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Glosse "Bischof Müller schlägt um sich" (SOG-Papiere 4/2004)

Für Außenstehende ist es kaum möglich, das vom Regensburger Bischof angezettelte Spektakel zu begreifen. Dieser hatte sich bereits durch die Diffamierung der überall in der Nachfolge des KirchenVolksbegehrens von 1995 aktiven Reformgruppe "Wir sind Kirche" (WsK) hervorgetan. Über sein im Jahr 2003 erlassenes Dekret hatte alle Welt nur gelacht, nämlich: "Kraft meiner bischöflichen Vollmacht untersage ich mit sofortiger Wirkung den katholischen Christen der Diözese Regensburg, insbesondere Geistlichen und pastoralen Mitarbeitern, bei Streitigkeiten, die im Rahmen ihrer kirchlichen Ämter und Aufgaben entstehen, weltliche Gerichte anzugehen." Ernst-Wolfgang Böckenförde dazu: "Die Kirche darf ihre internen Verhältnisse regeln, aber nicht einfach bürgerliche Rechte einschränken". Wenn das mit dem schwammig formulierten Edikt gemeint sei, sei es "schlicht unwirksam". (Süddeutsche Zeitung v. 18.2.04)

Der Ausgang seines neuesten Amoklaufes ist bei Redaktionsschluss noch nicht abzusehen. Wir informieren mit dem Offenen Brief der AGP und im folgenden mit einer Verlautbarung der bischöflichen Pressestelle, samt der darauf antwortenden Pressemitteilung der vom Bischof Attackierten.

Der stellvertretende Pressesprecher der Diözese versuchte am 2. Juni noch einmal draufzusatteln. Die nebenstehende satirische Zeichnung aus Nr. 03/2 der Pipeline musste dafür herhalten. Im Galgenhumor angesichts neo-inquisitorischer Tendenzen sah der Presse-Vize ein "Ärgernis für viele Gläubige" und malte Erinnerungen von Robespierre bis zu den Nazis an die Wand. Vielleicht sollte man ihm mal ein Zeitungsabonnement zukommen lassen, damit er den Stil heutiger Karikaturisten studieren kann. Vielleicht würde auch ein kunstgeschichtliches Aufbaustudium von Nutzen sein, um zu erfahren, wie man zu den frömmsten Zeiten in der bildenden Kunst Hierarchen beim Jüngsten Gericht dargestellt oder in der Hölle einquartiert hat.

Als "ungeheuerlich" qualifiziert der stellvertretende Pressesprecher schließlich, die Behauptung, der Bischof stünde nicht "auf dem Boden des Evangeliums". Mit dieser Formulierung erweckt er den Eindruck, dem Bischof sei von den beiden Pfarrern die Rechtgläubigkeit abgesprochen worden.

Dazu ist zu sagen:

  1. Niemand hat eine solche Behauptung aufgestellt.
  2. Ein anderer Autor (B. Starzinger in Pipeline 03/1) hatte angesichts der Tatsache, dass Streithansl Müller ständig mit anderen in Fehde liegt, vielmehr in einer trefflichen Notiz daran erinnert, dass "der Glaube ohne Liebe nichts wert" ist.
  3. Damit verbunden war die wohl zu optimistische Erwartung, vielleicht finde der Bischof (in diesem Sinne) "auf den Boden des Evangeliums zurück".
  4. Das ist etwas ganz anderes, als der Pressesprecher zu suggerieren versucht.
  5. Diesem Herrn ist daher zusätzlich zu raten, einmal in das Neue Testament hineinzusehen. Gal 2,11 kann ihm zeigen, wie Paulus aus Tarsus Simon-Petrus bei den Ohren genommen hat. 6. Bischof Müller ist in dieser Sache eher noch glimpflich davongekommen.
 

 

 


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