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Süddeutsche Zeitung 09. Juni 2004
Bischof lässt Ultimatum
verstreichen
Mehrere Dekane sollen jetzt zwei Priester
in ihrem Streit mit dem Regensburger Oberhirten zum Einlenken bewegen
Von Monika Maier-Albang
Regensburg - Im Streit mit zwei Priestern
seines Bistums hat der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ein selbst
gesetztes Ultimatum verstreichen lassen. Müller hatte Andreas Schlagenhaufer
aus dem oberpfälzischen Kohlberg und Hans Trimpl aus dem niederbayerischen
Bogen-Oberalteich am Pfingstmontag aufgefordert, sich bis zum 7. Juni für eine
Karikatur zu entschuldigen und aus dem "Aktionskreis Regensburg"
auszutreten. Letzteres hatten diese abgelehnt. Wie das Ordinariat am Dienstag
mitteilte, beauftragte Müller nun nach "intensiven" Beratungen in der
Ordinariatskonferenz mehrere Dekane, mit den Pfarrern ¸¸im Blick auf das
legitime Anliegen des Bischof" Gespräche zu führen. Den Geistlichen wird
unloyales Verhalten gegenüber dem Bischof und damit ein Verstoß gegen ihr
Gehorsamsversprechen vorgeworfen.
Noch am Montagabend hatten sich mehrere hundert
Menschen vor dem Regensburger Dom mit den Pfarrern solidarisch gezeigt.
Generalvikar Wilhelm Gegenfurtner, der eine Resolution entgegen nahm und dabei
sagte, er "hoffe, dass die beiden Pfarrer einlenken", wurde ausgebuht
und ausgepfiffen. Auf Transparenten warfen die Demonstranten Müller einen
"Rückfall ins Mittelalter" und "Machtmissbrauch" vor.
"Bischof werden ist nicht schwer, Pfarrer sein dagegen sehr", stand
auf einem Plakat.
Allein aus Kohlberg waren vier Reisebusse
gekommen. Eine Delegation aus dem 1200-Einwohner-Ort hatte am Vormittag im
Ordinariat 763 Unterschriften gegen eine andere Maßnahme der Bistumsleitung
abgegeben: Die Kohlberger feiern seit zehn Jahren beim Dorffest einen
ökumenischen Sonntags-Gottesdienst. Der wurde nun verboten. "Andere fangen
ihr Fest mit einem Bieranstich an. Wir wollen Gottesdienst feiern und dürfen
nicht", ärgert sich Kohlbergs Bürgermeister Karl Prösl. Der hatte vor
der Fahrt nach Regensburg einen unangenehmen Anruf aus dem Landratsamt erhalten:
Das Ordinariat, bekam der Bürgermeister zu hören, habe mit
Dienstaufsichtsbeschwerde gedroht, falls er auf der Demo rede. "Ein
Witz", findet Prösl - "ich bin auch Christ und Privatperson".
Entzündet hatte sich der Streit an einer
Karikatur in der "Pipeline", der Zeitschrift des Aktionskreises. In
Anspielung auf Müllers Umgang mit Kritikern war auf dem Titelblatt ein
Strichmännchen-Bischof neben einer Guillotine zu sehen, darunter der Satz:
"Der nächste bitte!" Man habe den Bischof damit nicht verletzen
wollen, sagt Schlagenhaufer. Aber austreten, das könne er nicht. Schlagenhaufer
hofft nun, "dass wir doch noch einen Weg finden". Am Montag hatte Müller
bereits zwei Dekane beauftragt, "in Gesprächen mit den Pfarrern auf
Einlenken hinzuwirken". Auch die Priester aus dem Weihejahrgang von
Schlagenhaufer und Trimpl wurden "um vereintes Bemühen gebeten". Die
Studienkollegen hatten sich allerdings zuvor schon mit einem Brief an den
Bischof gewandt - zugunsten der beiden Priester.
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