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Mittelbayerische Zeitung 16.11.2004

Dom-Umbau bringt Zündstoff
Symposion diskutiert den Umgang mit Denkmälern im Wandel der Zeit

REGENSBURG (el). Keine andere mittelalterliche Stadt nördlich der Alpen hat die Jahrhunderte so intakt überdauert wie Regensburg. Und in kaum einer anderen Stadt besetzt die Denkmalpflege im Bürgerbewusstsein einen so verteidigten Platz wie hier. Das Herbstsymposion (19. bis 21. November) richtet den Scheinwerfer ein Wochenende lang auf die Tradition der Denkmalpflege in Regensburg und der Region, setzt die frühen Bewahrer in Szene, leuchtet aus, wie die Stadt noch zu königlich-regierten Zeiten ihr Herz für das gebaute Erbe entdeckte - und wie sie heute mit ihrer Verantwortung für ein künftiges Weltkulturerbe umgeht.

Kritik an Umbau im St. Peter

Das Titelbild des Faltblatts (entworfen von Künstlerin Gisela Conrad) steht programmatisch für das Symposion. Der Dom, mit der Steinernen Brücke ein unübertroffenes Beispiel für Regensburger Mut, Reichtum, künstlerische und architektonische Kompetenz, ist in seiner heutigen Gestalt zu sehen, samt Turmgerüst. "Wider die Vergänglichkeit": Der eher fade Titel des Kongresses gewinnt beim Blättern im Programm Profil. Mit Dr. Richard Strobel spricht am Samstag ein entschiedener Kritiker der jüngsten Umbauten im Dom. Sein Kurz-Referat dürfte für Zündstoff sorgen. In einem viel beachteten Beitrag für die Frankfurter Allgemeine hatte Strobel "Verunstaltungen" des Doms unter Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller gegeißelt und dabei auch die Landesdenkmalpfleger angegriffen.

Gotik am Bau der 1950er

Das Bewusstsein für Wert und Identifikationskraft von Denkmälern blühte im 19. Jahrhundert auf. In Regensburg gründete sich 1830 der Historische Verein für Oberpfalz und Regensburg. Vier Jahre später, 1834, restaurierte Friedrich von Gärtner, Bayerns erster Denkmalpfleger, in Regensburg den Dom - im Auftrag von König Ludwig I., der die Liebe zu Geschichte und Heimat aus politischem Kalkül anfachte. Am Dom lässt sich das gewandelte Verständnis der Denkmalpflege festmachen. Vor 200 Jahren bedeutete seine Restaurierung in weiten Teilen eine Purifizierung; alle Zeugnisse, die die Kathedrale nach der Gotik erhalten hatte, inklusive der prachtvollen Barock-Kuppel, wurden getilgt, ein Stück Baugeschichte ausgelöscht.

Für viele Denkmäler kam das neue Bewusstsein zu spät. Die Augustiner-Eremitenkirche mit Altdorfers Grabmal am Neupfarrplatz und das St. Peterstor gehören zu den unersetzlichen Verlusten des 19. Jahrhunderts. Später litten historische Häuser unter einer Denkmalpflege, die noch sehr frei und unbefangen mit Jahrhunderte alter Substanz umging. Der Herzogssaal, der in den späten 1930ern allerhand fremde Versatzstücke erhielt, ist nur ein Beispiel. Ein zweites: Wer die Rote-Hahnen-Gasse in Richtung Bachgasse entlang geht und am Rückgebäude von Pustet nach oben schaut, staunt über ein gotisches Doppelbogenfenster. Das originale Biforium wurde sozusagen in freier Assoziation einem Gebäude eingepflanzt, das in den 1950er entstand und für viele ein Symbol der Fortschrittlichkeit war.

 

 

 


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