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Publik-Forum - Nummer 12 - 18. Juni 2004, S. 4:

Kirchenkrach im Bistum Regensburg
Bischof oder Inquisitor?

Die katholische Oberkirche in Deutschland zerfasert zusehends. Während Bistümer wie Aachen, Berlin oder Essen mit schmerzhaften Not- und Entlassungsprogrammen hart an der Finanzpleite entlangschrammen, setzt man sich anderenorts - etwa in Osnabrück, Freiburg oder Rottenburg - an Runde Tische, um die Zukunftsaufgaben inmitten der tief gehenden Umbruchskrise anzupacken. Einen seltsamen Sonderweg geht das Bistum Regensburg. Dort scheint man so wenig echte Probleme zu haben und oberkirchlicherseits so sehr aus dem Vollen zu schöpfen, dass Bischof Gerhard Ludwig Müller seiner theologisch-weltanschaulichen Jagdleidenschaft frönen kann.

Seit der theologisch angesehene, jedoch als weltfremd geltende, äußerst konservative Dogmatikprofessor Müller Ende November 2002 Bischof in Regensburg wurde, bricht er unentwegt Streit vom Zaun. Er warf die Regensburger Altkatholische Gemeinde aus ihrem Gottesdienstraum, indem er den Mietvertrag für die seit 40 Jahren von den Altkatholiken genutzte Kapelle beendete. Er setzte einen neuen, teuren Bischofsthron in den Regensburger Dom. Er warf den gewählten Dekanatsratsvorsitzenden von Deggendorf, Grabmeier, vorübergehend aus dem Amt, weil der sich in der Wir-sind-Kirche-Bewegung engagiert. Und nun jagt Bischof Müller seit geraumer Zeit eine Anzahl von Priestern. Weshalb? Weil die Pfarrer teils seit 1969 Mitglieder des reformorientierten Aktionskreises Regensburg (AKR), einer »Priester- und Solidaritätsgruppe«, sind. Insbesondere auf die Pfarrer Andreas Schlagenhaufer aus dem oberpfälzischen Kohlberg und Hans Trimpl aus dem niederbayerischen Bogen-Oberalteich hat es der Bischof abgesehen.

Weshalb? Das von beiden Priestern verantwortete Mitteilungsblatt Pipeline des Aktionskreises Regensburg brachte jüngst eine Karikatur, durch sich der humorlose Bischof Müller als »Mörder« verunglimpft fühlt. Gezeigt wird ein Bischof, der auf eine gestrichelte Guillotine zeigt und sagt: »Der Nächste bitte«.

Rund 600 Menschen demonstrierten für die Priester vor dem Regensburger Dom. Allein aus dem 1250-Einwohner-Ort Kohlberg waren vier Reisebusse gekommen.

Regensburgs Oberhirte täte gut daran Kirchenrecht zu studieren (die Canones 383-389, 392 sowie 394-400). Es legt fest, dass der Bischof ein Brückenbauer zu sein hat in seinem Bistum - und nicht ein übereifriger Inquisitor. 

THOMAS SEITERICH-KREUZKAMP

 

 

 


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