Home Nach oben Impressum "Pipeline" Ermutigende Texte Kritische Texte Termine Rückblick Links

 

Straubinger Tagblatt 5.6.2004

"Ich lasse mir das Rückgrat nicht verbiegen"
Pfarrer Hans Trimpl über das Ultimatum des Bischofs und wie er damit umzugehen gedenkt

Sie sind zum Einlenken „in dieser so überflüssigen Auseinandersetzung" jederzeit bereit, zum Kniefall aber nicht. Das stellen die bei Bischof Gerhard Ludwig Müller in Ungnade gefallenen Priester Hans Trimpl (Oberalteich, Stadt Bogen) und Andreas Schlagenhaufer (Kohlberg bei Weiden) unmissverständlich fest. Wie mehrmals berichtet, hat der Diözesanbischof den beiden Seelsorgern ein Ultimatum bis Montag gestellt, aus dem „Aktionskreis Regensburg" (AKR), der als reformfreudig gilt, auszutreten und sich zudem für eine Karikatur zu entschuldigen, die der AKR zu verantworten hat und durch die sich der Bischof verunglimpft fühlt. Im Interview mit der Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung bezieht Hans Trimpl Position.

Ihnen ist klar, Herr Pfarrer Trimpl, dass Sie mit schweren Sanktionen des Bischofs rechnen müssen, wenn Sie sich vor Ablauf seines Ultimatums öffentlich äußern?
Pfarrer Hans Trimpl: Ich habe mit Ultimaten überhaupt keine Erfahrungen. Weil ich aber nichts preisgebe, was gegen die gebotene dienstliche Vertraulichkeit oder Verschwiegenheit verstößt, habe ich keine Sorge und kann mich mit vollem Recht öffentlich äußern.

Trotzdem lassen Sie sich nicht unters Bischofsjoch zwingen. Sind Sie so sehr von Ihrer Position und Ihrem Recht überzeugt?
Trimpl: Es gibt nichts, was der Bischof mir und meinem Kurskollegen Andreas Schlagenhaufer zu Recht als dienstliche Verfehlung vorwerfen könnte.

Sie gelten als reformfreudig, auch als kirchenkritisch im Sinn des Vatikanums II. Warum?
Trimpl: Ja, ich verstehe mich schon immer als kritisch und natürlich auch kirchenkritisch und bin nach 30 Jahren noch stolz darauf, dass mein damaliger Chef, der Bogener Stadtpfarrer Fritz Nagl, mich öffentlich als kritisch gewürdigt hat. Allerdings bin ich weit entfernt von einem Rebellen-Pfarrer. Dafür sehe ich keinen Grund und da wäre ich auch viel zu feige. In manchen Kirchenkreisen gilt man schon als Rebell, wenn man das ernst nimmt, was das II. Vatikanische Konzil uns an Reformen gebracht hat, und wenn man versucht, diese Reformen auch wirklich in die Praxis umzusetzen, so gut man es kann.

Eine Rolle in dem Konflikt mit dem Bischof spielt der AKR, der Aktionskreis Regensburg, in dem Sie Mitglied sind. Was ist, was will der AKR?
Trimpl: Mit dem, was ich eben sagte, sind wichtige Anliegen und Ziele des AKR schon benannt: Umsetzung der kirchlichen Reformen. Dazu gehört auch, dass es ab und zu Kritik gibt, damit innerkirchlich wahrgenommen wird, was noch verbessert werden muss. Wo Menschen arbeiten, gibt es Fehler, das weiß jeder, und das gilt selbstverständlich auch für uns. Im AKR bin ich seit 35 Jahren Mitglied, allerdings nie federführend. Mir war immer die pastorale Arbeit am Ort - in der Pfarrei, im Landkreis, im Dekanat - so wichtig, dass ich keine Kraft gehabt hätte, irgendwo anders federführend oder vordenkerisch tätig zu sein.

