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Der neue Tag 8.6.2004

Priester bleiben zunächst im Amt
Nach Ultimatum von Bischof: Kein Zwangs-Ruhestand für Aktionskreis-Mitglieder

Regensburg. (dpa/lby) - Nach Ablauf eines Ultimatums des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller an die Priester Andreas Schlagenhaufer und Hans Trimpl können die Geistlichen vorläufig weiter seelsorgerisch tätig bleiben. Nach den Erklärungen des Bistums der vergangenen Tage war erwartet worden, dass die Geistlichen ihrer Ämter enthoben oder zwangsweise pensioniert werden.


Pfarrer Andreas Schlagenhaufer und der Bischof: Ultimatum verstrichen. (Archivbilder: Wilck/Popp, Collage: Stüdemann)

Knapp ein Jahr war das Kriegsbeil begraben zwischen dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller und den kritischen Katholiken in seiner Diözese. Doch seitdem der Oberhirte zwei Priestern ein Ultimatum gestellt hat, um sie zu einem Austritt aus dem reformorientierten "Aktionskreis Regensburg" (AKR) zu zwingen, herrscht in dem Bistum wieder mehr Gegeneinander als Miteinander. Obwohl die Pfarrer Andreas Schlagenhaufer aus Kohlberg sowie sein Kollege Hans Trimpl aus Bogen-Oberalteich am Montag die Frist verstreichen ließen und nicht dem AKR den Rücken kehrten, verzichtete die Bistumsleitung am Dienstag zur Überraschung vieler Beobachter auf drastische Schritte.

Nach den Erklärungen des Bistums der vergangenen Tage war erwartet worden, dass die Geistlichen ihrer Ämter enthoben oder zwangsweise pensioniert werden. Statt dessen soll es nun weitere Gespräche zwischen den kirchenkritischen Priestern und leitenden Mitarbeitern des Bischofs geben. Schlagenhaufer zeigte sich erleichtert über diese Entwicklung. "Ich war auf alles gefasst, auch auf das Schlimmste", sagte er nach der Krisensitzung im Regensburger Ordinariat. Der Kohlberger Pfarrer glaubt, dass trotz des bisherigen Streites doch noch ein Kompromiss erreicht werden kann. "Ich hoffe, dass wir einen Weg finden."

Erst am Montagabend hatten rund 250 Gläubige vor dem Regensburger Dom gegen die harte Haltung Müllers demonstriert. Dabei war auf zahlreichen Plakaten geharnischte Kritik an dem Bischof zu lesen. Die Linie des Oberhirten wurde als "reaktionär", "Heuchelei" und als ein "Rückfall ins Mittelalter" bezeichnet. Unter den Protestierenden waren zahlreiche Bürger aus Kohlberg und Oberalteich, die sich uneingeschränkt hinter ihre Priester stellten. "Bischof werden ist nicht schwer, Pfarrer sein dagegen sehr", hieß es ironisch auf einem Transparent.

Bereits 2003 hatten ähnliche Auseinandersetzungen im Regensburger Bistum für Schlagzeiten gesorgt. Zunächst hatte Müller den Diözesanrat Johannes Grabmeier wegen dessen Nähe zur Initiative "Wir sind Kirche" aus allen Laiengremien geworfen, später schickte der Oberhirte aus ähnlichen Gründen Pfarrer Siegfried Felber aus dem niederbayerischen Bad Abbach in den Zwangs-Ruhestand.

Beide Entscheidungen machte der Oberhirte nach monatelangen Auseinandersetzungen zwar wieder rückgängig, seinen Ruf als unbarmherziger Hardliner, der Kritiker an den Pranger stellt und abstraft, wurde Müller allerdings nicht mehr los. Ausgerechnet eine Karikatur, die dieses Image des Bischofs auf die Schippe nimmt, wurde offenbar zum Auslöser für den aktuellen Disput. Auf dem Titelblatt des AKR-Blättchens "Pipeline" wurde in Anspielung auf Müller ein Bischof neben einer Guillotine abgebildet. Während noch die Schuhe des zuletzt hingerichteten Delinquenten vor dem Fallbeil stehen, sagt der abgebildete Geistliche: "Der Nächste bitte!"

Die AKR-Zeitschrift erscheint zwar in Bayerns flächenmäßig größtem Bistum nur mit einer Mini-Auflage von 500 Stück, hat aber inzwischen durch den Streit einen enormen Bekanntheitsgrad erhalten. Die "Pipeline"-Macher weisen darauf hin, dass die Zeitung schon immer ein Satireblatt gewesen sei und ein hoher Kirchenfunktionär solche Kritik ertragen müsse. "Eine Karikatur ist doch nicht Beleidigendes", sagt Schlagenhaufer. Auch der Schöpfer der Zeichnung kann den Ärger nicht verstehen. Der 82 Jahre alte Kunsterzieher Gerhard Schmidt, der seit knapp drei Jahrzehnten Karikaturen macht, hat für das Vorgehen Müllers nur ein Wort parat: "Kindisch!"

Ulf Vogler

 

 

 


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