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Leserbrief von Günter Solich in der Amberger Zeitung - 27.7.2005

Gemeinde ist eine Runde von Gleichen

Noch unter keinem Bischof unseres Bistums hat es so gehäuft Streit mit Priestern, Laien und Vereinen gegeben wie unter dem jetzigen Amtsinhaber. Nun geht es um eine Satzungsänderung für Pfarrgemeinderäte, die der Bischof nach Meinung des Vorsitzenden des Diözesanrates Fritz Wallner eigenmächtig vorgenommen hat. Notwendig wäre eine Zweidrittelmehrheit gewesen. Der Bischof widerspricht unter anderem mit dem Hinweis, dass ihn eine solche Bindung auf die Stufe eines einfachen Ratsmitgliedes gestellt hätte.

Stattdessen will sich Dr. Gerhard Müller an der Spitze einer hierarchischen Pyramide sehen, ausgestattet mit göttlicher Vollmacht. Diese Einstellung widerspricht jedoch der Gemeinde, wie sie von Jesus vorgelebt wurde: nämlich als eine Runde von Gleichen, mit Christus als Mittelpunkt. Diese Mitte kann von niemand besetzt werden. Auch nicht von einem Stellvertreter, denn es gilt das Wort "nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder".

Die neue Satzung spricht konkret auch die Pfarrgemeinderäte an. Sollten diese sich nicht entsprechend der Lehre und den Grundsätzen der katholischen Kirche verhalten, können sie abberufen werden. Weiß der Bischof nicht, dass Jesus selbst seine ärgsten Widersacher nicht behandelt hat wie ein Herr seine Knechte, sondern wie ein Freund seine Freunde?

Der Bischof trägt sich auch mit dem Gedanken, die Laiengremien neu zu strukturieren, um Doppelarbeit zu vermeiden. Ob das aber nicht bloß ein Vorwand ist, die Laienarbeit und damit eigenständiges Denken einzuschränken, um uneingeschränkt herrschen zu können? Der Anteil der Laien wird bei der Schaffung eines Diözesan-Pastoralrates auf ein Drittel festgelegt. So sichert sich der Bischof von vornherein die Mehrheit. Die meisten Mitglieder beruft er selbst. In Glaubensdingen haben sie einer Meinung mit dem Bischof zu sein.

Wie passt das eigentlich alles zusammen mit dem Geiste Christi, wenn die Kirchenoberen den Zügel immer enger zurren und damit den offenen Dialog mit dem Volk verweigern? Und das Ganze unter der Flagge laufen lassen "Gott will es so". Wieviel Leid ist unter diesem Motto schon in die Welt gebracht worden! Das zweite Vatikanum fordert aber nicht Abschottung, Ausgrenzung und Enge, sondern die Einbeziehung der Meinung des gesamten Gottesvolkes in die Entscheidungsprozesse der Kirche.

Wer sich dieser Auffassung dankenswerterweise angenommen hat, ist der Vorgänger unseres jetzigen Bischofs. Er hat seine gesamte Gemeinde im Rahmen des Regensburger Forums zur konstruktiven Kritik am Zustand der Kirche und ihren Lehren aufgerufen. Diese Dokumentation aufzuarbeiten wäre eine lohnende Aufgabe, um sich als echter Brückenbauer zu erweisen.

Günter Solich
92245 Kümmersbruck

 

 

 


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