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Rede von Josef Stahl zur Eröffnung der Demo

Liebe Mitmenschen,

für den Aktionskreis Regensburg (AKR) sage ich allen ein herzliches Willkommen. Ich darf Ihnen danken für Ihr Hier-Sein und Ihr Zeichen der Solidaridät.

Ich bin der Sepp Stahl aus Teugn und seit vielen Jahren dem AKR verbunden.

Wir sind heute hier ganz unterschiedliche Leute aus verschiedenen Regionen der Diözese. Manche sind aus Regensburg, manche kommen vom Osten aus Oberalteich, manche kommen vom Norden aus Kohlberg, manche vom Süden aus der Hallertau und den Spargelgegenden. Aus dem Westen der Diözese sind sicher auch welche hier.
Mit dem Wetter haben wir Glück. Es war und ist ein schöner Tag.

Auch uns, die wir hier sind, ist unsere Kirche ein großes Anliegen - eine geschwisterliche Kirche, wie wir sie seit dem 2. Vatikanischen Konzil verstehen. Dieses 2. Vatikan. Konzil hat wichtige zeitgemäße Reformen gebracht. Seither sprechen wir von 'geschwisterlicher Kirche', von der 'befreienden Frohbotschaft', vom 'Volk Gottes unterwegs'.

Klerus und Laien - eine Jede, ein Jeder hat ihre/seine Gaben erhalten und darf/soll sie einbringen. Wir haben alle die gleiche Taufe empfangen. Wir unterscheiden uns zwar alle voneinander. Keine/keiner ist dem anderen gleich. Und doch gehören wir zusammen. Wir wollen eine wahrhaft katholische Kirche sein.
'Katholische Kirche' meint 'kat holän gän' - den ganzen Erdkreis umfassend. In dieser Kirche hat jeder Platz. Keiner sollte ausgeschlossen werden.

In dieser Kirche haben Platz die Rechten und die Linken, die Konservativen und die Progressiven, Kirchennahe und Kirchenferne, ja sogar kritisch Denkende.
In dieser Kirche haben Platz ein Papst Johannes Paul II., ein katholischer Bischof Gerhard Ludwig Müller, ein evangelischer Regionalbischof Weiss, ein altkatholischer Pfarrer Staymann, ein Pfarrer Schlagenhaufer, ein Pfarrer Trimpl - und wir alle.

Einheit und Lebendigkeit in der Vielfalt - in diesem Geist verstehen wir unser Christsein, mündig und selbstbewusst bringen wir uns ein und holen uns Kraft für unser Engagement und Glaubensleben.
Es ist verständlich: Bei einer so bunten, farbenfrohen Gesellschaft tauchen auch Probleme auf. Das ist normal und wir müssen ringen um den richtigen Weg für die Zukunft.
Aber keinen wollen wir ausschließen. Jesus zeigt uns den Weg. Er hat sich an einen Tisch gesetzt, Mahl gehalten mit Zöllnern und Dirnen und alle eingeladen, auch die, die am Rand der Gesellschaft waren. Das ist die Societas Jesu, die Gesellschaft Jesu.

Die Anschuldigungen von Seiten des Bischofs sind hart: kirchenschädigend, kirchenfeindlich, Schmähung, Beleidigungen und Hasstiraden - gar der Vergleich mit Nazi-Aktionen...
Die Konsequenzen daraus sind ebenso hart: Ultimatum, Ausgrenzung, absoluter Gehorsam, Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand, Rat zur Auswanderung in eine andere Diözese oder Laisierung.
Dies ist nicht der Stil einer geschwisterlichen Kirche und widerspricht dem Geist des 2. Vatikan. Konzils.

Erlauben Sie mir eine kurze Anmerkung zum Wesen der Karikatur: Die Karikatur als Kunstform ist eine Bereicherung unserer Kultur. Es gibt wohl keine Tageszeitung ohne Karikatur. Inmitten der vielen negativen, bedrückenden Themen bringt sie uns mit ihrer Hintergründigkeit und auch Überzeichnung zum Schmunzeln. Vor Gericht hat sich die Karikatur stets als unangreifbar erwiesen.
Zufällig las ich dieser Tage den Satz: "Eine Kirche, die Macht faktisch ausübt und herrscht, hat kaum die Fähigkeit zu Karikatur und Ironie."

Ihr wisst es, Schwestern und Brüder, da hat einer eine Guillotine gezeichnet und bei der Guillotine steht ein Bischof. Ihr kennt doch alle die Zeichnung. Der, der diese Zeichnung gemacht hat, steht hier: Gerhard Schmidt. Wollen wir den in unserer Gesellschaft belassen oder werfen wir ihn hinaus?

Und der, der mitverantwortlich war, dass diese Zeichnung verbreitet wurde - in der PIPELINE - heißt Andreas Schlagenhaufer und steht auch hier. Wollen wir den ausschließen aus unserer Gemeinschaft? (überwältigendes 'NEIN' der Demonstrationsteilnehmer) Wo bleibt die Würdigung seiner 35jährigen Wirkens als Priester und Seelsorger?

Einer, der auch gesagt hat, dass er mitverantwortlich ist für die Verbreitung dieser Ideen, kann heute aus gesundheitlichen Gründen leider nicht da sein. Er heißt Hans Trimpl. Soll der in unserer Gemeinschaft bleiben? (überwältigendes 'JA' der Demonstrationsteilnehmer) Wo bleibt die Würdigung seines 35jährigen Wirkens als Priester und Seelsorger?

Einer, der öfter hier im Dom ist und ganz in der Nähe wohnt, heißt Bischof Gerhard Ludwig Müller. Gehört der auch zu unserer Gemeinschaft? (überwältigendes 'JA' der Demonstrationsteilnehmer)

Wenn wir alle dazu gehören, ist das doch ein schöner bunter Haufen, an dem man wirklich seine Freude haben kann - haben könnte...  Dafür demonstrieren wir heute.

Ich denke, für uns Menschen - insbesondere für uns Christinnen und Christen - ist es nie zu spät, immer wieder und noch einmal das Gespräch zum Ausgleich, zur Versöhnung zu suchen.
Ein Ultimatum ist lediglich ein Termin, der jederzeit wieder aufgehoben werden kann. Vielleicht hilft in der momentanen verhärteten Situation eine neutrale Persönlichkeit als Moderator und Vermittler weiter.

Unser Appell an den Bischof: Nehmen Sie morgen wieder das Gespräch auf! Es sollte alles, wirklich alles unternommen werden, eine menschliche, unserem Christsein angemessene Lösung zu finden.

 

 

 


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