Wie wichtig Ist Ihnen die Arbeit im AKR, auch die Gemeinschaft und der Austausch mit anderen, die auch nach vorne denken?
Trimpl: Der AKR war und ist mir seither ein wichtiger Teil meiner persönlichen und priesterlichen Lebensgeschichte, die ganz wesentlich vom Aufbruch des II. Vatikanischen Konzils geprägt ist. Den AKR erlebe ich - mal mehr, mal weniger - als eine Gruppe von Priestern, Laien und laisierten Priestern, von Frauen und Männern, die sich für die Kirche sehr einsetzen, weil sie die Kirche lieben. Sonst würden diese AKR-Mitglieder wohl nicht fünf Sonntagnachmittage pro Jahr und ein Wochenende für Tage der Orientierung opfern.

Im AKR sind also auch andere Priester vertreten. Warum richtet sich Bischofs Zorn nur gegen Sie und Ihren Mitpriester Schlagenhaufer?
Trimpl: Darauf weiß ich keine Antwort. Aber ich bin froh, wenn sie verschont bleiben und in Ruhe ihrer pfarrlichen Arbeit nachgehen können. Die pastorale Arbeit ist es ja, für die wir angestellt sind. Von der aber ist in den Stellungnahmen des Bischofs nie die Rede.

Unmittelbarer Auslöser des Konflikts ist eine Karikatur über den Bischof im AKR-Organ Pipeline. Karikaturen sind boshaft, das verträgt nicht jeder...
Trimpl: Es gibt Menschen, die Karikaturen gern mögen und auch verstehen. Mich sprechen manche an, andere nicht. Wer sich von dieser Karikatur so stark angesprochen fühlt, wird schon seinen Grund haben. Toleranz oder auch nur ein humorvolles Lächeln wären mir lieber. Die Sache ist vom Bischof und seiner Administration ungeheuer aufgebauscht worden. Eine Zeitung hat dieser Tage dazu treffend so geschrieben: Dieses harmlose Strichmännchen sorgte in Regensburg für Ärger im Ordinariat. Was wäre wohl, wenn zum Beispiel auch Politiker auf Karikaturen so reagierten wie Bischof Müller? Übrigens: In unserem neuen Pfarrheim haben wir sehr lustige und auch tiefgründigere Karikatur-Kacheln ...

Der Bischof kann kraft Amtes Gehorsam und Ehrfurcht einfordern. Er hält Ihnen Ungehorsam und Respektlosigkeit vor. Hat er da nicht recht?
Trimpl: Wiederholt haben wir Bischof Müller darauf aufmerksam gemacht, dass wir zu unserem Gehorsams-Versprechen stehen und dies nicht in Frage stellen. Für Willkürlichkeiten und für Konsequenzen aus wahrheitswidrigen Anschuldigungen aber lassen wir uns keinen Gehorsam abverlangen.

Der Bischof spricht gar von Nazi-Methoden, die Sie gegen ihn anwendeten. Starker Tobak. Aber was meint er damit?
Trimpl: Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, auch wenn in einem der beiden Gespräche mit dem Bischof von ihm der Satz, auf uns gemünzt, gefallen ist: ,Schlimmer als die Nazis die Kirche beschimpften'. Kommentieren möchte ich diesen ungeheuerlichen Vergleich nicht. Seine Pressestelle hat dazu übrigens wieder einmal eine unzutreffende Darstellung gegeben. Stellen Sie sich vor, ich hätte gegenüber Bischof Müller Ähnliches gemacht!

