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PIPELINE Nr. 1 2005

Chronologie eines Missio-canonica-Entzuges

von Paul Winkler

Wenn eine Aktion, die nicht von der Amtskirche, sondern von Laien ausging, mit dem Losungswort Pius' XII. "Wir sind (die) Kirche" ernst machte, dann war es das Kirchen VolksBegehren, initiiert von Thomas Plankensteiner, Innsbruck, mit seinen fünf Forderungen:
1. Aufbau einer geschwisterlichen Kirche
2. Volle Gleichberechtigung der Frauen
3. Freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht zölibatärer Lebensform
4. Positive Bewertung der Sexualität als wichtiger Teil des von Gott geschaffenen und bejahten Menschen
5. Frohbotschaft statt Drohbotschaft

Unverzüglich sprang der Funke auf Deutschland über, wurde dort von Christian Weisner, Hannover, aufgegriffen und gewann an Zündkraft.

Mit vielen anderen stand ich im Herbst 1995 mit Unterschriftenlisten auf Straßen und Plätzen, in Kirchen und vor Kirchen, um diese Aktion zu unterstützen.

Nicht überraschen konnte die wenig freundliche Reaktion der Amtskirche. So sagte z.B. Bischof Kasper 1995 folgendes: "Das geplante Kirchenvolksbegehren ist kein geeignetes Instrument der Meinungsbildung und der Partizipation in der Kirche."

Einigen österreichischen Bischöfen, die am Kirchenvolksbegehren bemängelt hatten, es rede statt von Gott von "vorletzten" Fragen, antwortete Plankensteiner in einem offenen Brief vom 8. April 1996:

"Von welchem Gott erzählen führende Amtsträger und kirchliche Strukturen? Sie erzählen von einem Gott, der angeblich die Monarchie in der Kirche will und dem die Demokratie grundsätzlich suspekt ist; der seinen Heiligen Geist vornehmlich auf geweihte Häupter ausgießt und die Nichtgeweihten weitgehend leer ausgehen lässt. Sie erzählen von einem Gott, der bei der Berufung in kirchliche Weiheämter auf das Geschlecht schaut und Menschen, die zum Dienst bereit, berufen und ausgebildet wären, ausschließt nur weil sie Frauen sind..."

Nun zur eigentlichen Sache:

Am 12.5.2004 erhielt ich ohne Vorwarnung ein Schreiben des Bischöflichen Konsistoriums, indem mir mitgeteilt wurde, dass meine Missio canonica nun mehr ruht, weil sich die Mitgliedschaft in "Wir sind Kirche" und die Erteilung von Religionsunterricht ausschließen. Nachdem ich klargestellt hatte, dass es ein Ruhen der Missio nicht gibt bzw. mir kein kirchenrechtlich relevanter Beschluss bekannt ist, der die Erteilung von Religionsunterricht und die Mitgliedschaft in "Wir sind Kirche" ausschließt, erhielt ich ein weiteres Schreiben des Konsistoriums. In diesem Schreiben wurden meine Darstellungen bestätigt. Trotzdem, so hieß es weiter, sei die Erteilung von Religionsunterricht durch mich nicht erwünscht und angebracht.

Im Juni 2004 hatte ich dann ein Gespräch mit dem Schulreferenten der Diözese. Das Ergebnis des guten Gesprächs war, dass ich ein Gespräch mit dem Bischof führen sollte. Der Schulreferent wollte meine Bitte zu einem Gespräch dem Bischof übermitteln. Leider lehnte der Bischof ein Gespräch mit mir ab. Da ich aber auf einem Gespräch bestand, versuchte mein Fachbetreuer über den Offizial der Diözese ein Gespräch zu vermitteln. Es kam also zu einem Gespräch zwischen dem Offizial und mir. Dieses Gespräch verlief ebenfalls in einer guten Atmosphäre. Auch der Offizial, wie zuvor der Schulreferent, war der Meinung, dass es zu einem Gespräch zwischen mir und dem Bischof kommen sollte. Er versuchte über den Bischofskaplan einen Termin für ein Gespräch mit dem Bischof zu erreichen. Wieder lehnte der Bischof ab mit mir zu sprechen.

