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Neue Bildpost, Dezember 2005

Brief der Woche

Brief der Neuen Bildpost an Bischof Gerhard Ludwig Müller

Weihnachtsfriede

Sehr geehrter Herr Bischof Müller,

"...und Friede den Menschen auf Erden" heißt es in der Weihnachtsbotschaft, die wir in diesen Tagen wieder hören - und zwar gerne hören. Denn nach Frieden sehnt sich jeder. Nach dem großen Frieden in der Welt, nach Frieden im eigenen Land, nach Frieden in der Familie - und auch nach Frieden in der Kirche, Letzteres sollte eigentlich selbstverständlich sein. Doch leider ist es das nicht, wie in der über 2000jährigen Kirchengeschichte immer wieder zu erfahren war.

Friedvoll ist es bedauerlicherweise in der Vorweihnachtszeit auch in Ihrer Diözese nicht zugegangen. Die Neuordnung der Laiengremien im Bistum Regensburg hat hohe Wellen geschlagen und in der katholischen Kirche in ganz Deutschland für aufgeregte Debatten gesorgt. Hinzu kam die Maßregelung einiger kritischer Geister durch die bischöfliche Behörde.

Nun mag man über Sinn oder Unsinn der vielen Räte in der katholischen Kirche trefflich streiten. Die Frage, ob und in welcher Form wie viele Räte notwendig sind, darf ein jeder Katholik stellen. Vielleicht muss diese Frage sogar gestellt werden. Und man kann dabei sicher auch zu unterschiedlichen Antworten kommen. Auch die Frage, wie demokratisch Räte oder Komitees gewählt werden müssen, ist diskussionsfähig.

Nicht diskutieren aber kann man über den Umgang von Christenmenschen miteinander. Und dieser Umgang miteinander erscheint uns im Bistum Regensburg wenig vorbildlich. Die Art und Weise, wie die Auseinandersetzungen ausgetragen wurden und werden, hat mit communio, die die Kirche doch sein soll, wenig gemein. Zuweilen fühlt man sich an den Wahlkampf des vergangenen Herbstes erinnert.

Die Politiker jedoch, zumindest die von CDU/CSU und SPD haben eines geschafft: sie haben den Streit von gestern begraben und sich zusammengerauft, um doch noch das Beste zum Wohle des Landes zu erreichen.

Während wir sonst den Politikern christliches Handeln empfehlen, möchten wir deshalb heute den Spieß einmal herumdrehen: nehmen Sie und alle anderen Beteiligten in Regensburg sich doch einmal ein Beispiel an der Politik! Setzen Sie sich zusammen und reden Sie miteinander, wie man aus der derzeit verfahrenen Situation wieder das Beste machen kann! Das sollte unter Christen doch möglich sein.

Auf Sie als Bischof kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Der Hirte muss seine Herde führen, aber er soll auch ein guter und ein gütiger Hirte sein - so wie es unser Herr Jesus Christus nicht nur gepredigt, sondern auch vorgelebt hat.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesegnetes, friedvolles Weihnachtsfest!

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