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Der neue Tag 9.6.2004

Busse, Beifall, Buhrufe
Gespannte Stimmung der Kohlberger Demonstranten in Regensburg - Eventuell neuer Gottesdienst-Termin

Kohlberg. (jml) Obwohl erst am Sonntag bekannt wurde, dass am Montagabend für den Verbleib von Pfarrer Andreas Schlagenhaufer in Regensburg eine Demonstration stattfindet, haben sich fast 200 Bürger des Ortes daran beteiligt. Schulkinder mit ihren Eltern, sehr viele Jugendliche und auch etliche Ältere machten sich mit vier Bussen nach Regensburg auf.

Mitglieder des Frauenbundes, der KLJB, beide Bürgermeister, viele Vereinsvorstände, Mitglieder des evangelischen Kirchenvorstands und eine stattliche Zahl evangelischer Christen beteiligten sich an der Aktion.

Die Stimmung im Bus war gespannt. Was würde kommen? Immer wieder Gespräche über die Situation im Ort und Empörung über die harte Haltung des Bischofs. Bereits am Vormittag hatte eine vierköpfige Delegation des Pfarrgemeinderats über 760 Unterschriften im Bischöflichen Ordinariat abgegeben. Die Kohlberger Katholiken wollen den ökumenischen Gottesdienst am 25. Juli, den Bischof Gerhard Ludwig Müller verboten hat, durchsetzen.

Die Listen nimmt der persönliche Sekretär im Flur des Bischofssitzes entgegen. Man spricht etwa eine Stunde miteinander. Den Besuchern wird kein Zimmer, nicht einmal eine Sitzgelegenheit angeboten, obwohl eine schwangere Frau mit zur Delegation gehört. Das Gespräch dreht sich immer wieder im Kreis. Von klerikaler Seite wird kein Einlenken signalisiert. Allerdings deutet der Sekretär einen eventuell gangbaren Weg an. Die Kohlberger Vereinsgemeinschaft wird nun beraten, ob eine zeitliche Verschiebung des ökumenischen Wortgottesdienstes bei der Festeröffnung möglich ist.

Am Domportal treffen die Kohlberger auf die Demonstranten aus Oberalteich und Rain. Auch sie sind mit mehreren Bussen angereist, um sich mit ihrem Pfarrer Hans Trimpl solidarisch zu zeigen.

Ökumene lebt

Plakate und Spruchbänder werden entrollt. "Bischof werden ist nicht schwer, Pfarrer sein dagegen sehr" ist unter anderem zu lesen. "So was kann man mit uns nicht machen, wir sind doch nicht mehr im Mittelalter", schimpft eine Teilnehmerin.

Der Redner des Aktionskreises Regensburg (AKR) nimmt die Zuhörer mit ins Boot. Auch der Bischof gehört bei ihm natürlich dazu. "Denn nur dann sind wir ein schöner, bunter Haufen." Ein Zaungast bemerkt: "Diese Kirche wird sich nicht bewegen. Das hat schon Luther vergeblich versucht. Seit dem Unfehlbarkeitsdogma des Papstes kommen die da nicht mehr raus."

Allerdings wurde an dem Montag in Regensburg ein deutliches Zeichen auch dafür gesetzt, dass die Kirche Ökumene lebt und die Gläubigen nicht lenkbar sind wie eine Schafherde. "Wir wissen nicht, ob es was bringt, wenn wir hier zum Bischof marschieren, aber würden wir es nicht tun, dann könnte der denken, dass er machen kann, was er will", sagte einer der Demonstranten.

Ein älterer Passant regt sich darüber auf, dass so viele Kinder von ihren Eltern dazu "missbraucht" werden, bei der Protestaktion mitzumachen. "Wie sollen die denn Respekt und Vertrauen zu unserem ehrwürdigsten Herrn Bischof lernen, wenn ihnen die Eltern so was vormachen?"

Pfiffe und Buhrufe

Der lange Zug wird am nahe gelegenen Bischofssitz bereits von Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner, Domkapitular Dr. Franz Frühmorgen und zwei weiteren Herren sowie einem großen Medienaufgebot erwartet. Die kleine Gasse ist randvoll mit Menschen.

Die Protesterklärung des AKR wird verlesen, mehrfach von lang anhaltendem Beifall unterbrochen. Gegenfurtner bedauert, dass er in der aufgeheizten Stimmung nicht sachlich und argumentativ antworten kann. "Ich nehme die Listen jetzt entgegen, was soll ich auch sonst machen? Wir werden sie in der Sitzung besprechen." Und dann kommt der Satz, der den Protestierenden wie Hohn in den Ohren klingt: "Es ist jetzt an den beiden Pfarrern, sich zu bewegen!" Pfiffe, Buhrufe und "Wir sind Kirche" wird minutenlang skandiert. Dann Gesang aus der Menge: "Wo zwei oder drei versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."

Derweil spricht Pfarrer Schlagenhaufer mit den Kirchenoberen. Sachlich, ruhige Gesten. Das Ergebnis ist ungewiss. Bei Glockengeläut wird die Demonstration beendet. Viele Teilnehmer wünschen sich, dass dem Bischof die Ohren geklungen haben. Ein Fenster im oberen Stock war jedenfalls geöffnet.

 

 

 


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