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"Kirche In" 09/2005, Vorwort

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Ich bin getauft. Sie doch auch. Es gibt unzählige Getaufte auf der Welt, bei denen es aber bloß beim Taufschein geblieben ist. Ich wollte kein Taufschein-Christ sein. Von früher Jugend auf wuchs in mir eine stets größere Begeisterung für Jesus. Sie explodierte in der Berufung zum Priestertum, die ich nie bereut habe. Ich war und bin leidenschaftlicher Christ und Priester.

Getauft worden zu sein, bedeutet Verantwortung und Verpflichtung, die Sache Jesu Christi dort, wo es nur möglich ist, voranzutreiben, sein mit seinem Leben gestempeltes Testament zu vollstrecken. Das wurde mir immer mehr bewusst. Das bestimmte meine rund 30 Jahre andauernde Gemeindeseelsorge, meine journalistische und schriftstellerische Arbeit, führte mich schließlich zur Gründung von Kirche Intern, heute Kirche In.
Es war das erste Medium, das im Frühjahr 1987 (Ernennung des Oberösterreichers Dr. Krenn zum Weihbischof nach Wien) den Kampf gegen die unheilvolle Entwicklung in der römisch-katholischen Kirche, die von Namen wie Groer, Krenn, Eder, Dyba, Meisner, Haas, usw. ... gekennzeichnet war, und im Schoß der Wojtyla-Ratzingerschen Trendwende heranblühen konnte, aufgenommen hatte. Dass wir, zunächst was Österreich betrifft, recht behalten haben, muss nicht bewiesen werden.

Einen schändlicheren und für die Kirche ärgeren Prestigeverlust, mit einem Massenauszug enttäuschter Christianen und Christen hat es noch nie gegeben als jenen, der für immer mit den Namen, Groer, Krenn, Eder usw. ... verbunden bleibt. Die Schreibtischtäter aber saßen in Rom. Einer, von ihnen ist Papst gewesen, soll heiliggesprochen werden, der andere ist Papst geworden.

Es tut mir leid, aber ich gehöre nicht zu jenen Massenmenschen, die sich von Kinder streichelnden, honigsüß lächelnden Diktatoren, Kalifen und anderen Gauklern auf der Bühne des großen Weltkabaretts beeindrucken lassen. Und ich habe die unangenehme Eigenschaft, das auch noch ungeschminkt auszusprechen. Der Bischof von Regensburg, ein gewisser Müller, der offenbar aus irgendeinem schlecht verschlossenen mittelalterlichen Verließ ausgebrochen sein dürfte, und den es durch den selben geistlos dahinpfuschenden Vatikan, (siehe oben) irrtümlicherweise ins 21. Jahrhundert verschlagen hat, würde mir für diese Parrhesia, mangels Scheiterhaufen, vielleicht wenigstens die Pension kürzen. Doch gottlob sind nicht alle Hierarchen so verrückt, bzw. von der Botschaft Christi abgerückt, dass sie vor lauter Herumfuchteln mit dem menschlich allzumenschlichen Kirchenrechts-Kodex, dem sie noch einige Paragraphen hinzuzufügen trachten, nicht mehr wissen, was im Kodex Jesu Christi steht. Der genannte Müller, aus Roms Gnaden Bischof von Regensburg, humorlos und offenbar psychisch nicht voll am Damm, weiß in seinem Machtrausch anscheinend nicht, dass es einen biblischen Satz gibt, der "wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn" lautet. "Recht", nicht Gnade, so steht es bei Lukas 10, 7! Sollen Müller und seine Komplizen alles tun, was ihnen in ihrer selbstgerechten Verblendung einfällt: ihre priesterlichen Mitbrüder beschimpfen, verfluchen, sie öffentlich verleumden, über sie Lügen verbreiten, oder was sie wollen, aber sie sind in keiner Weise befugt, diesen verdienten Priestern das Recht auf die volle Pension zu nehmen, für die sie redlich ihre seelsorgliche Arbeit geleistet haben. Das ist ein himmelschreiendes Unrecht, gegen das die ganze Diözese Regensburg, ja die Gesamtkirche Deutschlands in bedingungsloser Solidarität wie ein Mensch aufstehen müsste!

Mehr über Ludwig Müller, - der sich, welch eine Chuzpe, noch als Märtyrer seiner Kritiker fühlt! - lesen Sie von Norbert Stahl in dieser Nummer. Meine Meinung: Dieser machtbesoffene Bischof gehört weg. Nach Rom, zum Beispiel ins Vatikanische Archiv, Kapitel Inquisition.
Traurig genug: Während Österreich seine geistlos eingesetzten Bischöfe durch die, wenn auch langsam, aber sicher mahlenden Mühlen Gottes losgeworden ist, und somit wenigstens die Einheit der Ortskirche einigermaßen wiederhergestellt wurde (notwendige Reformen lassen freilich, wie auch sonst wo, weiterhin auf sich warten), ist Deutschland in letzter Zeit mit einigen Bischöfen "gesegnet" worden, die - was nicht schwer vorauszusagen ist - die kirchliche Einheit weiter schwer belasten werden, falls sie in ihrer selbstgerechten Verblendung verharren und zu keiner Umkehr bereit sind. Wir sollten für sie beten, aber auch ihre evangeliumswidrigen Handlungen stets offenherzig und schonungslos aufdecken. Resignation ist der falsche Weg, ist Untreue gegenüber jener Verantwortung und Verpflichtung, die uns die Gnade unserer Taufe auferlegt, meint Ihr
Pfarrer Rudolf Schermann

 

 

 


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