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Wochenblatt -  10.11.2004

Experten-Streit: Dom soll nicht zur zweiten Stadthalle werden
Scharfe Kritik an Umbau-Maßnahmen in der gotischen Perle Regensburgs

Von Christian Eckl

Im Schatten des Doms ist ein heftiger Streit zwischen Experten entbrannt, der sich so zusammen fassen lässt: Ist der Dom ein Museum, dessen Inneres nicht verändert werden darf? Oder ist er ein lebendiger Kirchenraum, in der sich auch ein Wandel der Liturgie im Denkmal niederschlagen kann? Auf der einen Seite steht der ehemalige Regensburger Denkmalpfleger Richard Strobel. Auf der anderen Seite die Kirche als Nutzer, das Hochbauamt als Vertreter des Eigentümers Freistaat und die Denkmalpflege als Fachbehörde. Begonnen hat die Debatte so: Der renommierte Denkmalpfleger Dr. Richard Strobel hatte in der Frankfurter Allgemeinen den Vorwurf erhoben, eine nie dagewesene Bauwut im Dom sei entfacht; all dies nur, so Strobel, damit der Regensburger Bischof "Duftmarken setzen kann". Man habe für die Sailer-Kapelle ein Gitter aufgestellt, das einem Gartenzaun ähnlich sei, und dadurch den freien Blick des Eintretenden auf den Geburt Christi-Altar durch einen "steinernen Klotz", einen Altarstein, zerstört.

"Man findet für fast alles ein Papstwort"

"Ganz im Gegenteil", lautet die einhellige Meinung der Verantwortlichen. Den Vorwurf gegen den Bischof wehrt Generalvikar Wilhelm Gegenfurtner ab: "Hier ist der Regensburger Bischof eindeutig ein Reformer. Er setzt das zweite Vaticanum um". Und auch die neue bauliche Substanz wird verteidigt: "Durch das hinzugefügte Gitter hat man eben immer noch den freien Blick auf den Altar", so Harald Gieß vom Landesamt für Denkmalpflege. Bis zur Entbarockisierung unter Ludwig l. im 19. Jahrhundert waren die Seitenaltäre mit noch viel größeren und wuchtigeren Gittern bestückt. "Wir haben uns für den Vorschlag eines Künstlers entschieden, weil dieser sich in die bestehende historische Substanz einfügt, ohne sie zu zerstören", sagt Hans Weber vom Hochbauamt. Ein Andachtsraum wurde geschaffen, der den Bedürfnissen der Kirche entgegen komme.

Harsche Kritik von Denkmalpfleger Strobel auch an den Plänen, eine zusätzliche Kirchenorgel anzuschaffen - die bisherige ist nicht sichtbar hinter dem Hochaltar. "Das widerspricht sogar dem päpstlichen Wort von Pius X. aus dem Jahr 1905", sagt Strobel, "wonach der Chorgesang im Vordergrund, die Orgelmusik im Hintergrund sein soll". Da wolle man wohl den Domspatzen die Schau stehlen, polemisiert er. "Man findet für alles ein Papstwort", wehrt die Kirche ab. "Wir haben Gottesdienste mit 2.000 bis 4.000 Besuchern, das schafft die Kirchenorgel nicht, sagt Domprobst Gegenfurtner.

"Bisher sind sechs Pläne eingereicht, keiner davon ist so umsetzbar", sagt auch Harald Gieß von der Denkmalpflege. Die einzige Stelle, an der die möglicherweise bis zu 35 Tonnen wiegende Orgel verwirklicht werden könnte, ist die Wand vor dem romanischen Eselsturm, über dem Albertus Magnus-Altar. Dort aber ist ein wertvoller Christopherus angebracht, der - soviel ist klar - versetzt werden müsste. Denkmalpfleger Strobel fürchtet, dass man so die gesamte Ikonographie - also die Bildsprache des Domes - verändern würde. Ein Plan könnte so aussehen, dass die Orgel frei über dem Baldachin-Altar schwebt und an acht Befestigungen von der Decke aus angebracht ist. "Ein absolutes Unding, das den Altar völlig überdecken würde", sagt Strobel.

"Wir machen das nicht im stillen Kämmerlein"

In der Tat sieht auch das Landesamt hier ein Problem. Die Orgel wurde zur Chefsache. Der ehemalige Regensburger Kulturreferent und heutige Landesamtsleiter Dr. Egon Greipl ist zwischenzeitlich involviert. Es läuft eine Machbarkeitsstudie, "mit offenem Ergebnis", so Gieß.

Die Befürchtung des Kritikers, die Umbau-Pläne würden im stillen Kämmerchen ausgeknobelt, wehren die drei Verantwortlichen ab: "Es gibt ein sehr vertrauensvolles Verhältnis", so Gegenfurtner, "zwischen Kirche, Hochbauamt und Denkmalpflege". Und der Denkmalpfleger bemüht ein politisches Beispiel: "Es liegen ja noch gar keine konkreten Pläne auf dem Tisch." Wenn man die neue Orgel so kontrovers diskutieren würde wie die Stadthalle, käme man zu gleichen Ergebnissen: Eine Diskussion, die zu nichts führe. Und die Frage sei doch die: Gestalten auch wir den Dom, so wie es die Menschen vor uns gemacht haben?

 

 

 


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