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Offener Brief der AGP (Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland)

An den Bischof von Regensburg, Herrn Dr. Gerhard Ludwig Müller

64646 Heppenheim, 2. Juni 2004

Sehr geehrter Herr Bischof!

Im Augenblick findet die Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland (AGP) in Heppenheim statt. Unsere Tagungsstätte ist das "Haus am Maiberg" des Bistums Mainz.

Hier erreicht uns die Nachricht vom Konflikt zwischen Ihnen und den Pfarrern Trimpl und Schlagenhaufer. Mit Befremden erfahren wir von Ihrer uns unverständlichen Forderung an unsere Freunde und Kollegen, den Austritt aus dem Aktionskreis Regensburg zu erklären. Der AKR ist seit 30 Jahren eine Mitgliedsgruppe der AGP. Diese Vereinigung besteht seit 1969 und setzt sich seitdem für Reformen in der Kirche nach den Beschlüssen und im Geist des Zweiten Vaticanum ein. Wir wissen aus langjähriger Zusammenarbeit, dass auch die beiden Pfarrer und der AKR sich mit großem Engagement für eine Erneuerung der Kirche und für die Vermittlung eines evangeliums- und zeitgemäßen Glaubens eingesetzt haben.

Es erscheint uns aus diesem Grund geradezu absurd, dass Sie nun diese beiden Pfarrer mit kirchenrechtlichen Sanktionen bedrohen. Dadurch handeln Sie ungerecht gegen Ihre Diözesanpriester und setzen sie einem in keiner Weise zu rechtfertigenden moralischen und psychischen Druck aus.
Nach den uns vorliegenden Informationen haben die beiden Pfarrer Ihnen gegenüber erklärt, dass durch die Artikel in der "Pipeline" weder Sie persönlich noch das Bischofsamt angegriffen werden sollten. Außerdem haben sie bei verschiedener Gelegenheit betont, dass sie ihr Weiheversprechen ernst nehmen und auch in Zukunft keine Artikel in der "Pipeline" veröffentlichen werden, die ihm widersprechen. Über die Aufrichtigkeit dieser Zusagen kann kein ernsthafter Zweifel bestehen.

In den letzten Wochen ist keine weitere Nummer der "Pipeline" erschienen, und uns sind auch von der Seite keine neuen, eine Verschärfung des Konflikts rechtfertigenden Tatbestände bekannt. Nun fordern Sie plötzlich den Austritt der beiden Pfarrer aus dem AKR. Warum diese unnötige Eskalation?

Sie müssten verstehen, dass die Mitgliedschaft und das Engagement von A. Schlagenhaufer und J. Trimpl im AKR ein wichtiger Teil ihrer persönlichen, aber auch priesterlichen Lebensgeschichte sind. Wie können Sie eine Distanzierung davon auch nur erwarten? Es kann doch nicht sein, dass Sie ein kritisches Engagement, das nie einen Zweifel an seiner Kirchlichkeit gerechtfertigt hat, mit Kirchenfeindlichkeit verwechseln und zu unterdrücken versuchen. Mit Ihrem Affront gegen die beiden Pfarrer und den AKR treffen Sie auch die anderen Reformgruppen und diffamieren alle Priester und Laien die sich in diesen Gruppen engagieren.

Wir möchten Sie darum mit allem Nachdruck bitten, auf die Bereitschaft der beiden Pfarrer zur Verständigung einzugehen. Legitime Meinungsverschiedenheiten sind kein Grund, die Betroffenen mit Willkürmaßnahmen zu disziplinieren, um so Exempel zu statuieren oder Macht zu demonstrieren.

Ein solches unangemessenes und inakzeptables Vorgehen würde auch von den mitbetroffenen Gemeinden nicht verstanden, sondern vielmehr in ihnen zu unnötiger Unruhe führen und gerade zu solchen Urteilen über kirchliche Obrigkeiten verleiten, die von Ihnen selbst nicht gewünscht werden können. Wir möchten sie außerdem an Ihre Verantwortung für die Einheit der Gemeinden erinnern, die von den beiden Pfarrern bisher jedenfalls nicht beeinträchtigt worden ist.

In der Erwartung einer baldigen Beilegung des Konflikts grüßen wir Sie
Edgar Utsch, Oberstudienrat, Carl-Peter Klusmann, Pfarrer i.R. (Sprecher)

 

 

 


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