Im Februar 2005 erhielt ich dann ein Schreiben des Generalvikars, in dem mir mitgeteilt wurde vor der Missio-Kommission zu erscheinen. Ein drittes Mal wurde also ein Gespräch geführt. Die Missio Kommission setzt sich aus Vertretern der Theologischen Fakultät, dem Schulreferenten, dem Offizial, dem Generalvikar und einem Vertreter der Lehrer zusammen.

Das Ergebnis des Gesprächs lässt sich wie folgt zusammenfassen. Ich sollte den Bischof in einem Brief um ein Gespräch bitten. Dies tat ich dann auch. Leider wurde mein Brief mit der Bitte um ein Gespräch als ungenügend eingestuft. Noch einmal versuchte mein Fachbetreuer ein Gespräch zwischen dem Bischof und mir zu erreichen. Er bat den Bischof persönlich mit mir zu sprechen. Der Bischof lehnte ab. Am Tag darauf rief mich der Schulreferent an und lud mich zu einem Gespräch ins Konsistorium ein. Neben dem Offizial, dem Schulreferenten und dem Generalvikar sollte auch Herr Wanner, der Pressesprecher des Bischof, an diesem Gespräch teilnehmen. Dieses Gespräch in der Karwoche 2005 habe ich nicht in guter Erinnerung. Alleiniger Wortführer war der Pressesprecher Herr Wanner (ein Jurist), also weder ein Fachmann für Theologie (Inhalt des Gesprächs) noch für Schulangelegenheiten bzw. für Kirchenrecht (Konkordatsfragen). Später wurde von goldenen Brücken gesprochen, die mir in diesem "Gespräch" gebaut worden seien. Einziger Tenor des Monologs von Herrn Wanner war die Aufforderung mich von "Wir sind Kirche" zu distanzieren. Dies lehnte ich ab.

Am 8. April 2005 erhielt ich dann ein Schreiben des Bischofs, indem mir folgendes mitgeteilt wurde: "..wegen Ihrer hartnäckigen Weigerung, die volle Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche wiederherzustellen, sehe ich mich gezwungen, Ihnen hiermit die Bevollmächtigung zur Erteilung Katholischen Religionsunterrichts... ' zu entziehen." Der Antrag auf Rücknahme des Dekrets (den ich am 14.4.2005 stellte) wurde vom Bischof ohne weitere Begründung abgelehnt.

Zurzeit wird meine Beschwerde gemäß can. 1737 CIC in Rom geprüft.

In einem Artikel in der MZ vom 13.5.2005 wird behauptet, dass die Missio Kommission entschieden hätte mir solle die Missio entzogen werden. Laut Aussage des Offizials hat die Missio Kommission gar nicht das Recht dieses zu entscheiden. Das Gremium kann lediglich ein Votum abgeben. Die Mehrheit der Mitglieder der Kommission war der Meinung, dass es nicht nötig sei, mir die Missio zu entziehen.

Der Bischof, der trotz mehrmaliger höflicher Bitten nie mit mir sprach, entschied anders.

Bei vielen Gesprächen in den letzten Tagen und Wochen mit vielen Leuten, vor allem auch Leuten, die "Wir sind Kirche" nicht angehören, wurde mir immer wieder gesagt, das kann doch alles nicht wahr sein. Und doch ist es so.

In unserer Kirche hat es immer wieder Veränderungen (Reformen) gegeben. "Nur wer sich ändert, bleibt sich treu", sagte Herbert Haag einmal ganz richtig. Nur weil man sich für Reformen einsetzt, die von einem großen Teil der Katholiken befürwortet werden, kann doch kein Grund sein, mir die Missio zu entziehen. In der Presse wird dann sinngemäß gesagt. Es ist doch nicht so schlimm, denn der Herr Winkler bleibt ja Berufsschullehrer und hat so sein Auskommen. Der Mensch Paul Winkler interessiert den Bischof nicht.

Zuletzt möchte ich mich bei allen bedanken die in dieser nicht einfachen Zeit zu mir stehen.

Vor allem bedanke ich mich bei meinem Fachbetreuer und Freund Siegfried Seh «veiger, der trotz vieler Unannehmlichkeiten zu mir steht und für mich eintritt.

Paul Winkler, im Juni 2005

 

 

 


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