Süddeutsche Zeitung - 30.12.2004
Jahresrückblick Bayern
Ein
Bischof macht Karriere
Angefangen hatte der Ärger mit einer
Karikatur, die den Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, als
Scharfrichter zeigte - mit Hirtenstab und Mitra neben einer Guillotine.
Die Karikatur in dem kirchlichen Mitteilungsblatt Pipeline erboste den
Bischof so sehr, dass er den beiden ungehorsamen Herausgebern, Andreas
Schlagenhaufer und Hans Trimpl, eine Entschuldigung abverlangte. Der eine
Pfarrer tat's, der andere nahm den Kampf auf - und unterlag. Am Ende
verlor Hans Trimpl nicht nur seine Stelle im niederbayerischen Oberalteich.
Auch sein Berater, der Regensburger Professor für Liturgiewissenschaften,
August Jilek, wurde auf Betreiben Müllers abgestraft: Der Vatikan entzog
Jilek in rekordverdächtigem Tempo die Lehrerlaubnis, nachdem dieser
öffentlich seinen Kirchenaustritt erwogen hatte.
Anders als bei vorangegangenen Konflikten
im Bistum erhielt Müller im Fall Jilek Rückendeckung von
Bischofskollegen. Der Münchner Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter,
nannte den Entzug der Lehrerlaubnis "unumgänglich". Und
Müllers Würzburger Amtskollege Friedhelm Hofmann stellte fest, es sei
selbstredend, dass jemand, der im Auftrag der Kirche lehre, auch deren
Positionen vertreten müsse. Der Rheinländer Hofmann trat im September
die Nachfolge von Paul-Werner Scheele an und scheint sich bislang mit den
Franken gut zu verstehen. Sein Regensburger Amtskollege Müller hat sich
unterdessen von der Pipeline ins Kabarett der Spitzenklasse vorgearbeitet:
Die Biermösl Blosn hat ihn ins Programm aufgenommen.
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