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(DER STANDARD Printausgabe 22.9.2004)

Chronologie der Ära Krenn

Aufregung seit seiner Berufung zum Wiener Weihbischof 1987

Wien/St. Pölten - Kurt Krenn sorgte seit seiner Berufung zum Wiener Weihbischof im Jahr 1987 für Aufregung. Sein Hang zum markigen Sager hat ihn wiederholt in den Mittelpunkt öffentlicher Aufregung gerückt. Seit seiner Versetzung nach St. Pölten 1991 sorgte zunehmend auch sein pastorales Wirken für Kritik. 
Die wichtigsten Stationen dieser "unendliche Geschichte" der österreichischen Kirche in chronologischer Reihenfolge:

26. April 1987 
Kurt Krenn wird in Wien zum Weihbischof geweiht. Aus Protest gegen den konservativen Theologen versperren ihm Demonstranten den Zugang zum Stephansdom.

9. Juli 1991 
Krenn wird als Nachfolger von Franz Zak zum Bischof von St. Pölten ernannt. Der Widerstand formiert sich im Solidaritätskreis "Weg der Hoffnung".

14. Sept. 1991 
Am Tag vor Krenns Amtseinführung protestieren mehr als 3.000 Gläubige gegen ihren neuen Bischof. Die Amtseinführung selbst, am 15. September, verläuft ohne Proteste. Den ersten Konflikt in seinem neuen Wirkungsbereich löst Krenn mit der Ankündigung aus, künftig keine Ministrantinnen mehr zulassen zu wollen.

8. Jänner 1992 
Der "Weg der Hoffnung" wirft Krenn die Verschwendung von diözesanen Geldern bei der Sanierung seiner Amtsräume und für eine Zweitwohnung in Wien vor. Krenn weist die Vorwürfe zurück und droht dem Pfarrer von Paudorf, P. Udo Fischer, erstmals mit der Amtsenthebung.

6. Juni 1993 
Wegen unüberbrückbarer Differenzen legt der St. Pöltner Dompfarrer Johannes Oppolzer sein Amt zurück.

7. Juni 1993 
Am "Runden Tisch" des ORF sagt Krenn: Bevor er über die Richtigkeit seines Weges nachdenke, "müsste eher der liebe Gott abdanken".

20. Juni 1993 
In St. Pölten protestieren mehr als 7.000 Gläubige für Oppolzer und gegen Bischof Krenn.

7. März 1995 
Ein lange schwelender Dauerkonflikt endet mit einem Knalleffekt: Dem Direktor des religionspädagogischen Instituts, Franz Schmatz, wird die Lehrbefugnis entzogen. Der Hauptkonfliktpunkt: Die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten.

11. April 1995 
Am Höhepunkt der Causa Groer profiliert sich Krenn als eifrigster Verteidiger des Kardinals: "Ich werde Groer meine Unterstützung nie versagen." Die Vorwürfe gegen Groer bezeichnet er als "Hollabrunner Lausbubengeschichten".

29. Juni 1995 
Zum Abschluss des Kirchenvolks-Begehrens meint Krenn: "Unser Volk hat schon einmal in sehr großer Mehrheit geirrt." Einen Vergleich mit der "Volksabstimmung" beim Anschluss 1938 will er damit aber nicht gezogen haben.

17. Dez. 1997 
Überraschend wir das Programm für den dritten Papstbesuch noch einmal geändert: Statt im Stift Geras wird Johannes Paul II. in der Landeshauptstadt St. Pölten Station machen.

28. Jän. 1998 
Unter Beteiligung von FPÖ-Klubchef Ewald Stadler konstituiert sich der erzkonservative "Club Österreichischer Katholiken", der sich als Verteidiger von Groer und Krenn in der Öffentlichkeit hervortut.

18. Feb. 1998 
Krenn enthebt P. Udo seines Amtes als Pfarrer von Paudorf. Rechtlich schafft er damit eine Pattstellung: Paudorf ist eine Stiftspfarre; bei der Ernennung des Pfarrers ist Krenn daher an den Vorschlag des Göttweiger Abtes Clemens Lashofer gebunden. Und dieser schlägt wiederum P. Udo vor. Für den Verbleib Fischers werden mehr als 170.000 Unterschriften gesammelt.

27. Feb. 1998 
In einer gemeinsamen Erklärung bekunden die Bischöfe Weber, Schönborn, Eder und Kapellari ihre "moralische Gewissheit", dass die Vorwürfe gegen Groer "im Wesentlichen" zutreffen. Krenn schließt sich dem ausdrücklich nicht an.

