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Der neue Tag 16.07.2004
Schon Paulus
übte Kritik an der Kirche
Zu den Differenzen des Regensburger Bischofs
Gerhard Ludwig Müller mit dem kritischen "Aktionskreis Regensburg (AKR)"
beziehungsweise den Pfarrern Andreas Schlagenhaufer und Hans Trimpl
veröffentlichten wir bereits eine ganze Palette von Leserzuschriften. Nun
meldet sich auch der Urheber der Karikatur, die in der AKR-Zeitung
"Pipeline" erschienen ist und als Auslöser der Streitigkeiten gilt
(die Zeichnung zeigte Bischof Gerhard Ludwig als "Scharfrichter", Anm.
d. Red.), in einem Brief zu Wort:
Man hat den Eindruck, als wolle unser Bischof
das besagte Eigentor selbst schießen; seine künstliche Aufregung wegen einer
kritischen Zeichnung ist völlig unberechtigt und deshalb seinem eigenen
Renommee, aber auch dem Bild der Kirche in der Öffentlichkeit sehr abträglich.
Im Gegensatz zum "Aktionskreis Regensburg" scheinen seine Aggressionen
ein halbes Jahr gebraucht zu haben, bis sie so richtig in Fahrt kamen: Die
Ausgabe der "Pipeline", auf die sich seine Polemik bezieht, ist
nämlich schon im Dezember 2003 erschienen. Nicht das Amt, sondern die Person
des Bischofs ist darin karikiert worden! Der Grund war seine persönliche
Amtsführung bald nach seinem Antritt. Er hatte einen verdienten, von den
Gläubigen gewählten Diözesanvorsitzenden entlassen. Andere hat er mit
Amtsenthebung bedroht. Daraufhin habe ich diese inkriminierte Karikatur
gezeichnet.
Eine Karikatur stellt keine Realität dar, sondern ist eine übertriebene,
symbolische Darstellung eines kritisierten Sachverhalts, hier der rigorosen
Amtsführung des Bischofs, und keineswegs eine Kritik an der Kirche.
Ich habe 50 Jahre als Laie für die Kirche
gearbeitet, ohne Entgelt und schon zu einer Zeit, als der Herr Bischof noch in
den Kinderschuhen steckte. Ich habe eine Menge hervorragender Priester zu
Freunden gehabt, die mir bei vielen kritischen Gesprächen Recht gaben. Sogar
einer der Vorgänger unseres Bischofs, Bischof Rudolf Graber, hatte mich wegen
einer kritischen Äußerung zum Gespräch eingeladen - er brauchte dazu keine
richterlichen Beisitzer wie Bischof G. L. Müller -, und Bischof Graber hat mir
am Ende des Gesprächs sogar teilweise Recht gegeben, was ich ihm hoch
anrechnete.
Es ist bekannt, dass auch Paulus gegen Petrus Kritik übte, die berechtigt war
und sich in der Gemeinde durchgesetzt hat. Das hierarchische System ist
vielleicht in der Kirche stellenweise nötig, aber es ist nicht von Christus
gewollt und deshalb kein Dogma. Das brüderliche System aber ist von Christus
gewollt.
Im übrigen hatten die beiden Priester, die der
Bischof bestrafen will, Schlagenhaufer und Trimpl, von der Karikatur keine
Ahnung, weswegen sie auch im Impressum durchgestrichen waren, was man uns als
billigen Trick auslegte.
Gerhard Schmidt, 93413 Cham |