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Münchner Merkur 9.6.2004
"Galgenfrist" für Querdenker
Bischof Müller lässt kritische Priester vorläufig
im Amt
VON CLAUDIA MÖLLERS Regensburg/Kohlberg - Der
Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller setzt im Streit mit zwei Diözesanpriestern,
die dem kirchenkritischen "Aktionskreis Regensburg" (AKR) angehören,
weiter auf den Dialog: Statt eine Amtsenthebung anzuordnen, beauftragte Müller
überraschend die zuständigen Regionaldekane und Dekane, mit den beiden
Seelsorgern "in nächster Zeit das Gespräch zu führen". Noch
am Abend zuvor hatten 250 Christen aus der betroffenen Gemeinde Kohlberg
vor dem Regensburger Dom für ihren Pfarrer demonstriert und dem Bischof
einen "Rückfall ins Mittelalter" vorgeworfen.
Pfarrer Andreas Schlagenhaufer, der nach Ablauf eines Ultimatums auf
das Schlimmste gefasst war, ist die große Erleichterung anzuhören:
"Mit diesem Kompromiss kann man leben. Ich bin überzeugt, wir werden
eine Lösung finden", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Der
62-jährige Seelsorger von Kohlberg (Oberpfalz) hatte soeben erfahren,
dass ihm und seinem Amtsbruder Hans Trimpl aus dem niederbayerischen
Bogen-Oberalteich quasi ein Aufschub gegeben wird.
Schlagenhaufer und Trimpl waren am Pfingstmontag aufgefordert worden,
bis zum 7. Juni aus dem Aktionskreis auszutreten und sich beim Bischof für
ihre "kirchenschädigenden Äußerungen" zu entschuldigen. Auslöser
des Konflikts sind Karikaturen und Beiträge in der vom AKR seit 1969
herausgegebenen Publikation "Pipeline". In mehr oder weniger
satirischen Beiträgen äußern sich darin Autoren - von der Hausfrau bis
zum Professor - zu kirchlichen Fragen. Zuletzt sorgte eine Karikatur für
Aufregung, die in Anspielung auf Müller einen Bischof neben einem
Fallbeil zeigt - der Geistliche sagt: "Der Nächste bitte!" Bei
"aller Wertschätzung ihres langjährigen seelsorglichen
Einsatzes" sei die Verbindung der Pfarrer zum Arbeitskreis und zur
Zeitschrift "endlich zu klären", heißt es nun in der
Stellungnahme der Diözese.
Mit dem neuerlichen Gesprächsangebot, das keinerlei zeitlichen Fristen
unterliegt, "verbindet sich die Hoffnung, die beiden Pfarrer bewegen
zu können, (...) das zu Recht erwartete deutliche Zeichen zu
setzen", heißt es. Der Bischof wolle durch die Gespräche versuchen,
die unverzichtbare Einheit der Pfarrer mit ihrem Bischof wieder
herzustellen, ohne dass eine Drohung im Raum steht, erklärte Philip
Hockerts von der bischöflichen Pressestelle.
Die Sorge, dass durch eine Demonstration bischöflicher Macht das öffentliche
Ansehen des Bischofs leiden könnte, habe bei der Entscheidung keine Rolle
gespielt, versicherte sein Sprecher. "Wenn diese Überlegungen mit
berücksichtigt würden, hätte man die Sache einfach weiter laufen
lassen", sagte er.
Doch nun stehen zunächst neue Gespräche an. "Ich nehme das Gesprächsangebot
gerne an", sagt Pfarrer Schlagenhaufer und hofft auf einen
"gewissen Spielraum". Er werde "tun, was ich tun kann, ohne
mich verleugnen zu müssen.
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