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Publik Forum - August 2005

KIRCHE VON UNTEN
Der Kirchenspalter in Regensburg

Der aus Mainz stammende Gerhard Ludwig Müller war einmal ein angesehener, wenngleich strikt konservativer katholischer Dogmatik-Professor an der Universität München. An den Wochenenden galt Müller in Münchner Pfarreien als ein etwas weltfremder, jedoch höflicher Seelsorger. Er pflegte seine leutselige Seite. Müller ging öffentlich hausieren mit seinen Südamerika-Reisen und seiner Priesterfreundschaft zu dem Befreiungstheologen Gustavo Gutiérrez aus Peru, der vor dem Opus Dei in den progressiven Dominikaner-Orden geflüchtet war.

Doch seitdem er im Jahr 2002 Bischof von Regensburg geworden ist, spaltet und zerstört Müller mit einem kirchenpolitischen Amoklauf sein Bistum. Gleich zu Beginn warf er die kleine altkatholische Regensburger Gemeinde aus einem Gotteshaus, das die Altkatholiken einst vom Bistum gemietet hatten. Und dann folgten regelrechte Jagden auf kritische Köpfe im Bistum - meist kurios im Verlauf, verletzend in der Form und brutal in den personalpolitischen Folgen. Es traf zunächst einen gewählten Dekanatsrat, der Kontakte zur Wir-sind-Kirche-Reform-Bewegung unterhält; danach zwei altgediente Pfarrer; wenig später dann den etwas unklug und undiplomatisch von Kirchenaustritt redenden Gottesdienstfachmann und Theologieprofessor Jilek. Neuerdings stellt der rasende Bischof den gewählten Diözesanrat, die Vertretung des Gottesvolkes, der sogenannten "Laien", in Frage. Als Opfer hat Bischof Müller den Diözesanratsvorsitzeden Fritz Wallner ausgeguckt. Zwischenzeitlich hatte sich der Oberhirte den Bischofsthron im Regensburger Dom kostspielig umbauen lassen. Er wolle einen geistlichen Aufbruch in der Diözese, so betont Müller. Das jedoch heißt: Alles im Bistum wird radikal auf Seine Exzellenz ausgerichtet; jede Form der bewährten Laien-Mitverantwortung steht auf dem Prüfstand; Abweichung wird unerbittlich verfolgt. Peinlich nur, dass Müller seine eigene Amtskirche nicht gut genug im Griff hat. Im internen Ranking, der Qualitäts- und Fairness-Liste aller deutschen Diözesen in Sachen sexueller Missbrauch durch Priester, zählt Müllers Bistum Regensburg zu den Schlusslichtern. So berichten deutsche Therapeuten und Konfliktberater.

Laut den Kirchenrechts-Paragraphen CIC 383-389 hat ein Bischof folgende Pflichten: Seine Hirtensorge hat sich zuerst um alle Christgläubigen seines Bistums zu bemühen. In rechter ökumenischer Gesinnung soll er aber auch den Nichtkatholiken begegnen und für die Nichtgetauften ein Zeuge der Liebe Christi sein. - Helfen kann jetzt eigentlich nur noch die mächtige CSU. Sie hat gute Drähte zum Papst. Der muss mäßigend auf Müller einwirken.

Thomas Seiterich-Kreuzkamp


KONTAKT: www.wir-sind-kirche.de; info@bistum-regensburg.de 


 

 

 


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