neokolonialistische
Zügen annahm, sondern auch der Sprachgebrauch, der unter
"missionarisch" meist blindes Eiferertum versteht.
Deshalb haben sich die deutschen Bischöfe mit
dem Thema Großes vorgenommen. Vor allem haben sie "Deutschland als
Missionsland" vor Augen, welche sie diesmal (etwas) weiter als gewohnt
öffnen, da sie die Probleme nicht unerwähnt bleiben lassen. Jedoch schießen
oder blicken sie zu kurz und zwar erheblich, wie der folgende Beitrag
hervorhebt. Während sich sonst für die Herren alles um die Kirche dreht,
denken sie hier anscheinened vorwiegend an die einzelnen Gläubigen. Vergessen
ist, daß nach dem Immobilismus der Pius-Ära Johannes XXIII. einen Höhepunkt
dargestellt hat. Er hat der Kirche einen Kredit erworben, der inzwischen weithin
verspielt ist. Daher wirken die bischöflichen Worte letztlich reichlich
realitätsfern.
Das Image der Kirche, nicht (wie bei einem
Konsumartikel) nur eine Frage wirkungsvoller Propaganda, liegt am Boden.
Bestenfalls gibt es Heimatgemeinden, die mancherorts angesehen sind, aber die
Glaubwürdigkeit der Kirche als Großorganisation ist weithin verloren. Gründe
sind nicht nur Hypotheken der Geschichte. Vor allem den Herausforderungen der
Gegenwart erweist sich die Kirche kaum gewachsen. Beweis ist schon dieser
Hirtenbrief, der - gesellschaftlich gesehen - das Thema im quasi luftleeren Raum
ansiedelt. Daß der Kapitalismus nicht nur die Wirtschaft sondern längst alle
Lebensbereiche kontaminiert, dieses Problem überläßt man den Feuilletonisten.
Ganz zu schweigen von der Tatsache, daß sich die offizielle Kirche oft genug
selbst im Wege steht. Die Hierarchen mosern zwar ständig, die meisten
innerkirchlich angeprangerten Mißstände beträfen oft nur strukturelle
Aspekte. Aber warum diese Relikte der Vergangenheit mit Ewigkeitsrang bedacht
werden, davon schweigt man und übersieht, daß so auch jede Berufung auf das
Evangelium diskreditiert wird. Die Bischöfe scheuen sich in diesem Fall zwar
nicht, von Freiheit zu reden und: die Kirche solle evangelisiert werden. Aber
letzten Endes bleibt alles beim alten. Es gehört deshalb keine besondere
Begabung dazu, vorauszusehen, daß der ganze Aufwand verpuffen wird.
Das
Missionsland der Bischöfe
"Das Christentum ist ...(in Deutschland)
zwar kulturell weiterhin präsent, aber bei vielen nicht mehr im Herzen
lebendig. Wir sind dabei, unser kostbarstes Erbe zu verschleudern: Gott zu
kennen, wie Jesus Christus ihn uns bekannt gemacht hat." Also eine schlimme
Situation! Aber Gott sei es gedankt: "Umbruchzeiten sind Gnadenzeiten...
Gott selbst ist es, der unsere Verhältnisse gründlich aufmischt..." Nach
dieser nicht einleuchtend begründeten Behauptung ist es klar: "wir sehen
uns dadurch ermutigt," nämlich die am Grab des heiligen Bonifatius
versammelten Bischöfe. ....sicher, "es gelingt uns ja oft in der eigenen
Familie nicht, bei den Kindern oder Enkeln den Glauben wach zu halten," und
natürlich sollen wir auch kritische Stimmen nicht abwiegeln. Jedoch
"der" kirchliche "Betrieb läuft aber ohne Ausstrahlung!"
Tatsache ist: "Die schärfsten Anfechtungen kommen von innen, nicht von
außen. Darum kann die Erneuerung nur von innen ausgehen."
Damit haben die deutschen Bischöfe in Ihrem
Hirtenbrief anlässlich des Bonifatius Jubiläums vom 21. September 2004 den ‚punctus
cnactus' erreicht: "Das Geheimnis unserer Mission liegt in einem
überzeugenden christlichen Leben. Die Lebensgestaltung aus der Kraft des
Heiligen Geistes." Der vielzitierte Religionslehrer, die Eltern, "die
mit dem Kind abends an der Bettkante beten" usw. usw. "Die Kunst des
missionarischen Handelns besteht darin, von Herzen zum Glauben einzuladen und
dabei nicht zu unterschlagen, dass es um Heil und Unheil geht." Das
erinnert an: Rette deine Seele!
Wie gehabt und, wie ich es seit 50 Jahren
kenne: eine individualistische Ethik. Der Einzelne ist gefragt, nur er allein.
Kein Verweis auf die Gemeinschaft, die Gemeinde. Das ist ja auch schwierig, wenn
man gerade dabei ist, die Reste von lebendiger Gemeinde wegzupastoralisieren.
Die Kirche, der gehorsam zu sein, sonst oberstes Ziel jeder kirchlichen
Verlautbarung aus Rom und aus Fulda ist, spielt nur eine Rolle am Rande, als
Ziel des "mutigen" Aufbruchs, wie es uns ja schon Bonifatius vor
Jahrhunderten gezeigt hat, denn "er suchte immer neu die Einheit mit dem
Papst." Eine Erneuerung also, wie sie uns die Neokatechumenen, oder das
Opus Dei unnachahmlich konservativ-reaktionär vorleben. Wie es auch die
Charismatiker in der Nachfolge der protestantischen Pfingstbewegung aus den
Vereinigten Staaten, individualistisch vom Heiligen Geist entflammt, gläubig
vormachen.
Alfred Delp erhoffte sich 1941, als er das Wort
vom Missionsland formulierte, kaum eine solche Kirche. Wo bleibt die
Bereitschaft, den Gläubigen Mündigkeit zuzugestehen und so auf eine aktuelle
Weise kirchliche Gemeinschaft zu leben? Genügt es, die Verantwortung allein auf
die einzelnen Gläubigen abzuwälzen? Ich empfinde diese Art, mit christlichen
Laien umzugehen, so als eine Unverschämtheit.
Friedrich Engels
Die SOG-Papiere, Informationsdienst der AGP,
sind eine Beilage zu "imprimatur", 54295 Trier, Ludwig-Simon-Str. 26
AGP-Büro: 59071 Hamm, Soester Str. 165, Ruf (02381)880499, Fax 880431; m.krystofiak@t-online.de
Redaktion: Edgar Utsch, 45888 Gelsenkirchen, Siegfriedstr. 6, Ruf (0209)23736,
Fax 1479680; edgar.utsch@t-online.de
und Carl-Peter Klusmann, 44137 Dortmund, Dudenstr. 9, Ruf (0231)147303, Fax
2866505; cp.klusmann@dokom.net
|