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Münchner Merkur 9.6.2004

Abkehr von der harten Tour?
BISCHOF MÜLLER SETZT IM PFARRER-STREIT AUF DIALOG

Viele Beobachter hatten damit gerechnet, dass der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller seinem Ruf als Hardliner gerecht wird und gegen die aufmüpfigen Priester des kritischen "Aktionskreis Regensburg" ein Exempel statuiert. Schließlich hatte er den Pfarrern Andreas Schlagenhaufer und Hans Trimpl ein Ultimatum gestellt, um sie zu zwingen, aus dem Aktionskreis auszutreten.

Zu einer Demonstration der Macht ist es aber (noch) nicht gekommen. In Gesprächen sollen die Kirchenreformer wieder auf Linie gebracht werden. Doch was ist so "ungehorsam" an einem Satireblättchen mit 500 Exemplaren Auflage, das seit über 30 Jahren existiert und von den früheren Regensburger Bischöfen offenbar großzügig geduldet wurde? Es mögen da und dort etwas ketzerische Aussagen zu finden sein - aber auch Müllers direkter Vorgänger Manfred Müller hatte sich souverän darüber hinweg gesetzt und den Aktionskreis ausgehalten. Soviel Gelassenheit wäre auch seinem Nachfolger zu wünschen.

Doch bereits 2003 hatte Gerhard Ludwig Müller mit harten Entscheidungen für Schlagzeilen gesorgt: Er warf einen Diözesanrat wegen dessen Nähe zur kritischen Initiative "Wir sind Kirche" aus allen Laiengremien. Dann versetzte er einen Pfarrer aus ähnlichen Gründen in den Zwangsruhestand. Beide Entscheidungen nahm er erst nach langem Streit wieder zurück.

Vielleicht hat Müller aus den unwürdigen Strafaktionen des Vorjahres gelernt. Ein Bischof, der für die Zukunft als möglicher Nachfolger von Kardinal Friedrich Wetter auf dem Münchner Bischofsstuhl gehandelt wird, sollte nicht nur durch hartes Durchgreifen von sich reden machen.

Claudia Möllers

 

 

 


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