27. März 1998 
Die mit Rom akkordierte Bitte an Groer, keine bischöflichen Handlungen wie Firmungen mehr vorzunehmen, gilt nach Aussagen Krenns nicht für die Diözese St. Pölten.

18. April 1998 
Im "profil" meint Krenn zu den Opfern Groers: "Ich glaube nicht, dass jemand in etwas involviert ist, ohne auch selber ein Sünder zu sein."

20. Juni 1998 
Beim Papstbesuch in St. Pölten tut sich Krenn damit hervor, dass er bei der Begrüßung auch Groer namentlich in sein Gebet einschließt.

18. Nov. 1998 
Zum Abschluss des "Ad limina "-Besuchs in Rom distanziert sich Krenn vom Fünf-Jahres-Bericht der österreichischen Bischöfe, weil er ihn nicht gekannt habe.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, ruft ihn zur Ordnung, weil dies die Unwahrheit sei. Krenn entgleist daraufhin verbal: "Mir genügt's, wenn die Lügner das Maul halten." Den Kardinal will er damit aber nicht gemeint haben.

25. Nov. 1998 
Der Abt von Stift Geras, Joachim Angerer, sieht nunmehr eine Chance, die Versetzung Krenns zu erreichen. Er will im Jänner - gemeinsam mit den anderen Äbten der Diözese St. Pölten - die zuständigen Stellen in Rom über die wahren Zustände informieren. Die Reise wird im Jänner abgesagt.

1. Dez. 1998 
Auch außerhalb der Diözese St. Pölten formiert sich die Front gegen Krenn. Sogar der Wiener Generalvikar Helmut Schüller legt ihm den Rücktritt nahe. Krenn nennt das "äußerst perfid". Auch der Apostolische Nuntius Donato Squicciarini schaltet sich ein.

3. Dez. 1998 
Krenn will zur Beruhigung beitragen und fortan schweigen - "soweit man mich lässt". Auch die Dekane der theologischen Fakultäten fordern Krenns Rücktritt.

6. Dez. 1998 
Der Abt von Stift Göttweig, Clemens Lashofer, schließt sich der Front gegen Krenn an. Mit den Worten "Das Maß ist voll" fordert er ebenfalls den Rücktritt Krenns.

9. Dez. 1998 
Die Bischofskonferenz beschäftigt sich in einer außerordentlichen Sitzung mit der Causa Krenn, kommt jedoch zu keinem Ergebnis und vertagt sich auf Jänner. Bis dahin wollen sich die Bischöfe "aller Kommentare und Äußerungen zu den strittigen Fragen" enthalten.

12. Dez. 1998 
Der Sekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Monsignore Michael Wilhelm, gibt seinen Rücktritt bekannt. Begründung: Die Ereignisse der letzten Wochen hätten ihm konstruktive Arbeit in der Bischofskonferenz unmöglich gemacht.

5. Jän. 1999 
Die Bischofskonferenz beschließt in einer Sondersitzung einhellig eine Streitbeilegung. Der Vorsitzende der Bischöfe, Kardinal Christoph Schönborn, erklärt, der Anlassfall, der Fünf-Jahres-Bericht nach Rom, sei ausführlich und offen diskutiert worden. Es seien Fehler passiert, die Bischofskonferenz halte aber die Sache einvernehmlich für abgeschlossen.

17. Okt. 1999 
Im Zuge der schwierigen Regierungsverhandlungen im Vorfeld der schwarz-blauen Wende bekundet Bischof Kurt Krenn seine Sympathie für Jörg Haider: "Ich stehe zu Leuten, die ich schätze - und ich schätze Jörg Haider."

12. Juli 2000 
Krenn erklärt den "Dialog für Österreich" für tot: "Ich bin froh, dass dieser Dialog faktisch tot ist. Es konnte ja auch gar nichts herauskommen, weil die Forderungen des Kirchenvolks-Begehrens schlicht unkatholisch sind."

14. Juli 2001 
Mit heftiger Kritik wendet sich Krenn gegen die katholische Männerbewegung, die sich für eine "kirchliche Segnung" homosexueller Paare aussprach. Krenns Forderung: die "Irrtümer zu widerrufen".

4. Sept. 2001 
Zu Beginn des neuen Studienjahres wechselt Krenn überraschend den Regens des Priesterseminars aus. Auf Franz Schrittwieser folgt Ulrich Küchl, Propst des Kollegiatstiftes Eisgarn.

