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Publik-Forum Nr. 7/2006, S. 71: Selbst konservative Katholiken in
Regensburg betonen: Die Entscheidung des Bischofs
Gerhard Ludwig Müller, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken Finanzmittel
zu entziehen, sei eine eigenmächtige Aktion gewesen. Sie war nicht mit dem
Vatikan abgesprochen. Auch in der Umgebung des Papstes sei man keineswegs über
diese Maßnahme begeistert, die viel zu viel Unruhe im deutschen Katholizismus
stifte. In der derzeitigen gesellschaftlichen Lage sei eine Schwächung des
Verbandskatholizismus mit seinem Laienapostolat nicht erwünscht. Aber Rom ist
manchmal auch erfinderisch: Jedenfalls gibt es Signale aus dem Vatikan, die
besagen: Zur Befriedung des Regensburger Konflikts denke man an eine
Beförderung von Bischof Müller in den diplomatischen Dienst. Er könnte
Nuntius in Lateinamerika im Rang eines Erzbischofs werden. Das würde ihm
helfen, das Gesicht zu wahren, und die Lage im deutschen Katholizismus zu
entspannen. Gleichzeitig hätte diese Ernennung des sozial leidenschaftlich
engagierten Befreiungstheologen Müller auch in Lateinamerika Vorteile. Mit
Müllers Ernennung als Nuntius für Bolivien, Chile, Peru oder Venezuela könnte
der Vatikan konservative Wirtschaftskreise beruhigen, die durch die Wahlsiege
sozialdemokratisch orientierter Präsidenten verunsichert sind. Die Verbindungen
des kolonialen konservativen Christentums in Lateinamerika zur deutschen
Exportwirtschaft würden damit gestärkt und der
marxistisch-befreiungstheologische Einfluss in Lateinamerika zurückgedrängt.
Als Kenner der säkularen Traditionen Europas könnte sich Müller sogar ein
neues Image als Vermittler aufbauen. Außerdem wäre er als Nuntius stärker an
Weisungen aus dem Vatikan gebunden. |
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