|
Der neue Tag 30.07.2004
Bogen-Oberalteich. (dpa/hfz) Der bei seinem Dienstvorgesetzten, dem
Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, in Ungnade gefallene Pfarrer Hans
Trimpl hat trotz eines durch die Diözese ausgesprochenen Verbots am
Donnerstagabend einen Gottesdienst vor vollbesetztem Haus abgehalten, ohne in
seiner Predigt auf den aktuellen Konflikt mit dem Bistum einzugehen. Er wurde
auch in keiner Weise an der Ausübung seines Amtes gehindert. Der vom Bischof
eingesetzte Administrator Pater Kilian Saum hat vor der Messe mit Trimpl
gesprochen, einen Eklat aber vermieden. Am Gottesdienst selbst, zu dem ihn
Trimpl einlud, nahm er nicht teil. Nichts erinnerte am Donnerstagabend im
ehemaligen Benediktinerkloster in Bogen-Oberalteich daran, dass ein
erbitterter Kirchenstreit auf den Höhepunkt zusteuert. Während in der
prachtvollen Barockkirche St. Peter und Paul Gymnasiasten mit ihrem
Religionslehrer einen Gottesdienst feierten, nahm im benachbarten Pfarrhaus
der suspendierte Priester Hans Trimpl bereits am Nachmittag seine Arbeit
wieder auf.
Trotz eines ausdrücklichen Verbotes durch den Regensburger Bischof Gerhard
Ludwig Müller lud der 60-Jährige am Donnerstagabend die Gläubigen zu einer
Eucharistiefeier ein. Trimpl sieht sich nach den Vorschriften des kirchlichen
Gesetzbuches "Codex Iuris Canonici" weiter als rechtmäßigen
Pfarrer an. Das Kirchenrecht sieht nämlich vor, dass Beschwerden gegen
Strafdekrete eine aufschiebende Wirkung haben. Dadurch gibt es mittlerweile
zwischen Trimpl und der Bistumsleitung einen permanenten Schriftwechsel von
Anträgen, Beschwerden und Zurückweisungen.
Am Donnerstag ging der Schlagabtausch in die nächste Runde: Nach Angaben
seines Beraters, des Regensburger Theologieprofessors August Jilek, verfasste
Trimpl eine neue Beschwerde und faxte diese nach Regensburg. "Damit ist
die alte Rechtslage wieder hergestellt", sagte Jilek. Trimpl sei wieder
Priester in Oberalteich. Bei der von Jilek und Trimpl erwarteten erneuten
Ablehnung wollen die beiden den Vatikan einschalten. Der Geistliche will so
lange Ortspfarrer in Niederbayern bleiben, bis eine Entscheidung aus Rom
vorliegt.
Auf Polizei verzichtet
Die Bistumsleitung wusste offenbar zunächst nicht, wie sie auf den Sonderweg
Trimpls reagieren soll. "Die Kirche ist kein Staat, der die Polizei
aufmarschieren lässt", sagte Bistumssprecher Philip Hockerts. Trimpls
Vorgehen verglich der Pressesprecher allerdings mit einem "Amokläufer".
Auch mit dem von Müller eingesetzten Pfarradministrator Pater Kilian Saum kam
es zu keiner direkten Auseinandersetzung. Der Ordensbruder ließ sich nur im
Auto an dem Pfarrhaus vorbeifahren, das Gebäude betrat er nicht. Trimpl hatte
angekündigt, ihn sonst als Hausherr des Pfarramtes verweisen zu wollen.
|