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Der neue Tag, 30.6.2004
Leserbrief eines Kohlberger
Bürgers
Auch der Bischof ist nur ein Mensch
Sehr interessant fand ich das Interview mit
Bischof Müller. Also, für meine Leserbriefe und meine Meinung brauche ich keine Vorgaben oder Musterbriefe
und ich bin auch nicht mit irgendjemandem vernetzt. Sind rund 800 Unterschriften oder zirka 200 Demonstranten suggerierte Mehrheiten,
aufgehetzt von einer bösen Macht? Nein, er kann und will keine Kritik dulden, denn er ist der Mächtige, der Bischof, dem, wie er selbst sagt,
Ehrfurcht und Gehorsam zu erweisen ist und der Nachfolger der Apostel ist, in einer Organisation, die katholische Kirche heißt und ein Geschöpf Gottes
ist. Wer das nicht akzeptiert, darf sich nicht Katholik nennen, sind seine Worte.
In dem Interview sagt er auch, er sei in keiner
Weise bereit, die eigenen Priester in der Öffentlichkeit bloßzustellen. Meines Wissens aber wurde die
ganze Geschichte erst durch eine Pressemitteilung des Bischofs an die Öffentlichkeit getragen. Und bei einem Pontifikalamt, letzte Woche in
Regensburg, hat er seine Meinung über die bischofkritischen Priester deutlich der Öffentlichkeit mitgeteilt:
Sie verstünden nichts von der Heiligen Schrift
und sie würden die bischöfliche Verfassung der Kirche verneinen und untergraben. Sie seien
keine wahren Hirten, sondern Heuchler und Pharisäer, denen nichts an ihren Schafen liegt. Ihr Ziel sei es, ihre eigenen verquollenen Ideen in der
Kirche zur Herrschaft zu bringen. Er werde sie nicht aus Bequemlichkeit laufen lassen, sondern seine Schafe vor solchen Wölfen
im Schafspelz schützen.
Angesichts solcher Parolen aus dem Munde des
Bischofs frage ich mich schon, wer hier das Spiel mit Intrigen und Heuchelei treibt? Für mich hat Bischof
Müller in jeder Hinsicht versagt. Versagt als Christ, weil er in seiner Selbstherrlichkeit und seinem verletzten Stolz die christliche
Nächstenliebe, Toleranz und Vergebung vergisst. Versagt als Vorgesetzter, weil er nicht kritikfähig ist und seine Untergebenen mit diktatorischen
Führungsmethoden zum Gehorsam zwingt. Versagt als Bischof, weil er mit seinem Verhalten der katholischen Kirche Schaden zufügt und ihr die
Glaubwürdigkeit nimmt.
Doch trotz aller Auseinandersetzung und Kritik
ist mir bewusst, dass auch der Bischof ein Mensch ist, mit Fehlern und Schwächen wie jeder Andere auch.
Und in einem Punkt bin ich sogar seiner Meinung: Letzten Endes entscheidet Gott darüber, ob wir gute Menschen, Christen, Priester oder Bischöfe waren.
Also dann: Nix für ungut!
Erich Englert, 92702 Kohlberg
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