29. Sept. 2001 
Nach den Terroranschlägen in den USA übt Krenn scharfe Kritik am Islam. Dieser sei geprägt von "einem gewissen Fanatismus und Nationalismus" und "widerspricht den Menschenrechten".

20. Juni 2002 
In der Diözese St. Pölten wird nach einer Weisung Roms die angekündigte Weihe eines Priesteramtskandidaten auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Weihekandidat ist Mitglied der umstrittenen Gemeinschaft vom Heiligen Josef in Kleinhain. Hintergrund: Verdacht auf pädophile Neigungen des Betreffenden.

30. Okt. 2003 
Der St. Pöltener Seminarist S. wird tot in der Alten Donau gefunden. Die kriminalistische Analyse: Tod durch Ertrinken. Fremdverschulden nicht ausgeschlossen.

10. Nov. 2003 
Der EDV-Techniker des St. Pöltener Seminars entdeckt am Gemeinschafts-PC pornografisches Material und informiert Regens Ulrich Küchl.

27. Nov. 2003 
29 Alumnen fordern Küchl schriftlich auf, den Fall "Missbrauch im Internet" dringend zu klären. 

28. Nov. 2003 
Regens Küchl leitet eine Selbstanzeige des Seminars über den Verdacht auf Zugriffe auf Kinderpornografie-Seiten an die Staatsanwaltschaft weiter. Krenn informiert die Sicherheitsdirektion NÖ. Der Computer wird beschlagnahmt.

22. Jän. 2004 
Krenn wird mit einer Sepsis, hervorgerufen durch eine Infektion, in das LKH St. Pölten eingeliefert. Der Spitalaufenthalt dauert dreieinhalb Wochen.

19. März 2004 
Tausende pornografische Bilder werden am Computer des Priesterseminars gefunden. Die Polizei St. Pölten nimmt die Ermittlungen auf.

24. Juni 2004 
Hausdurchsuchung im Seminar. Privatcomputer werden beschlagnahmt.

3. Juli 2004 
Ein Ex-Seminarist bezichtigt den Regens der Homosexualität.

5. Juli 2004 
Küchl tritt als Regens zurück. 11. Juli 2004 "profil" veröffentlicht Fotos, auf denen sich u.a. der Subregens in einem innigen Kuss mit einem Mann befindet. Subregens Wolfgang Rothe tritt zurück. Krenn spricht von "Buben-Dummheiten".

16. Juli 2004 
Die Polizei übergibt der Staatsanwaltschaft den Erhebungs-Bericht.

19. Juli 2004 
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen einen Seminaristen aus Polen wegen Besitz von Kinderpornos.

20. Juli 2004 
Papst Johannes Paul II. ernennt den Feldkircher Bischof Klaus Küng zum Apostolischen Visitator der Diözese St.Pölten. Krenn darf wichtige Entscheidungen nur mehr in Absprache mit Küng treffen.

21. Juli 2004 
Küng beginnt die Visitation.

22. Juli 2004 
Die österreichischen Bischöfe kommen in Mariazell zu einem informellen Krisentreffen zusammen. Eine Rücktrittsaufforderung an Krenn wird nicht ausgesprochen.

28. Juli 2004 
Krenn darf auf Wunsch des Papstes und des Visitators Küng keine Interviews mehr geben. Zuvor hatte sich Krenn mehrmals zu Wort gemeldet und betont, dass die Sexaffäre "keine Riesengeschichte" sei.

12. Aug. 2004 
Küng gibt bekannt, dass das St. Pöltener Priesterseminar "mit sofortiger Wirkung geschlossen" wird. Ein "völliger Neuanfang" sei notwendig.

13. Aug. 2004 
Der aus Polen stammende ehemalige St. Pöltner Seminarist Piotr Z. wird zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Ihm wird vom Gericht der Besitz von rund 1.700 Fotos mit größtenteils kinderpornografischem Inhalt nachgewiesen.

8. Sept. 2004 
Krenn wird in den Vatikan zitiert.

10. Sept. 2004 
Laut Kathpresse legt der Vatikan Krenn den Rücktritt "aus gesundheitlichen Gründen" nahe. Der zuständige Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, habe in diesem Sinn mit Krenn gesprochen. Krenn kehrt am Abend nach Österreich zurück und gibt sich verschlossen: "Den Beschluss fasse nicht ich sondern der Papst."

26. Sept. 2004 
Krenn bekommt Post vom Papst, Johannes Paul II fordert ihn zum Rücktritt auf.

29. Sept. 2004 
Krenn bestätigt seinen Rücktitt, nicht aus gesundheitlichen Grünen, sondern auf Wunsch des Papstes. 

 

 

 


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