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"Deus Caritas est" - Stellungnahme zur 1. Papstenzyklika von Willibald Glas

Mir ist, als hörte ich in der ersten Enzyklika von Papst Benedikt wieder unseren hoch verehrten Dr. Angermair sprechen, der zuerst für den Aufbau des deutschen Caritasverbandes tätig war und dann Professor für katholische Moraltheologie auf dem Domberg zu Freising wurde. Von ihm erfuhr damals nicht nur ich, sondern auch Joseph Ratzinger, dass die Spiritualität eine erotische Dimension habe, in der sich sogar Gott erahnen ließe. Ich erinnere mich noch gut, dass wir als Teilnehmer des moraltheologischen Seminars Professor Angermair wiederholt gebeten hatten, seine Vorlesungen zu veröffentlichen, wozu er aber auf keinen Fall bereit war. Wir Studenten konnten das damals nicht verstehen. Inzwischen wissen wir warum.

Denn nur ein Papst kann es sich leisten, über das Befreiende im Glauben zu reden und alles Einengende wortlos zu übergehen. Jeder andere müsste dafür büßen, wenn er das Einengende in der Kirche zur Sprache brächte, er würde sofort seines Amtes enthoben, er würde suspendiert und exkommuniziert, ein Trauerspiel, das Ratzinger über viele Jahre hindurch persönlich inszeniert hatte. Ratzinger will auch als Papst nicht belehren, sondern wieder einmal nur glänzen und sich einen Namen machen, und das auf Kosten nicht nur seiner Kirche, sondern auf Kosten der gesamten Christenheit. Nur deshalb übergeht und verschweigt der Papst aus Bayern seine um weitere drei Artikel „Erweiterte Professio Fidei“, die er als oberster Glaubenshüter 1989 dem üblichen Glaubensbekenntnis angefügt hatte, und die seither für die ganze katholische Kirche verbindlich ist. Dort heißt es unter anderem:

„Außerdem hange ich mit religiösem Gehorsam des Willens und des Verstandes den Lehren des Papst an; nämlich so, dass sein oberstes Lehramt ehrfürchtig anerkannt und den von ihm vorgetragenen Urteilen aufrichtige Anhänglichkeit gezollt wird.“ Dieser "Gehorsam des Verstandes" ist m. E. ein ganz besonderes Problem. Es fragt sich nämlich, ob dieser Gehorsam des Verstandes gegen das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit verstößt, die im Artikel 2 des Grundgesetzes als unmittelbar geltendes Grundrecht geschützt wird.

Gegen Ende des Konzils hatte Ratzinger noch ganz anders geschrieben, wie in seinem Artikel „Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie“ zu lesen ist. Dieser Beitrag Ratzingers ist erschienen in „Wer ist das eigentlich - Gott?“, herausgegeben von Hans Jürgen Schultz, Kösel-Verlag München, 1969. Sein weltoffenes und modernes Denken hatte viele dazu ermutigt, den angelernten Glauben offen zu hinterfragen, was nicht ohne Folgen geblieben ist.

Mit Ausnahme religiöser Fanatiker leidet nämlich die gesamte Priesterschaft mehr oder weniger an diesem Papst, weil die Priester gegen ihre innerste Überzeugung predigen müssen, was wissenschaftlich längst unhaltbar geworden ist.

Dr. Walter Friedberger, der seit dem 1. September 1970 die Leitung der Priester-Fortbildung auf dem Domberg zu Freising inne hatte, und sich über 20 Jahre hindurch die Berichte und Klagen der Priester anzuhören hatte, sah sich dann endlich gezwungen, Kardinal Wetter auf eine ganze Reihe von Unerträglich-keiten in der Priesterschaft aufmerksam zu machen.

In diesem ausführlichen Dokument Friedbergers heißt es: „Fast alle drückt der Schuh". „Fast alle haben sich wund gerieben an der Kirche". „So richtig gebeutelt hat die Priester die Drewermann-Diskussion". Er berichtet weiter über „die Erkrankung eines ganzen Berufstandes und einer ganzen Leitungsschicht der Kirche durch Übermüdung, Resignation, Defätismus und Zukunftsarmut." Er stellt weiter fest: „Das Amt deprimiert die Ausübenden, weil sie nicht genügend sicher sind, wie weit die Sache (mit Jesus, der Bibel und dem Priestertum) stimmt, die sie vertreten. Sie müssen ständig von Absolutheiten sprechen, deren wissenschaftliche Garantierung nicht mehr funktioniert. Die Priester erleben sich als fragwürdige Agenten einer früheren Kultur in einer modernen Welt“ (Jahresbericht 1990/91 Theologische Fortbildung Freising).

Auch die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ fragt mit Recht: Gilt Gottes Liebe auch in der katholischen Kirche? Dürfen die Gläubigen von ihrem Papst in Zukunft statt lauter Ge- und Verbote endlich auch auf echte Mitmenschlichkeit und Liebe hoffen? Meine Antwort wäre ein glattes Nein.

Willibald Glas
Ringbergstr.71
82054 Sauerlach
GlasWilli@aol.com

 

 


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