Ergebenheitsadressen an den Papst gegen angeblich "bösartige Unterstellungen"
Hermann Wolfgang Dettenkofer

Die M-hoch-vier Bischöfe und andere Devote überbieten sich in Ergebenheitsadressen an Benedikt, weil sie ja schließlich alle selber ein wenig Papst sind.
Ich fürchte, sie haben nicht kapiert, warum in nimmer enden wollenden Listen haupt- und ehrenamtliche Katholiken die Petition unterschreiben, dass dieser Papst nicht hinter das 2. Vatikanische Konzil zurück kann. Er hat es meiner Wahrnehmung nach bereits getan, nicht mit Worten, sondern mit Taten, nicht im Verstand, aber im Gefühl.

- Wer die Kollegialität der Bischöfe so versteht, dass der Vatikan sie in gar nichts zu fragen braucht, der hat eine der wertvollsten Aussagen dieses Konzils zur Makulatur erklärt. Das schlimmste dran: diese Bischöfe entschuldigen mit vatikanischer Schlamperei und undurchsichtiger Bürokratie, was da mit einem Holocaustleugner und den falschen Pius-Brüdern passiert ist. Und dabei übersehen sie geflissentlich und fast peinlich ihre eigene Entmündigung.
- Wenn ich bei Papst-Event-Übertragungen ins Fernsehen schaue, dann sehe ich, wie Benedikt Kommunion austeilt: nur mehr Knienden die Hostie in die Münder von Unmündigen schiebt, wie er "das Opfer Christi" mit dem Rücken zum Volk darbringt, ganz so wie es die Sektierer und Konzilsquerulanten in einer überwunden geglaubten Theologie unversöhnlich und rigide verlangen.
- Mit der deutschen Kirche hat er scheinbar in "Gschaftlhuber" - pardon - gewesenem MMC-Generalpräses Heinrich Wachter, und dem senil nach einem Happen vom Ruhm hechelnden Bruder Georg, bisweilen auch noch Ritterordens-Komturdame mit Stern, Gloria, fromm gewordene Thurn- und Taxis'sche Oberpostmeisterswitwe, die wichtigsten und einflussreichsten Informanten.

Was hat dieser Papst seit dem 19.04.2005 Neues gebracht? Nun, seine beiden Enzykliken, so sagte mir vor kurzem der ehemaligen Caritasdirektor und jetzige Priesterseelsorger, wären wegweisend in die Zukunft. Für die Zukunft der Kirche vor Ort bei uns oder in Südamerika gewiss nicht. "Nichts als schöne Worte!" kann ich nur einwenden. Die Liebe erschöpft sich leider nur in leeren Worten. Da kann ich nur sagen wie Piroschka: "Liebe, nicht sagen, Andi, Liebe tun!"

Er beantwortet Fragen, die niemand gestellt hat, und auf die Frage der Menschen von heute weiß er keine Antwort, ja die nimmt er absolut nicht mehr wahr, weil er wie Dornröschen in einen hundertjährigen Schlaf hinter seiner Rosenhecke träumt von den nur wenigen auserwählten Guten.

Ich hätte mir erwartet, dass er abklärt, warum er als 78-Jähriger sich dieses Amt noch angetan hat. Gibt es noch andere Gründe als die pure Angst, dass sich in der Kirche etwas ändern könnte, und dies dann gegen seine im Grunde pessimistische Gemütsverfassung gehen könnte? Wäre es nicht längst an der Zeit - eine Konzession an den damaligen Konservator Ottaviani, als man den über 80-Jährigen das Papstwahlrecht nahm - zu erklären, wann auch ein Papst abzutreten hat? Warum kann er sich kein Limit setzen?

Ich hätte mir erwartet, dass er all das nicht verleugnet und verdrängt, was er als junger Starprofessor einst von sich gegeben hat: Über das Amt in der Kirche müsste neu nachgedacht werden, Priesterweihe von bewährten, verheirateten Männern würde es einmal geben.

Wenn schon Sektierer "aus reiner väterlicher Güte" in die Kirche heimgeholt werden, warum nicht auch die abertausende Priester, die wegen des biblischen Rechts auf Ehe aus dem Dienst gedrängt wurden? Und soll die im Grunde ‚tumbe' Gloria die einzige Frauenfigur sein, der er Ehre erweist?

Kein Papst hat die seit 1870 immerzu wuchernde "Päpstliche Unfehlbarkeit" und den überforderten römischen Zentralismus so sehr kompromittiert und ad Absurdum geführt wie Benedikt, der möglicherweise in die Papstgeschichte als einer der schwächsten, der letzte "Unfehlbare" eingehen wird (Horst Herrmann). Darüber hat er mit seinem einstigen Kollegen Hans Küng in Castel Gandolfo wohl kein Wort verloren, nur Nettigkeiten haben sie ausgetauscht. Wozu eigentlich? Man fragt sich, in welches Fettnäpfchen er als nächstes treten wird, wenn ihn der smarte Giorgio nicht davor bewahrt.

"Ich möchte einfach die Menschen im Glauben bestärken, darin, dass wir auch gerade heute Gott brauchen. Wir brauchen eine Orientierung, die unserem Leben eine Richtung gibt. Man sieht, dass ein Leben ohne Orientierungspunkte, ohne Gott nicht gelingt: Es bleibt leer." (Wie recht er auch für sich selber hat, der Papst, der auch ein Mariazeller ist)

Herr Papst, sie gehen mir zu weit, wenn Sie glauben, über Gott verfügen zu können in dem, was er heute darf und nicht darf. Stellvertreter Gottes auf Erden, ist das nicht doch ein wenig vermessen und gotteslästerlich? Angesichts dessen beginne ich Verständnis dafür aufzubringen, wenn da welche aus Protest und wahrer Gottesfurcht ihre Zuflucht zur Gottunmittelbarkeit nehmen.

Was aber, wenn der Petrusnachfolger in die falsche Richtung geht, nämlich kleingläubig rückwärts in die Vergangenheit? Sie haben wohl vergessen, dass schon Petrus vom Herrn getadelt werden musste: "Als Petrus aber die hohen Wellen sah, erschrak er, und im selben Augenblick begann er zu sinken. ‚Herr, hilf mir!', schrie er. Jesus streckte ihm die Hand entgegen, ergriff ihn und sagte: 'Hast du so wenig Glauben, Petrus?' (Mt 14,30f) 
Sie werden  mir jetzt doch nicht sagen wollen, das sei eine spätere Einfügung.

Hermann Wolfgang Dettenkofer, Bad Endorf
(Mitglied bei AKR und Wir-sind-Kirche, wenn es denn eine Mitgliedschaft dort gibt.)

Fußnote: 
"Wir-sind-Kirche ist eine sexistische Gruppierung, aber mein Bruder ist zu klug, um dies auch laut so zu sagen!" Original-Ton Georg Ratzinger.

 

 


Mail an den AKR