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Neuer Tag, 15.12.2004
Sex ist
Ehepaaren vorbehalten
Diskussion mit Bischof Gerhard
Ludwig: Augustinus-Abiturienten lassen kein heißes Eisen aus
Weiden. (kä) Vorne steht Bischof Dr.
Gerhard Ludwig Müller, früher Professor für Dogmatik. Ihm gegenüber
sitzen gut 50 Abiturienten des Augustinus-Gymnasiums, alle um die 18 Jahre
jung. Sie lassen kein heißes Eisen aus. Sexualität vor der Ehe,
Homosexualität, Zölibat, Kondome. "Was halten Sie davon?"
Auf ein klares Ja oder Nein warten die
Schüler der 13. Klasse vergeblich. Der Bischof holt weit aus, steuert zu
jedem Thema historische und theologische Facetten bei. "Er spricht in
Rätseln", raunt ein Schüler. "Er redet um den heißen
Brei", meint die 18-jährige Sonja Poschenrieder. Man könnte auch
sagen: Er bleibt sich treu. Zu keiner Minute weicht der erste Mann der
Diözese von seinen Ansichten ab, noch weicht er sie auf, um zu gefallen.
Sex nur in der Ehe
Die "volle leibliche Hingabe" behält er Ehepaaren vor,
selbst wenn die Kirche mit dieser Ansicht gegen den Strom schwimme.
Sexualität nur dem Lustprinzip folgend, schade der seelischen
Entwicklung. "Das Endgültige der Ehe kann man nicht vorweg
probieren." Zum Thema Homosexualität weist er daraufhin, "dass
die sexuelle Ausrichtung des Mannes natürlicherweise auf die Frau
hingeht": "Es ergibt sich als christliches Menschenbild die
Grundorientierung an der Ehe." Der Bischof macht sich beim liberalen
Jungvolk nicht unbedingt beliebt.
Christian Liegl stellt die nächste
Frage: "Sind denn Kondome erlaubt? Was ist mit Afrika und AIDS?"
Auch hier hat der Oberhirte seine eigenen Ansichten. Er sei in Kontakt mit
Ordensleuten in Afrika. "Die sagen, es sei eine schöne
Propagandageschichte von UNO und Unesco, dass mit Kondomen die Probleme
gelöst würden." Mehr Erfolg hätten Programme zur Stabilisierung
der Familien. Ziel: die Eindämmung sexueller Freizügigkeit, dafür
persönliche Treue in der Ehe.
Auch Bischof hat Familie
Schülerin Sibylle Suckart zweifelt, dass ein unverheirateter Pfarrer
einen guten Berater für Familien abgibt. Das lässt Bischof Müller nicht
so auf sich sitzen: "Zumindest stamme ich ja aus einer Ehe und
Familie. Ich bin 17 Mal Onkel. Da weiß man schon einiges." Außerdem
sei ein Priester nicht in erster Linie Eheberater. Dafür gebe es
kompetente Stellen der Kirche.
"Ist Islam für Sie eine
Bedrohung?" fragt Christoph Leonhardt. Immerhin werde im Koran zum
Kampf aufgerufen. Der Bischof warnt: "Wir haben im Alten Testament
auch Stellen, in denen Gott als Krieger vorkommt und aufgerufen wird, die
Feinde Israels zu töten." Ob Allah oder Gott: "Man kann den
Glauben nicht mit Töten vereinbaren." In der pluralistischen
Gesellschaft Deutschlands müsse es möglich sein, mit Menschen anderen
Glaubens friedlich zusammenzuleben, "auf dem Boden unseres
Grundgesetzes".
Schüler Philipp Sperber hat den letzten
Hirtenbrief gelesen: "Das kam so rüber, dass nur der ein guter
Christ ist, der die Eucharistie besucht? Und wenn ich daheimbleibe und
trotzdem glaube?" Für den Oberhirten gehört die Eucharistie zum
Christsein "wie die zwei Seiten einer Münze". Es sei wichtig,
sich am Sonntag als Gemeinschaft der Gläubigen zu versammeln: "Tut
dies zu meinem Gedächtnis". Es reiche eben nicht, "gerade noch
so n' bisschen christlich" zu sein. "Nur wer überzeugt ist,
kann überzeugen. Nur eine Kerze, die brennt, kann leuchten."
"Streit ist Demokratie"
Der Bischof verabschiedet sich nach einstündiger Diskussion.
"Streit ist Demokratie", resümmiert Schüler Christian Liegl
versöhnlich. Die Diskussion sei allemal interessant gewesen, findet Sonja
Poschenrieder, die sich "ein bisschen mehr Weltbezug" gewünscht
hätte. Mit seinen Ansichten zu Sexualität vor der Ehe kommt der Bischof
nach Ansicht einer Abiturientin ohnehin zu spät: "Da ist wohl unser
ganzer Jahrgang schon verloren."
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