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Der neue Tag, 1.7.2004
Leserbrief des
Bürgermeisters der Gemeinde Kohlberg
Schweigen angebracht
Die Art und Weise, wie Bischof Prof. Dr.
Gerhard Ludwig Müller den Konflikt mit den Pfarrern Andreas Schlagenhaufer und
Hans Trimpl in der Öffentlichkeit ausficht, ist für mich nicht
nachvollziehbar.
Ich kenne Pfarrer Andreas Schlagenhofer nun
schon über ein Vierteljahrhundert. Wir waren und wir sind nicht immer der
gleichen Meinung. Dennoch, er ist ein Mensch, der das lebt, was er sagt. Der
vernünftige Umgang mit der Schöpfung, das Miteinander unter den Menschen und
eine praktizierte Ökumene haben bei ihm Priorität. Da kann er schon mal zum
"Sturkopf" werden. Aber ich halte ihn für einen aufrechten Mann, der
nicht Wasser predigt und Wein trinkt, was ihn von vielen so genannten
Weltverbesserern unterscheidet.
Dass ihm aber von Domvikar und
Bischofsvertreter Dr. Gegenfurtner in einer kürzlich gehaltenen Predigt in
Weiherhammer andeutungsweise unterstellt wird, er habe den dortigen Pfarrer
denunziert, um von seinen eigenen Problemen abzulenken, ist nicht nur schlechter
Stil.
Dass er und sein Amtsbruder Hans Trimpl vom
Bischof höchst persönlich und öffentlich als "Wölfe im Schafspelz"
bezeichnet werden, die er nicht laufen lassen werde, spricht nicht für die
menschliche Qualität des "Oberhirten".
Nunmehr behauptet Dr. Müller in dem Interview,
die Leserbriefe fußten auf einem Musterbrief, der - wohl von beiden Pfarrern -
bewusst und animierend herausgegeben wurde, um Stimmung gegen ihn zu machen.
Hierzu bedarf es wirklich keines "Musterbriefes"; das Verhalten des
Bischofs in dieser Sache stößt vielerorts auf Unverständnis. Un da juckt es
viele nachgerade in den Fingern, ihr Missfallen zu Papier zu bringen. Dass immer
wieder Schlagworte wie "Mittelalter" oder "Inquisition"
fallen, hat nichts mit Absprache zu tun, sondern wohl eher mit der Kenntnis der
Kirchengeschichte und dem antiquierten Verhalten der Regensburger Domherren.
Herr Prof. Dr. Müller bringt in dem Interview
auch sehr selbstbewusst zum Ausdruck, dass er Wissenschaftler sei, bei dem nur
Argumente zählen. Vermutungen und Verdächtigungen auszusprechen ist aber genau
das Gegenteil!
In einem schwebenden Verfahren, und um ein
solches handelt es sich hier, ist es grundsätzlich so, dass die Beteiligten bis
zu einer endgültigen Klärung Stillschweigen bewahren. Dieser Grundsatz scheint
aber in Regensburg nicht zu gelten.
Karl Prösl, 92702
Kohlberg
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