Sie riskieren den offenen Streit mit Bischof Gerhard Ludwig und damit Amtsenthebung oder Zwangspensionierung bis hin zur Aberkennung des Priestertums. Ist Ihnen nicht bange?
Trimpl: Meine Risikobereitschaft ist angesichts meines Alters, meiner Lebenserfahrung und auch meiner gesundheitlichen Situation tatsächlich gering. Aber ein gerades Rückgrat ist mir existenziell wichtig, das lasse ich mir nicht verbiegen. Die immer noch nicht belegten Anschuldigungen (Schmähungen, Hasstiraden usw.) des Bischofs muss ich mit allem Nachdruck zurückweisen, wenn ich mich selbst und die Wahrheit ernst nehme. Auch gut gemeinte Erläuterungen unsererseits konnten nichts daran ändern, dass diese Anschuldigungen an uns in gleicher pauschaler Form wiederholt werden.

Was kritisieren Sie an der Amtskirche? Ist sie noch zeitgemäß? Braucht Sie Erneuerung, eine zeitgemäßere Vermittlung des Evangeliums.
Trimpl: Mit der so genannten Amtskirche hatte ich bisher keine Probleme. Und dass Kirche gut reformierbar und für die Zukunft zu öffnen ist, kann man an vielen Entwicklungen seit dem II. Vatikanischen Konzil wunderbar sehen. Nur ein Beispiel: Nie zuvor haben so viele Frauen und Männer in unserer Kirche ehrenamtlich mitgearbeitet wie in den Jahrzehnten seit dem Konzil. Und noch dazu mit soviel Einsatz und auch hoher Sachkompetenz. Ich erlebe das selbst immer wieder mit Freude: Das war in meiner Kaplanzeit in Bogen so, dann in der Expositur Rain und in meiner vorigen Pfarrei Ihrlerstein ebenso wie jetzt in Oberalteich. Zu dem, was uns momentan am meisten zu schaffen macht, gehört, dass neuerdings manche Kirchenkreise wohl am liebsten wieder zum Kirchenbild und zum Amtsverständnis des 19. Jahrhunderts zurückkehren würden: Entmündigung der so genannten Laien und entsprechende einseitige Profilierung des Klerus.

Hatten Sie mit Gerhard Ludwigs Vorgänger Bischof Manfred auch schon Probleme?
Trimpl: Ich bin seit 35 Jahren im priesterlichen Dienst in der Diözese Regensburg. Der AKR besteht ebenso lange. Keiner der beiden Vorgänger im Bischofsamt - weder Bischof Manfred Müller noch Bischof Dr. Rudolf Graber - hat uns je mit vergleichbaren Anschuldigungen konfrontiert wie der jetzige Bischof. Gegenüber Kritik waren diese beiden Bischöfe immer umsichtig. Solche - fast maßlose - Übertreibung wie jetzt habe ich vorher nie erlebt.

Wie sind die Reaktionen von Mitpriestern, von Gläubigen?
Trimpl: Schlagenhaufer und ich erfahren von vielen Seiten sehr viel Solidarität: Die priesterlichen Reaktionen sind eher bescheiden, auch wenn sie über Augsburg, Passau, Mainz bis Südafrika reichen; die Reaktionen der Gläubigen reichen von Unsicherheit bis zu heller Empörung und totalem Unverständnis der Macht und Machtlosigkeit.

Wie kann dieser Konflikt beigelegt werden? Sind Sie zum Einlenken, zu Verständigung, Versöhnung und Aussprache bereit?
Trimpl: Das war ich von Anfang an und bin es immer noch. Selbstverständlich bin ich gerne zum Einlenken in dieser so überflüssigen Auseinandersetzung bereit. Auch jetzt laufen zusammen mit Andreas Schlagenhaufer hinter den Kulissen immer noch Bemühungen um eine Verständigung. Und die Lösung ist denkbar einfach: Es braucht keine Entschuldigung seitens des Bischofs oder ähnliches. Es genügt, dass er seine willkürlichen Festlegungen und seine unhaltbaren, wahrheitswidrigen Anschuldigungen einfach beiseite lässt und nicht mehr wiederholt. Weder ich noch Andreas Schlagenhaufer sind nachtragend.

Interview: Bernhard Stuhlfelner

 

 


Mail an den AKR